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Eintracht Frankfurt : Das verspätete Weihnachtsgeschenk

Hoffnungsträger: Marco Fabián will dem Sturmspiel der Eintracht neues Leben einhauchen. Bild: Wonge Bergmann

Fabian ist endlich eine Verstärkung für die Eintracht. Dank des Mexikaners rückt die Mannschaft in die obere Tabellenhälfte vor. Russ freut sich über Vertrauen.

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          Die erste gute Nachricht des Tages wurde für jedermann sicht- und hörbar auf dem Videowürfel präsentiert. Zu diesem Zeitpunkt kurz vor dem Anpfiff konnten nur notorische Optimisten damit rechnen, dass nach dem 1:0 gegen den FC Schalke 04 auch das zweite Saisonheimspiel gegen ein weiteres Schwergewicht der Bundesliga positiv enden würde. Das spätere 2:1 gegen Bayer 04 Leverkusen, herausgeschossen durch eine über weite Strecken leidenschaftlich auftretende Eintracht, für die Alexander Meier (53. Minute) und Marco Fabian (79.) erfolgreich waren, war der eine erfreuliche Aspekt für alle die, die mit den Frankfurtern sympathisieren.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Der andere: die vorzeitige Vertragsverlängerung des Fußballklubs mit seinem langgedienten Profi Marco Russ. Dass die Eintracht eine Übereinkunft mit dem mittlerweile 31 Jahre alten Russ erzielen würde, war erwartet worden. Sportliche Gründe mögen dabei eine Rolle gespielt haben, moralische aber wohl auch. So oder so: Den ursprünglich bis zum 30. Juni 2017 laufenden Kontrakt des Innenverteidigers vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2019 zu verlängern ist ein Signal.

          Disziplin, Wille, Leidenschaft

          Der wegen einer Tumorerkrankung operierte und in der Rehabilitation befindliche Russ ist neben Kapitän Alexander Meier der dienstälteste Eintracht-Profi. Mit Ausnahme eines kurzen Missverständnisses, als er Frankfurt verließ und sich dem VfL Wolfsburg anschloss, war Russ stets und ausschließlich (seit 1996 schon) für die Eintracht am Ball. Russ erkannte schnell die Tragweite des vor dem Leverkusen-Spiel unterzeichneten Vertrags und dankte „dem Vorstand und dem Trainer, die mir in meiner derzeitigen Situation das Vertrauen geschenkt haben“. Sportdirektor Bruno Hübner entgegnete: „Für uns war klar, dass wir mit ihm verlängern möchten. Er ist ein Spieler, dessen Meinung nicht nur auf dem Platz gefragt ist, sondern auch jungen Spielern mit Rat und Tat hilft, sich bei uns einzugewöhnen. Marco ist ein vorbildlicher Profi mit der richtigen Einstellung und ein Eigengewächs von Eintracht Frankfurt.“

          Im kommenden Jahr, nach dem Wintertrainingslager am Persischen Golf, will Russ wieder dabei sein und gemeinsam mit den Kameraden trainieren und sie auf ihrem Weg unterstützen, den sie mit Niko Kovac eingeschlagen haben. Gegen Leverkusen war wie schon gegen Schalke zu erkennen, dass die Spieler mehr und mehr die Anschauungen ihres Trainers verinnerlichen. Was Kovac vorlebt, findet sich während der publikumswirksamen Darbietungen auch zum Großteil bei seiner Mannschaft wieder. Disziplin, Wille, Leidenschaft – Kovac ist es gelungen, dass sich auch seine Profis dieser Primärtugenden des Fußballs bedienen. Nicht immer, aber immer öfter. Angesprochen auf die dazwischenliegende unnötige Niederlage in Darmstadt, entgegnete Kovac den Reportern: „Sie haben doch auch Fußball gespielt. Sie wissen doch, wie das ist, wenn man Woche für Woche gefordert ist. Wir sind immer bestrebt, alles rauszuhauen.

          „Ich habe nie aufgehört, an mir zu arbeiten.“

          Aber nicht immer geht der Plan auch auf.“ Gegen die Werkself ging der Plan des Fußballlehrers auf, mit personellen Verschiebemaßnahmen mehr Erfolg als am Böllenfalltor zu haben. Kovac spielte dabei besonders der vorzügliche Auftritt von Fabian in die Karten. Der kleine Mexikaner, seit Wochen auf seine Chance lauernd, profitierte bei seinem besten Spiel im Eintracht-Dress von der „guten Vorbereitung“, die ihm Kovac attestierte. Fabian hatte es mit Macht in die Startelf gezogen. „Er hat leidenschaftlich darum gekämpft“, sagte Kovac. Und er hat augenscheinlich nicht die Nerven verloren. „Im Fußball musst du Geduld haben“, ließ sich der spanisch parlierende Fabian nach dem Sieg von einem Dolmetscher übersetzen. „Ich habe nie aufgehört, an mir zu arbeiten.“ Fabian wusste: „Wenn der Trainer ruft und dich braucht, musst du bereitstehen. Das habe ich getan.“ Natürlich freute sich der 27 Jahre alte Mexikaner über sein erstes Bundesligator, das der Eintracht drei Punkte und den Sprung auf Tabellenplatz sieben ermöglichte. „Doch ich freue mich auch, dass wir als Mannschaft gewonnen haben.“

          Spätestens jetzt also darf sich die Eintracht über ihr selbstgemachtes verspätetes Weihnachtsgeschenk freuen. Es war der 24. Dezember des vergangenen Jahres, als Fabians Transfer perfekt gemacht wurde. Fabian, 2012 mit der mexikanischen Nationalmannschaft Olympiasieger bei den Spielen in London geworden, entschloss sich dazu, sich bis zum 30. Juni 2019 an die Eintracht zu binden. Hübner sagte damals: „Mit Marco haben wir einen Offensivspieler verpflichtet, der torgefährlich und flexibel einsetzbar ist, sowohl auf dem Flügel als auch in der Zentrale.“ Ein knappes Dreivierteljahr später, beim 2:1 gegen Leverkusen, zeigte Fabian endlich, dass er der Eintracht eine wirkliche Verstärkung sein kann.

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