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Eintracht Frankfurt : Fährmann formschwach - Bajramovic bleibt Dauerpatient

Machte gegen Dynamo Kiew beim ersten Gegentor keine gute Figur: Eintracht-Neuzugang Fährmann Bild: ddp

Der junge Torwart der Eintracht genießt die Arbeit, die ganz anders als in Schalke ist. Ralf Fährmann tut alles für einen Platz in der Startelf – kann sich seiner Rolle aber noch lange nicht sicher sein. Auch hinter Bajramovic stehen Fragezeichen.

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          Die Ernüchterung kam schneller als erwartet. „Ich bin voller Vorfreude, dass ich erstmals den Adler auf der Brust tragen darf.“ Noch am Mittag war Ralf Fährmann im Trainingslager in Zell positiv gestimmt, dass sein Debüt im Trikot der Frankfurter Eintracht erfolgversprechend verlaufen würde. Doch als am Dienstagabend das Privatspiel im nahen Jenbach gegen den überlegenen ukrainischen Meister 1:2 verloren war, gehörte auch der 20 Jahre alte Torwart zu den Geschlagenen. Beim ersten Gegentreffer machte der Neuzugang vom FC Schalke 04, vorsichtig formuliert, keine glückliche Figur. Sein Trainer Michael Skibbe wollte aus diplomatischen und pädagogischen Gründen die Alleinschuld am Kiewer Führungstor aber nicht bei Fährmann sehen. „Die ganze Abwehr hat schlecht ausgesehen“, sagte der Eintracht-Coach nach der verdienten Niederlage gegen den Rekordmeister aus dem Osten.

          Ralf Fährmann und die Eintracht – der junge Torwart aus dem deutschen Osten, geboren und aufgewachsen im heutigen Chemnitz, verknüpft mit dem Wechsel von Gelsenkirchen nach Frankfurt große Hoffnungen. Stammkraft will er werden. Dass er sich für dieses ehrgeizige Ziel täglich beweisen muss, behagt ihm. Seinen sportlichen Widersachern Markus Pröll und Oka Nikolov begegnet er dabei mit Achtung und Respekt. „Wir alle verstehen uns gut. Wir sind ein Team und puschen uns gegenseitig“, sagte Fährmann in der Vorbereitung auf seinen Premiereneinsatz. Ein Team, das normalerweise ein Quartett ist. Doch weil der vier Jahre ältere Jan Zimmermann unter langwierigen Schambeinproblemen leidet und früh im Zillertal seine Trainingslagerteilnahme beenden musste, wird Skibbe bis zum Pokalspiel gegen Offenbach unter dem gesunden Trio seinen Favoriten für den Posten zwischen den Pfosten auswählen.

          „Hier muss ich viel mehr Sprünge machen“

          Andreas Menger wird ihm dabei helfen. Der Torwarttrainer der Eintracht war mitentscheidend dafür, dass Fährmann überhaupt zur Eintracht gekommen ist. „Andi macht einen super Job. Er war auch ein Grund, warum ich mich letztlich für Frankfurt entschieden habe.“ Einige der Unterschiede im Torwarttraining zwischen Schalker und Frankfurter Prägung hat Fährmann schnell zu spüren bekommen. „Hier bei der Eintracht muss ich viel mehr Sprünge machen, zum Beispiel über einen Parcours mit Hürden.“ Dinge, die es bei der Betreuung auf Schalke durch Oliver Reck nicht gegeben hat. Auch achtet Menger darauf, „dass ich sowohl mit dem rechten als auch mit dem linken Fuß gleich stark bin, um gut mitzuspielen“.

          Hält Skibbe Wort, dann bekommt Fährmann seine nächste Einsatzchance wieder in Österreich. Während des zweiten Trainingslagers in Hermagor in Kärnten sind drei Tests geplant. An diesem Freitag, wenn sich die Eintracht in Limburg mit dem tschechischen Klub FK Teplice misst, soll Oka Nikolov im Tor stehen. Der erfahrenste Eintracht-Profi war bei den beiden Niederlagen gegen Wattens und Kiew (jeweils 1:2) außen vor und erhält nun gegen den alten Klub seines Mannschaftskollegen Martin Fenin die Chance, sich zu empfehlen.

          Sich anbieten, in den Blickpunkt rücken: Derzeit sind es viele aus dem Eintracht-Kader, die sich strecken müssen, um den nahenden Anforderungen des Bundesligaalltags gerecht zu werden. Ohne Namen nennen zu wollen, sagte Trainer Skibbe vor der Rückreise aus dem Zillertal, „dass es noch viel zu tun gibt. Für die Veränderungen, die wir vor allem im taktischen Bereich vornehmen wollen, ist aber Geduld gefordert. Wir wollen die Grundlage für die gesamte Saison legen, dabei sind die einzelnen Ergebnisse der Testspiele nicht so wichtig. Einige Spieler sind noch nicht auf dem Niveau, das ich mir vorstelle.“

          Fragezeichen hinter Bajramovic

          Die schweißtreibenden Arbeitstage im Zillertal hätten dem 43 Jahre alten Coach zudem gezeigt, dass vor der Abwehrkette weiterhin Handlungsbedarf besteht. „Nur mit Chris und Sebastian Jung, das ist mir zu wenig. Schließlich haben wir mit Michael Fink und Junichi Inamoto zwei Spieler verloren. Und bei Zlatan Bajramovic wissen wir nicht, wie es mit ihm weitergeht.“ Der Bosnier Bajramovic, der zum vierten Mal schon unter einer hartnäckigen Zehenverletzung leidet und wegen chronischer Schmerzen nicht spielen kann, wäre in gesundem Zustand ein Gewinn. Doch schon bei seinem Transfer von Schalke haben die Frankfurter Verantwortlichen gewusst, auf welches Wagnis sie sich einlassen würden.

          Auch Ralf Fährmann ist von Schalke zur Eintracht gekommen. Bei dem Torwart aber sind die Voraussetzungen deutlich positiver. Verbessert er in den kommenden Wochen noch seine Torwarttechnik, könnte er an dem derzeit in Front liegenden Pröll vielleicht noch vorbeiziehen.

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