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Eintracht Frankfurt : Frankfurter Hellas-Connection

Der neue Grieche bei der Eintracht: Nikos Liberopoulos präsentiert stolz sein neues Trikot Bild: Wonge Bergmann

Nikos Liberopoulos ist schon der vierte Grieche, den die Eintracht in den letzten drei Jahren verpflichtet hat. Der Verein nutzt seine guten Kontakte nach Griechenland. Für die Eingewöhnung der Neulinge sorgt Kapitän Ioannis Amanatidis.

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          Was eigentlich macht einen standesgemäßen Griechen aus? Ioannis Amanatidis, der in der Nähe von Thessaloniki geborene Kapitän von Eintracht Frankfurt, formuliert das so: „Wir treten ruhig und sachlich auf, bei uns gibt es keine unnötigen Spielereien. Ich bin vor allem dafür zuständig, wofür ich bezahlt werde.“ Worte, die in den Ohren von Heribert Bruchhagen, dem Vorstandsvorsitzenden der Eintracht, wie Musik klingen müssen, ist er doch als Mann bekannt, der Inszenierungen nun überhaupt nicht mag.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit Nikos Liberopoulos hat er in der zurückliegenden Woche wieder einen Griechen unter Vertrag genommen. Es ist der vierte in den vergangenen drei Jahren, auch wenn mit Sotirios Kyrgiakos und Evangelos Mantzios zwei von ihnen schon wieder verschwunden sind.

          Eintracht-Netzwerk in Griechenland hilft bei Transfers

          Ein Grund dafür, dass immer wieder Griechen den Weg nach Frankfurt finden, ist auch Paul Koutsoliakos. Der Zweiundvierzigjährige wurde in Griechenland geboren, war Jugendspieler der Eintracht und später unter anderem für die Offenbacher Kickers aktiv. Seit sieben Jahren arbeitet er nun als Spielerberater, hat inzwischen eine Vielzahl griechischer Nationalspieler unter Vertrag und sein Büro in Neu-Isenburg vor den Toren Frankfurts. „Der Paul hat sicher einen Anteil an den Griechen in unserer Mannschaft“, sagt Bruchhagen. Vor zwei Jahren fädelte Koutsoliakos den Transfer von Kyrgiakos ein, im vergangenen Winter war er stark am Wechsel von Mantzios beteiligt, jetzt fragte er wegen Liberopoulos bei Bruchhagen an – und hatte wieder Erfolg. „Es ist mein Job zu schauen, was bei den Vereinen gerade benötigt wird.“

          Bei alledem ist dennoch auffällig, wie eng die wechselseitigen Beziehungen seit einiger Zeit zwischen Frankfurt und Griechenland sind – und für die eben nicht nur Koutsoliakos zuständig ist: Vor der Europameisterschaft war Otto Rehhagel mit der Nationalmannschaft zu einem Trainingslager in der Stadt. Mit Ewald Lienen und Hannes Bongartz arbeiten derzeit gleich zwei Freunde von Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel in Griechenland. Und Amanatidis hat allein durch seine Länderspieleinsätze mehrmals im Jahr engen Kontakt zu den Kollegen in seinem Heimatland. Es ist ein persönliches Netzwerk, das die Eintracht dort aufgebaut hat. Mehr zufällig als geplant und dennoch mit einer nicht unerheblichen Folge: „Wir sind über den Markt dort sehr gut informiert“, sagt Bruchhagen.

          Griechische Spieler sind für die Eintracht bezahlbar

          Und dadurch, dass mit Amanatidis seit Jahren ein Grieche bei der Eintracht spielt, wissen viele Spieler im Südosten Europas auch über die Bundesliga Bescheid. Wenn dann einer von ihnen den Weg an den Main findet, kümmert sich der Sechsundzwanzigjährige persönlich um jeden neuen Kollegen. So ist es auch jetzt wieder. Der Kapitän verabredet sich oft mit Liberopoulos, erklärt ihm die Verkehrswege der Stadt und zeigt ihm, wo er gemeinsam mit seiner Familie vernünftig essen gehen kann. „Nikos wohnt ja noch im Hotel, aber er muss ja trotzdem gute Nahrung zu sich nehmen.“ Vielleicht wird ihm sein neuer Sturmkollege diese Zuwendung ja auch auf dem Platz danken. Amanatidis sagt: „Er ist ein guter Spieler, ganz einfach.“ Und: „Wir haben eine sehr junge Mannschaft. Nikos kann mit seiner Erfahrung sicher dem ein oder anderen helfen.“

          Torgefahr und Erfahrungen, das sind Eigenschaften bei einem Fußballspieler, die gemeinhin sehr viel Geld kosten. Bei griechischen Akteuren ist das ganz anders. „Die Spieler sind dort bezahlbar. In Spanien, Italien oder England brauchen wir mit unserem Etat gar nicht zu schauen“, sagt Bruchhagen, der stets betont, dass seine Erfahrungen mit Griechen bislang ausgesprochen gut sind. Und in diese Bewertung bezieht er explizit auch Innenverteidiger Kyrgiakos ein, der sich nie richtig integriert, die neue Sprache nicht gelernt und den Verein in der Sommerpause wieder verlassen hat. „Im ersten Jahr war er eine ganz große Verstärkung, im zweiten eine punktuelle Verstärkung.“ Auch Mantzios, der in der vergangenen Winterpause kam, habe getan, was er sollte: ein dritter Stürmer sein, der manchmal spielt, aber sich nie über seine Situation beschwert.

          Amanatidis als Pendler zwischen den Kulturen

          Amanatidis glaubt, dass die Philosophie der Eintracht einfach gut zu ihm und seinen Landsleuten passe. „Es gibt hier keine unrealistischen Ziele, keine Träumereien oder Sonstiges. Hier wird einfach nur vernünftig und ordentlich gearbeitet.“ Genau das ist es, was er so schätzt an seinem Arbeitgeber. Dass man sich auf gewisse Art und Weise immer auf ihn verlassen könne. Und mit deutscher Akribie hat er ohnehin keine Probleme.

          Schon 1991, Amanatidis war gerade einmal zehn Jahre alt, ist er gemeinsam mit seinen Eltern nach Stuttgart gegangen. Er hat den deutschen Fußball und das deutsche Leben also von klein auf erlebt. Strenggenommen ist Amanatidis gar kein Grieche, sondern ein Pendler zwischen beiden Welten. „Nikos fällt die Eingewöhnung durch mich sicher leichter.“ Es wird eine seiner Aufgaben in den kommenden Wochen und Monaten sein.

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