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Frankfurt in Europa League : Noch mal ein großer Eintracht-Abend?

Sein 75. Spiel als Eintracht-Trainer: Adi Hütter in London Bild: Reuters

Bei Arsenal sind sie angespannter: Das Europapokalspiel beim Tabellenführer soll der Eintracht den Stimmungsumschwung bringen. Trainer Hütter ist optimistisch – vor allem aus einem Grund.

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          Zurück in London, zurück in der Welthauptstadt des Fußballs, in der die Eintracht im Mai ihr Spiel des Jahres gemacht hat. Nur nicht mit dem gewünschten Erfolg, denn im Halbfinale der Europa League mussten sich die Frankfurter Fußballprofis gegen den großen Favoriten und späteren Cupsieger FC Chelsea unglücklich im Elfmeterschießen geschlagen geben. Der 9. Mai im Stadion an der Stamford Bridge ist ein epischer Abend gewesen – vom 28. November soll eine ähnliche Strahlkraft ausgehen.

          Europa League

          Rückspiel beim FC Arsenal, vorletztes Europa-League-Gruppenspiel der Eintracht beim Tabellenführer der Gruppe F. Die Ausgangslage: Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter braucht einen Sieg. Doch auch ein Unentschieden könnte hilfreich sein – vorausgesetzt, die punktgleichen Belgier von Standard Lüttich erzielen im parallel ausgetragenen Spiel an diesem Donnerstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League sowie bei RTL und DAZN) bei Vitória Guimarães ein ähnliches Ergebnis wie die Eintracht. Und selbst bei einer Niederlage der Frankfurter, die zuletzt drei Pflichtspiele in Serie verloren haben, wäre der Traum von Europa noch nicht beendet. Die Entscheidung über den Einzug in das Sechzehntelfinale fällt am 12. Dezember gegen die Portugiesen aus Guimarães.

          London, die Zweite

          London, die Zweite also. Am Mittwochmittag ist Trainer Hütter mit 20 Spielern in die englische Millionenkapitale geflogen. Am Abend saß der 49 Jahre alte Fußballlehrer gemeinsam mit Djibril Sow auf dem Podium in den Katakomben des Emirates Stadiums von Arsenal, um Auskunft zu geben. Einige Fragen waren schon zuvor geklärt. Hütter muss die Hürde Arsenal ohne Sebastian Rode und Bas Dost nehmen. Sowohl der Mittelfeldspieler als auch der Stürmer haben die Flugreise nach London nicht mitgemacht. „Beide sind zwei absolute Schlüsselspieler“, sagte Hütter am Abend in der englischen Hauptstadt. „Aber sie haben leichte Blessuren und sind nicht topfit.“ Deshalb müssen es andere richten, und Hütter ist sicher, „dass wir das im Kollektiv lösen“.

          Der Schweizer Mittelfeldmann Sow erwartet an diesem Donnerstag ein „Highlight“, wohl wissend, dass er und seine Mannschaftskollegen ohne die Unterstützung der Frankfurter Fans auskommen müssen. Wegen der Verfehlungen von Guimarães, wo Sitzschalen durch das Stadion flogen, wurde die Eintracht mit einem Fanausschluss für die beiden nachfolgenden Europa-League-Auswärtsspiele in Lüttich und jetzt London bestraft. Trotzdem haben sich etliche Anhänger auf den Weg nach London gemacht. Ohne Bestrafung, ist sich Hütter sicher, „wären Zigtausende ins Stadion gekommen“.

          Die Eintracht bei Arsenal. „Wir werden versuchen, alles zu geben“, sagte Hütter gut 24 Stunden vor dem Anpfiff – und mag sich dabei womöglich an die Ereignisse vom 9. Mai einige Kilometer weiter südwestlich erinnert haben. „An Optimismus fehlt es uns nicht“, sagte der Österreicher, der nach zuletzt drei Niederlagen in Lüttich und Freiburg sowie zu Hause gegen Wolfsburg das Positive hervorhob. „In Lüttich haben wir ein ordentliches Spiel gemacht, in Freiburg sogar ein sehr ordentliches, und wir sind dort auch die bessere Mannschaft gewesen.“

          Schmerzlich empfindet Hütter vor allem das 1:2 von Lüttich, das erst in der sechsten und letzten Minute der Nachspielzeit zustande gekommen war. „Diese unglückliche Niederlage hat uns in Bedrängnis gebracht“, sagte der Eintracht-Trainer in London, wo er im letzten Europa-League-Auswärtsspiel des Jahres mit einer „sehr schnellen Arsenal-Mannschaft, speziell vorne im Angriff“, rechnet. Ein Team, für das er großen Respekt empfindet. „Schon bei der Auslosung habe ich mich über den dicken Brocken Arsenal gefreut.“

          Lage bei Arsenal angespannt

          Bei den Engländern, zuletzt sechsmal nacheinander sieglos geblieben und in der Kritik, ist die Lage angespannt. „Wenn der Trainer unter Druck ist, dann sind es die Spieler auch“, sagte Unai Emery. Der spanische Coach der Engländer ist längst nicht mehr unumstritten beim Starensemble aus dem Londoner Norden. Er gab sich am Mittwoch kämpferisch. „Wir wollen Platz eins verteidigen und absichern“, sagte der Spanier. „Ich glaube an uns und an meine Spieler.“

          Auch der Arsenal-Trainer war mit einem Spieler an seiner Seite vor die Presse getreten. Die Wahl fiel auf Shkodran Mustafi, den deutschen Nationalspieler. Der 27 Jahre alte Hesse, in Bad Hersfeld geboren, sprang Emery zur Seite. Er sagte über das zuletzt schwache Abschneiden von Arsenal in der Premier League: „Die Fans sind sauer und enttäuscht – und wir sind es auch.“ Für das Wiedersehen mit ehemaligen Weggefährten – gemeinsam mit Eintracht-Profi Erik Durm gehörte Mustafi zum Weltmeisterteam von 2014 – hatte Mustafi freundliche Worte parat. „Die Eintracht ist der wahrscheinlich härteste Gruppengegner. Frankfurt hat eine Identität.“

          Frankfurt hat vor allem eine schwere Aufgabe zu lösen. Mit einem 1:1 in Lüttich wäre das Tor in Richtung Sechzehntelfinale weit aufgestoßen gewesen. Doch der Last-Minute-Treffer hat die Lage schlagartig verändert. Standard, punkt- und torgleich mit der Eintracht, liegt aufgrund der mehr erzielten Tore vor den Frankfurtern. Die hatten am vergangenen Samstag beim 0:2 gegen Wolfsburg „nicht Eintracht-like“ gespielt, wie Hütter anmerkte. „Wenn man 31 Spiele bis zur Winterpause hat, ist es nicht leicht, immer das Feuer zu entfachen.“

          Für Hütter ist das Spiel bei Arsenal sein 75. Einsatz als Eintracht-Trainer. Ein kleines Jubiläum an einem großen Fußballabend? Hütters einstiger Berner Meisterspieler Sow sagte zur Einstimmung auf das Duell mit Arsenal: „Ich will nach dem Spiel zu Hause nicht sagen, dass ich im Emirates gespielt habe. Ich will sagen, dass ich hier etwas geholt habe.“

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