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Eintracht Frankfurt : Frankfurter Fragezeichen

Frische Brise: Thomas Schaaf ist bei seinem Dienstantritt gut aufgelegt und freut sich auch auf das Trainingslager auf Norderney. Bild: Wonge Bergmann

Die Eintracht Frankfurt steht vor einer schwierigen Saison. Thomas Schaaf, der neue Trainer, geht die Herausforderung „tiefenentspannt“ an, will aber keine Prognose wagen.

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          Es ist der Beginn einer neuen Ära. Am 1. Juli hat Thomas Schaaf seine Arbeit aufgenommen, und dem neuen Trainer der Frankfurter Eintracht war die Freude darüber anzumerken. Schon am Vormittag, als sich seine Fußballprofis in der Kalbacher Leichtathletikhalle dem traditionellen Laktattest unterzogen, strahlte Schaaf, umringt von seinen Assistenten, jede Menge Neugier aus. Als er sich gut zwei Stunden später in den Arena-Katakomben seines neuen Arbeitsplatzes den Fragen der Journalisten stellte, präsentierte sich der 53 Jahre alte Coach „tiefenentspannt“, wie er später sagte. „Bei Eintracht Frankfurt wird hervorragend gearbeitet“, lobte Schaaf und blickte anerkennend zu seinen beiden Podiumspartnern Heribert Bruchhagen und Bruno Hübner.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Vorstandschef Bruchhagen hörte ebenso wie Sportdirektor Hübner aufmerksam zu, was ihr neuer leitender Angestellter über Pläne und Perspektiven beim zunächst auf zwei Jahre angelegten Projekt Eintracht Frankfurt zu sagen hatte. Zum Beispiel dies: „Ich will mit der Eintracht guten Fußball anbieten und Begeisterung entfachen. So, wie es zuletzt im Europacup der Fall gewesen ist.“ Schaaf hatte von seinem langjährigen Trainerposten in Bremen aus mit Respekt und Anerkennung verfolgt, was sein Vorgänger Armin Veh in den vergangenen Jahren am Bundesliga-Standort Frankfurt auf die Beine gestellt hatte. Der neue Fußballlehrer weiß, dass die Erwartungshaltung des Eintracht-Umfeldes gewohnt groß ist. „Ergebnisse aber kann ich nicht versprechen“, sagte er. Was er gleichwohl versprach: „Wenn die Mannschaft auf den Platz geht, wird sie alles geben. Ich will eine mutige Mannschaft erleben.“

          Was geschieht mit Barnetta und Aigner?

          Die Mannschaft, die am Dienstagvormittag zur Laktatmessung in den Frankfurter Norden gekommen war, ist noch ergänzungsbedürftig. Gerade einmal 20 Spieler – Schaaf braucht Verstärkung, und der Coach weiß dies natürlich auch. „Es ist ja kein Geheimnis, dass wir vor allem im Sturm noch etwas machen müssen.“ Die nötigen Mittel dafür sind vorhanden. Bruchhagen bestätigte, dass es für neue Spieler ein „Investitionsvolumen“ von sieben Millionen Euro gibt. Insgesamt lässt sich die Eintracht Frankfurt Fußball AG ihren Lizenzspieleretat 33 Millionen Euro kosten. „Eintracht Frankfurt steht für wirtschaftliche Vernunft“, sagte Bruchhagen über die seit 2003 bestehenden Leitlinien. „Wir wollen wettbewerbsfähig sein, alles Mögliche in die Mannschaft stecken und fester Bestandteil der Bundesliga sein.“ Auch dieses Mantra ist keine Überraschung.

          Mit Schaaf hat die Eintracht einen Trainer gefunden, der sich diesen Unternehmensgrundsätzen verschrieben hat. Einen Fahrensmann, der mit der geballten Kompetenz seiner Bremer Erfahrungen mithelfen will, mit der Eintracht zu neuen Ufern aufzubrechen. Bruchhagen sagte: „Uns allen soll die Erneuerung und der Umbruch gelingen.“ Viele wichtige Führungs- und Stammspieler wie Pirmin Schwegler, Sebastian Jung und Sebastian Rode haben dem Klub den Rücken gekehrt. Andere wie Stürmer Joselu werden gleichfalls schmerzlich vermisst. Und noch ist nicht endgültig geklärt, was aus Tranquillo Barnetta und Stefan Aigner wird. Muss der Schweizer Barnetta wirklich zurück zu Schalke 04? Und verpflichtet Ligarivale Hannover 96 in dem Münchner Aigner einen zweiten gestandenen Eintracht-Profi (nach Joselu)?

          Wirtschaftlich stimmt alles bei der Eintracht

          „Im sportlichen Bereich erfahren wir eine starke Veränderung“, sagte Bruchhagen. „Zum Teil ist es eine gewollte Fluktuation, zum Teil eine ungewollte. Wir haben uns dem Markt in der Bundesliga zu unterwerfen.“ Dank der überraschenden Erfolge jenseits des Kerngeschäfts Bundesliga befindet sich die Eintracht nach Auskunft ihres ersten Mannes „wirtschaftlich in einer ausgesprochen guten Verfassung. Eintracht Frankfurt ist gut aufgestellt“, sagte Bruchhagen zur Einstimmung auf eine neue Spielzeit, von der man nicht weiß, was sie bringt. Abermals eine Überraschung? Sportliches Mittelmaß? Kampf um den Klassenverbleib?

          Die wirtschaftlichen Kenndaten jedenfalls stimmen schon einmal. Die 26.000 zur Verfügung stehenden Dauerkarten waren wie in den Vorjahren auch ruck, zuck verkauft, ebenso mittlerweile 60 der insgesamt 80 Logen in der Arena. „Und von den Business-Seats“, berichtete Bruchhagen, „sind fast alle weg.“ Zudem gelang es, neue Partner an die Eintracht zu binden: Lufthansa stieg in den Kreis der Premium-Partner auf, Nike tritt als Ausrüster die Nachfolge vom Unternehmen Jako an, dem die Frankfurter fast 13 Jahre lang die Treue gehalten haben. Für die kommenden fünf Jahre werden die Amerikaner die Hessen unterstützen. Die ersten 1899 Trikots können in einer exklusiven Verkaufsaktion am 10. Juli von 9 Uhr an im Eintracht-Fanshop am Riederwald gekauft werden.

          Trainingslager an der Nordsee

          Schaaf und seine noch zu verstärkende Mannschaft werden dann nicht in Frankfurt, sondern auf Norderney sein. Schaaf freut sich im ersten Sommertrainingslager auf eine „frische Brise“, wie er sagte. Der Coach weiß, was ihn vom kommenden Sonntag an auf der Ostfriesischen Insel erwartet. Schaaf ist Wiederholungstäter und mit Werder schon elf Mal dort gewesen. Mit der Eintracht macht er das Dutzend voll.

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