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Eintracht Frankfurt : Fassungslosigkeit statt Freude

Hat die Klage auf zusätzliche finanzielle Ansprüche zurückgezogen: der frühere Eintracht-Torhüter Markus Pröll. Bild: Wonge Bergmann

Markus Pröll steht nach seiner Verletzung wieder auf dem Trainingsplatz. Ein schöner Tag ist es dennoch nicht: Die Nachricht vom Tod des Weggefährten Robert Enke erschüttert auch den Eintracht-Torwart.

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          Trauer und Entsetzen. Eigentlich mag Markus Pröll überhaupt nicht reden. „Ich bin heute nicht so wichtig. Ich bin zutiefst ergriffen. Ich habe Robert schon in jungen Jahren als Junioren-Nationalspieler kennengelernt“, sagt er über die langjährige Sportbekanntschaft mit Robert Enke, dem Torwart der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, der am Dienstagabend wegen schwerer Depressionen den Freitod gewählt hat. „Als wir bei der A-2-Nationalmannschaft gewesen sind“, so ein ergriffener Eintracht-Torhüter Pröll, „haben wir ein paarmal zu zweit das Zimmer geteilt. Schon damals habe ich gemerkt, das ist ein herzensguter Mensch. Er hat sich extrem für Menschen eingesetzt, denen es nicht so gut geht. Er ist ebenso wie ich in der Tierschutzorganisation Peta engagiert. Für mich ist sein Tod wie eine Nachricht aus einer anderen Welt.“

          Selbst als Pröll am 1. September dieses unglaubliche Missgeschick passierte, als er nach einem Privatspiel in Hofheim über ein Mädchen stürzte und sich eine Schultereckgelenksprengung zuzog, meldete sich Enke aus Hannover. „Er hat mir eine Nachricht geschickt und mir schnelle Genesung gewünscht“, sagt Pröll. „Darüber habe ich mich riesig gefreut. Zwei Wochen später habe ich ihm geantwortet, denn nun war ich dran, ihm gute Besserung zu wünschen.“

          Daran arbeiten

          Es passt zur allgemeinen Stimmungslage, dass Markus Pröll an diesem trüben Mittwochvormittag ganz alleine auf dem Trainingsplatz steht. Einzig Andreas Menger, der Torwarttrainer der Frankfurter Bundesligaprofis, ist an seiner Seite. Gemeinsam arbeitet dieses Duo am Comeback des langjährigen Eintracht-Stammtorhüters. Am Montag haben beide das Signal erhalten, dass sie fortan langsam Witterung aufnehmen dürfen – abseits der Mannschaft. Von der haben sich an diesem Mittwoch einige wenige im Kraftraum versammelt. Das Gros der Spieler hält sich am Tag nach der Schweinegrippeschutzimpfung auf ärztliches Anraten hin mit körperlichen Ertüchtigungen zurück. Nicht so Pröll und Menger. „Wir haben mit ganz leichtem Torwarttraining begonnen. Markus geht ja auch weiter in die Reha“, sagt Menger, der weiß, wie verletzte Torhüter fit gemacht werden müssen. „Ich werde Markus wieder an die alte Leistungsstärke heranführen. Dabei bin ich schon sehr positiv überrascht, dass er so weit und so gut ist.“ Schmerzen in der rechten Schulter? Verspürt der 30 Jahre alte Schlussmann nicht mehr. Vermutlich liegt es daran, „dass ich in der Reha sehr intensiv gearbeitet habe“, wie Pröll berichtet. „Die Armmuskulatur hat zwar noch nicht die alte Kraft, aber ich arbeite daran.“

          Die Eintracht und ihre Torhüter. Das ist eine dieser unendlich anmutenden Geschichten, denn in der jüngeren Vergangenheit gab es stetige Wechselspiele auf der herausgehobenen Position zwischen den Pfosten. Dabei waren sie nicht immer der Leistung des jeweiligen Bewerbers geschuldet. Die seit Jahren bekannte Frankfurter Misere: Mal war Markus Pröll verletzt, mal Oka Nikolov. Und weil vor kurzem auch noch Ralf Fährmann und Jan Zimmermann verletzungsbedingt nicht zur Verfügung standen, gab es mit Erman Muratagic sogar einen A-Junioren-Torhüter, der sich kurzfristig Hoffnungen auf einen erstklassigen Einsatz machten durfte. Doch rechtzeitig vor dem Auswärtsspiel in Freiburg, das die Eintracht 2:0 gewann, wurde Routinier Nikolov wieder fit.

          „Ich will Markus die Angst nehmen, auf die rechte Seite zu fallen“

          Auch Widersacher Pröll will wieder fit werden und in den Vollbesitz seiner Kräfte kommen. Torwarttrainer Menger soll ihm dabei mit seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz Hilfestellung leisten. Einer wie Menger, anerkannt in der Liga, weiß, dass man behutsam und mit Augenmaß vorgehen muss. Auch er hat nicht vergessen, dass sich in der vergangenen Saison Pröll und Nikolov wegen unterschiedlichster Verletzungen insgesamt sechsmal abgewechselt hatten. Am Ende hatte Nikolov achtzehnmal auf dem Platz gestanden, Pröll gleichfalls.

          Eine von Mengers vordringlichen Aufgaben in den kommenden Tagen und Wochen intensiver Zweisamkeit abseits der Mannschaft: „Ich will Markus die Angst nehmen, auf die rechte Seite zu fallen.“

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