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60 Jahre Meisterschaft : Das erste Mal für die Eintracht

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Tausende Fans haben die Mannschaft am  29. Juni 1959 in Frankfurt empfangen.
Tausende Fans haben die Mannschaft am 29. Juni 1959 in Frankfurt empfangen. : Bild: Picture-Alliance

Am Montag nach dem Finale wurden die Endspiel-Helden in Frankfurt triumphal empfangen. Nicht zu vergessen: Für die unterlegenen Kickers gab es in Offenbach auch einen Umzug und viel Applaus, diesem Thema widmet sich ein eigener Beitrag der Serie. Für die Nacht zum Dienstag wurde in Frankfurt die sogenannte Polizeistunde aufgehoben. Am Römer sollte Freibier ausgeschenkt werden, was vorzeitig eingestellt werden musste, „da die ungestüm drängende Menge mit den Schankburschen ins Gehege kam“. Was fast beiläufig klingt, „ins Gehege mit den Schankburschen“, das war ein Auflauf, der den Empfang 2018, nach dem Pokalsieg, noch weit übertraf.

Rund 650.000 Einwohner zählte die Stadt 1959, und die Polizei schätzte die Menge der Feiernden auf 200.000 bis 300.000 Menschen. Seit der letzten Kaiserwahl habe sich so etwas nicht mehr abgespielt, hieß es. Das konnte natürlich niemand mehr aus eigenem Erleben bestätigen, aber angesichts der wogenden Menge wollte auch niemand widersprechen. Es war ein zusätzlicher Feiertag im Leben vieler Arbeiter und Angestellter.

Festzug durch die Innenstadt

Die Siegermannschaft reiste in einer kurzerhand auf den Namen „Eintracht“ umgetauften Propellermaschine aus Berlin nach Frankfurt. Es folgte ein einzigartiger Festzug mit der Meisterschale. Eine mit Girlanden geschmückte „Adenauer-Diesellok“ zog drei Salonwagen vom Sportfeld zum Hauptbahnhof. Zwei sechsspännige Brauereiwagen standen für die Weiterfahrt der Helden zum Römer bereit.

„So ein Tag, so wunderschön wie heute, so ein Tag, der dürfte nie vergehn.“ Von 1952 an hatten die Mainzer Hofsänger das Stück in ihrem Programm, das seit 1955, mit Beginn der Fernsehübertragungen der großen Mainzer Prunksitzung, auch deutschlandweit ausgestrahlt wurde. Da dieses Lied inhaltlich jene Phase eines Festes beschreibt, in der die Hochstimmung ihren Gipfelpunkt erreicht und überschreitet, passt es haargenau auf die aufgekratzte, hochemotionale Atmosphäre eines Fußball-Triumphs. Es gibt Stimmen, die behaupten, die Hofsänger hätten das Stück extra für die Eintracht schreiben lassen – doch das gehört zu den Legenden rund um 1959, trotz der tatsächlich engen Freundschaft der Mainzer Sänger mit den Frankfurter Fußballern.

Sehnsucht nach der Meisterschale

„Wie betäubt“, so ist es in Archiven nachzulesen, „standen Spieler und ihr Trainer Paul Oßwald schließlich im Kaisersaal, bevor Oberbürgermeister Werner Bockelmann die Türen zum Römer-Balkon öffnete.“ Bis zum Eisernen Steg hinunter drängten sich die Menschen, sie saßen sogar auf Dächern. Nachdem die Mannschaft sich ins Goldene Buch der Stadt eingetragen hatte, feierte sie weiter im Festsaal des Zoo-Gesellschaftshauses. Zu ihrer Überraschung erschienen dort dann die Mainzer Hofsänger, um jenes Lied anzustimmen, das die Eintracht-Spieler seit Monaten nach ihren Erfolgen in der Kabine sangen: „So ein Tag . . .“

Aus heutiger Sicht lässt sich sagen: 60 Jahre dauerte es vom Gründungsjahr 1899 bis zum Meistertitel, und seit 60 Jahren warten die Eintracht-Freunde nun schon auf eine Wiederholung. 120 Jahre, fünf Pokalsiege (1974, 1975, 1981, 1988 und 2018), ein Triumph im Uefa-Pokal (1980). Dass dem Meisterschaftsjahr eine überragende Europapokal-Saison folgen sollte – in der die Eintracht 1960 als erste deutsche Mannschaft das Finale erreichte (und 3:7 gegen Real Madrid unterlag) –, darin liegt der internationale Ruf des Vereins begründet. Eintracht und Europa, das ist nicht erst in jüngster Zeit ein ganz besonderes Kapitel.

„Eigentlich sind 120 oder 60 Jahre ja keine klassischen Jubiläen“, sagt Matthias Thoma vom Eintracht-Museum. Doch die vielen Besucher, die derzeit gerade auch vor der Vitrine mit den Meisterschafts-Erinnerungen von 1959 verweilen, belegen die ganz große Sehnsucht, solch ein Ereignis selbst miterleben zu dürfen.

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