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60 Jahre Meisterschaft : Das erste Mal für die Eintracht

  • -Aktualisiert am
Die Fans feiern mit den Spielern den Finalerfolg gegen Kickers Offenbach auf dem Rasen in Berlin.
Die Fans feiern mit den Spielern den Finalerfolg gegen Kickers Offenbach auf dem Rasen in Berlin. : Bild: Picture-Alliance

Fünf Frankfurter Endrunden-Siege folgten. Die Eintracht-Erfolgsserie, die schon in der Oberliga begonnen hatte (die letzte Niederlage, ein 1:4 beim FC Bayern München, datierte vom 19. Oktober 1958), sollte bis zum krönenden Schluss Bestand haben. Mehr als acht Monate ungeschlagen – bis zum 28. Juni, dem damaligen Endspiel-Sonntag, beschreiben wir den Fußball von einst ebenso wie die Eintracht-Entwicklung bis heute; die Bedeutung des Finales für den OFC rückt in den Fokus, und neben den Meister-Spielern geht es auch um lebenslange Fans, Gefühle und nicht zuletzt um eine Stadt Frankfurt außer Rand und Band. Womit wir wieder beim 29. Juni wären.

„Jenseits der sportlichen Attraktion lässt sich im Fußball begeistert eine Einseitigkeit und Parteilichkeit inszenieren, die im alltäglichen Leben jeden aufgeweckten Geist in höchste Verlegenheit brächte.“ Der Frankfurter Philosophie-Professor Jürgen Werner hat das Widersprüchliche des deutschen Lieblingsspiels auf den Punkt gebracht. Für den Anhänger einer Mannschaft gibt es nur eine Wahrheit, nur seine Meinung, nur einen Standpunkt. „Eingehüllt in den Vereinsschal verliert der Zuschauer die Rolle des neutralen Beobachters. Er leidet mit, schreit seine Mannschaft heiser zum Erfolg, verschmilzt mit den Spielern an einem magischen Abend taumelnd zu einem Klumpen der Ausgelassenheit“, so Werner. Für den Augenblick von neunzig Minuten ist das Leben reduziert auf schlichte Alternativen: Triumph oder Niederlage, Freude oder Betrübnis, Freund oder Unverständnis.

„Bazillus Eintracht“

Bernd Loebe, der Intendant der Frankfurter Oper, war damals noch nicht ganz sieben Jahre alt. Er erlebte das Finale vor der Wohnzimmertür in der elterlichen Wohnung. Hinter der Tür saß der Vater und wollte nicht gestört werden, er verfolgte die Fernsehübertragung aus Berlin. „Ich habe ihn jubeln gehört, fünfmal“, erinnert Loebe. Am nächsten Tag standen sein Vater und er „irgendwo in der Stadt in der Menschenmenge am Straßenrand“. Der „Bazillus Eintracht“ habe ihn auf jeden Fall in frühester Jugend gepackt und nie mehr losgelassen. „Ich weiß nicht, ob das Finale 1959 der Auslöser war, aber ich wollte unbedingt zur Eintracht, und meine Mutter hat mich am Vater vorbei – der wohl Angst hatte, dass ich nur noch Fußball im Kopf habe und die Schule vernachlässige –, meine Mutter also hat mich bei der Eintracht angemeldet.

Mit Wolfgang Kraus, als ,Scheppe‘ später berühmt, habe ich zusammengespielt, und Hermann Höfer, der ja zur Meistermannschaft gehörte, habe ich als Trainer erlebt, der war ein heißer Hund. Auch Ivica Horvath war einer meiner Jugendtrainer.“ Horvath konnte wegen einer schweren Erkrankung im Finale 1959 nicht eingesetzt werden. Zwischen 1959 und 2019 sieht Loebe eine Gemeinsamkeit: die Vereinssympathie über alle Schichten hinweg. So unterschiedlich die Zeiten, so vergleichbar die hohe Bedeutung der Eintracht für die Stadtgesellschaft. Dieses Ansehen hat sich der Verein, durch finanzielle wie sportliche Krisen und Abstiege lange im Abseits, in den vergangenen Jahren hart zurückerobert.

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