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Eintracht Frankfurt : Funkel darf Rekordtrainer werden

Friedhelm Funkel darf ein weiteres Jahr Trainer in Frankfurt bleiben Bild: Wonge Bergmann

Vor dem Heimspiel gegen Köln an diesem Samstag spricht sich der Aufsichtsrat der Frankfurter Eintracht für eine Verlängerung mit Friedhelm Funkel aus. Der Rheinländer soll bis 2010 bleiben.

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          Die Räte hatten Redebedarf und haben sich auf ihrer ordentlichen Sitzung am Rande der alljährlichen Klausurtagung in einem Wirtshaus im Spessart viel Zeit genommen. Am Ende gab es, so die offizielle Darstellung der Frankfurter Eintracht vom Freitagabend, einen einstimmigen Beschluss des Kontrollgremiums pro Friedhelm Funkel. Der Trainer der Frankfurter Eintracht, der sich schon am 27. Januar nach einigen Gesprächsrunden mit dem Vorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG auf einen neuen, vom Juli an geltenden Jahresvertrag geeinigt hatte, hat nun also auch die dafür notwendige Zustimmung des neun Personen umfassenden Aufsichtsrates erhalten.

          Dieses Votum war erwartet worden, denn bei einer Ablehnung des maßgeblich von Manager Heribert Bruchhagen forcierten Vorstandsbeschlusses wäre die Eintracht in eine große Führungskrise geraten. So herrscht nun Planungssicherheit bei der Eintracht, und Vorstandschef Bruchhagen kann zügig den Wunsch seines zukünftigen Rekordtrainers – am 2. Juli wird Funkel vor Erich Ribbeck der am längsten in Frankfurt tätige Fußballlehrer sein – umsetzen, auch Assistenztrainer Armin Reutershahn sowie Torwarttrainer Andreas Menger über das Saisonende hinaus an den Klub zu binden.

          Wochenlanges Gezerre

          Bei dem wochenlangen Gezerre um Funkels Vertragsverlängerung hatte Bruchhagen unlängst eingeräumt, „dass es vielleicht ein Fehler war, dass wir in der Vergangenheit immer so getan haben, als reiche ein dreiminütiges Gespräch mit unserem Trainer, um den Vertrag zu verlängern. Ganz so einfach ist es in diesem Geschäft nämlich nicht. Wir hatten uns mit derlei Verlautbarungen aus der Vergangenheit nun selbst unnötig unter Druck gesetzt.“

          Sportlichen Druck vor dem ersten Heimspielgegner in der Rückrunde empfindet Funkel nicht. Doch der Respekt vor Köln ist groß. Vor allem vor einem aus dem Ensemble des FC: Milivoje Novakovic. Der 29 Jahre alte Slowene erfreut sich nicht nur am Rhein, sondern auch am Main besonderer Wertschätzung. Funkel weiß um die Qualitäten des gefährlichen Angreifers, der von seinen Mitspielern vornehmlich mit langen Bällen gesucht wird.

          Auch deshalb hat Funkel am Freitag gegen Ende des Abschlusstrainings seine komplette Abwehrriege zusammengerufen und sie auf den Sonderfall Novakovic eingestimmt. Von Assistenzcoach Reutershahn bedient, schlug der Japaner Junichi Inamoto von der Mittellinie aus eben jene langen Bälle in den Strafraum, in dem Patrick Ochs, Marco Russ, Chris und Nikola Petkovic gefordert waren, mit Köpfchen zu klären. Am Freitag hatte das Frankfurter Quartett, abgeschirmt von Markus Pröll, der gegen Köln im Frankfurter Tor stehen wird, leichtes Spiel. Als gegnerischer Stürmer wurde der nur 1,74 Meter lange Rückkehrer Ümit Korkmaz aufgeboten. Novakovic, eine Art Lebensversicherung für die Kölner, ist länger (1,92 Meter) und aktuell bedeutend gefährlicher als der seit Monaten unter einem Mittelfußbruch leidende Österreicher.

          „Sieg ist Pflicht“

          Ihn vor allem gilt es an diesem Samstag (WM-Arena, 15.30 Uhr) zu stoppen, wenn sich die Eintracht anschickt, ihr erstes Rückrundenheimspiel vor ausverkauftem Haus zu gewinnen. Innenverteidiger Russ hatte schon tags zuvor unmissverständlich gesagt, „dass ein Sieg Pflicht ist“. Und auch Benjamin Köhler, einer der vielen variabel einsetzbaren Profis aus Funkels Mannschaft, sieht dies so. „Wir wollen gegen Köln gewinnen“, sagt der Schütze des einzigen Frankfurter Tores bei der 1:2-Niederlage vor Wochenfrist in Berlin.

          Köhler ist froh, dass er wie schon bei der Hertha auch gegen Köln auf seiner Lieblingsposition im linken offensiven Mittelfeld spielen darf. „Da vorne fühle ich mich wohler.“ Der 28 Jahre alte Familienvater darf sich seit dem Rückrundenstart auch deshalb wieder mehr als sonst austoben, weil in der Viererkette links außen Neuzugang Petkovic Posten bezogen hat. In Berlin hat der Serbe weder überragt noch enttäuscht, sondern im Gegenteil gezeigt, dass von ihm zukünftig noch mehr erwartet werden kann. Auch wenn Petkovic die Eintracht-Legende Alfred Pfaff vermutlich nicht kennen dürfte: An diesem Samstag wird er wie die anderen Profis auch in Gedenken an den am 27. Dezember im Alter von 82 Jahren verstorbenen „Don Alfredo“ in Trauerflor spielen.

          Der Eintracht-Gegner

          In der Bundesliga-Hinrunde war der 1. FC Köln so berechenbar wie sein Trainer. Christoph Daum hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er ein Freund einer Einmann-Sturmabteilung ist; und weil er in Milivoje Novakovic über einen verlässlichen Torjäger verfügt, brauchte Daum auch keinen Gedanken daran zu verschwenden, ob er seine Offensivabteilung womöglich aufstocken sollte.

          Seit dem 1:1 zum Rückrundenauftakt gegen den VfL Wolfsburg setzt der FC-Trainer neuerdings auf eine doppelte Besetzung. Neben Novakovic, der in der Hinserie zehn Treffer erzielte, vor einer Woche aber gesperrt war, wird in Frankfurt Sergiu Radu als zweiter Angreifer auflaufen. „Wir wollen gefährlich kontern, weil die Frankfurter unter Zugzwang stehen“, sagte Daum vor dem Aufeinandertreffen an diesem Samstag.

          Radus Aufstieg zu Novakovics Nebenmann kam wenig überraschend. Zwar sind sich der Rumäne und der Slowene in der Spielanlage ähnlich, weil sie hinter der gegnerischen Abwehr auf Zuspiele lauern. Doch im Wintertrainingslager in der Türkei hat sich der Einunddreißigjährige aufgedrängt. „Er gehörte zu den Besseren“, sagte Daum, der es gegen Wolfsburg mit der Doppelspitze Radu und Manasseh Ishiaku versucht hatte.

          Von den beiden Angreifern hinterließ Sergiu Radu nicht nur den besseren Eindruck, sondern erzielte gegen seinen alten Klub auch den Kölner Treffer. „Man hat gesehen, dass er in der Spitze spielen muss“, sagte FC-Präsident Wolfgang Overath - und kritisierte damit indirekt seinen Trainer. Wenn Daum nämlich Radu zuvor gelegentlich Einsätze gegönnt hatte, dann stets auf der rechten Offensivseite, wo sich der Rumäne nicht sonderlich wohl fühlt. Nun meinen die Kölner eine für alle zufriedenstellende Lösung gefunden zu haben.

          Von seiner Doppelspitze verspricht sich Daum gegen die Eintracht vor allem „mehr Entlastung in Druckphasen“. Weil außerdem der zuletzt gesperrte Pedro Geromel zurück in die Innenverteidigung rückt, hofft der FC-Trainer darauf, die Kölner Schwäche bei Standardsituationen zu beseitigen. Gerade bei Eck- und Freistößen habe die Eintracht eine „besondere Stärke“ bewiesen, sagte Daum, der nicht nur auf die Langzeitverletzten Pierre Womé und Ümit Özat verzichten muss, sondern auch auf das Talent Taner Yalcin. Der Achtzehnjährige zog sich am Freitag eine Oberschenkelverhärtung zu. Er fahre „sehr zuversichtlich nach Frankfurt“, sagte Daum. „Wichtig ist, dort mindestens einen Punkt zu holen.“ kle.

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