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Eintracht Frankfurt : Frisch und befreit – unter Vorbehalt

  • -Aktualisiert am

Comeback im Regen: Stefan Aigner trotz überzeugend den Elementen. Bild: Wonge Bergmann

Die Frankfurter Eintracht freut sich über das Erfolgserlebnis gegen Braunschweig, das aber auch Schattenseiten hat: Vor allem Schweglers Verletzung wirft Fragen auf.

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          Allzu viele Gelegenheiten hatte Eintracht Braunschweig nicht, um seinem Gegner weh zu tun, aber einige der wenigen wurden brachial genutzt. Und Pirmin Schwegler bekam es zu spüren. Der Kapitän von Eintracht Frankfurt, auch gegen die Niedersachsen je nach Spielsituation zentraler Abwehrspieler und erster Ballverteiler oder aber Antreiber in der Offensive, war gegen den überforderten Aufsteiger oft erstes Ziel der Attacken. Er wurde dabei so heftig aufs Korn genommen, dass es früh nicht mehr weiterging.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Schade, er hat sehr gut gespielt bis dahin“, sagte Trainer Armin Veh nach dem 3:0 und der Auswechselung in der 32. Minute wegen einer Rippenprellung. Ihn beschäftigte offenbar zweierlei: der Qualitätsverlust gegen Braunschweig, der moderat ausfiel und ohne Folgen blieb, und das Spiel an diesem Dienstag im DFB-Pokal zu Hause gegen Borussia Dortmund, bei dem Schweglers Einsatz ungewiss ist. Es stehen noch Untersuchungen aus.

          Ein guter Tag mit Vorbehalt

          Der Spielplan mit zwei Partien binnen vier Tagen machte aus der Eintracht am Samstag ein Lager der Hin- und Hergerissenen. Es war eine Atmosphäre des Einerseits-Andererseits. Da war der große Schritt vorwärts im Überlebenskampf in der Bundesliga gegen Braunschweig, aber auch der nahende Koloss BVB, der sich beim 5:1 in Bremen vermeintlich in Stimmung geschossen hatte. Es war also ein guter Tag mit Vorbehalt: Schön, dass es zum zweiten Heimsieg in dieser Saison gereicht hat – aber erst mal sehen, was als nächstes passiert.

          Oder im Fall Schwegler: Beruhigend, dass er nach seinem Ausscheiden so geräusch- und reibungslos von Marco Russ ersetzt wurde, der einfach aus der Innenverteidigung ins defensive Mittelfeld rochierte – aber wehe, der Schweizer fehlt gegen den BVB. Was sich auch über Johannes Flum sagen ließe, den Torschützen zum frühen 1:0 in der 7. Minute. Er kam nach der Pause nicht wieder auf den Platz, eine Muskelzerrung im Oberschenkel verhinderte einen längeren Einsatz. Aber da stand es schon 3:0, weil Meier und Aigner binnen einer Minute (43./44.) ein Spiel entschieden, das selbst bei größter Phantasie oder – je nach Standpunkt – größtem Pessimismus keinen anderen Sieger hätte haben können.

          Sieg genießen, aber Programm im Auge behalten

          „Wir waren relativ frisch, deshalb sind wir ein gewisses Risiko gegangen“, sagte Trainer Armin Veh, und auch dieser Satz spiegelte Gegenwart und Zukunft gleichermaßen. Die Gegenwart: Die wieder deutlich forscher und attraktiver spielende Eintracht war den Braunschweigern durchweg deutlich überlegen, von ein paar Nadelstichen abgesehen hatten die Niedersachsen nichts zu bieten, sie waren früh keine Gefahr mehr. Die Zukunft: Am Dienstag kommt Dortmund zum Pokal-Viertelfinale nach Frankfurt, am Samstag muss die Eintracht zum Liga-Duell nach Dortmund, am Donnerstag danach steht in der Europa League die Reise zum FC Porto an, und so weiter, und so weiter. Da ist die Frage, wie lange das mit der Frische so bleiben wird. Es galt also, diesen Sieg zu genießen, den Gewinn der Punkte neunzehn bis einundzwanzig, ohne das Programm danach aus den Augen zu verlieren.

          Ebenso die möglichen Konsequenzen des aus der Hinserie vertrauten Fußball-Stakkatos in drei verschiedenen Wettbewerben. Aber das bekamen alle ganz gut hin, zu prallgefüllt mit Spielen ist ja ach dieser Februar, und aus der Hinrunde zu gut in Erinnerung, was körperliche und geistige Ermüdung aus einer eigentlich angriffslustigen Mannschaft machen kann. Den meisten aber hatte der deutliche Sieg gegen den Abstiegskandidaten Nummer eins bei aller Vorsicht sichtbar und hörbar Mut gemacht. Es waren jedenfalls sehr viele sehr entspannte Gesichter zu sehen.

          Gegen Dortmund, für Flum trotz aller Probleme immer noch „eine der besten Mannschaften Europas“, setzen die Frankfurter auf die im Pokal übliche Alles-oder-Nichts-Konstellation. Gegen ein annähernd vergleichbares Kaliber, den FC Bayern, haben sie zwar gerade erst 0:5 verloren, aber von einigen Spielern waren Sätze zu hören, die sich so zusammenfassen ließen: In einem Spiel ist der Eintracht alles zuzutrauen. Also auch der Erreichen des Halbfinales – womit sie, ein Durchmarsch der Bayern auch in diesem Wettbewerb vorausgesetzt, nur noch einen Sieg entfernt vom abermaligen Erreichen der Europa League wären. Eine verlockende Perspektive für einen Verein, der vermeintlich gegen die Strafversetzung in die zweite Liga ankämpft.

          Dass Dortmund nicht in Bestbesetzung nach Frankfurt kommen würde, war bekannt, der BVB hat ja einige verletzte Spieler im Kader. Am Samstag kamen zwei wichtige hinzu: Auch Marco Reus und Sven Bender werden gegen die Eintracht nicht spielen können. So etwas wünscht man auch bei der Eintracht keinem Gegner – selbst wenn es die eigenen Chancen verbessert.

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