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Eintracht Frankfurt : Ewig währt am längsten

Die Eintracht hofft auch in Zukunft auf kraftvolle Paraden von Oka Nikolov Bild: apn

Ralf Fährmann muss weiter warten. Denn Oka Nikolov bleibt die erste Wahl im Tor der Frankfurter Eintracht – so hat es Trainer Skibbe vor dem Spiel im Pokal entschieden.

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          Nichts Neues auf dem Posten zwischen den Pfosten: Oka Nikolov hat seinen Status als Stammtorwart der Eintracht verteidigt und geht abermals als Nummer eins in sein 19. Profijahr in Frankfurt. Michael Skibbe sprach vor der Abreise zum Pokalspiel in Wilhelmshaven von der „schwersten Entscheidung“, die er beim Zusammenstellen des Teams für die kommende Saison zu treffen gehabt habe. Ralf Fährmann, der alte und neue Ersatzmann, habe den Beschluss sportlich fair zur Kenntnis genommen. „Dass sie ihm weh tut, ist doch klar“, zeigte der Trainer Verständnis für die Enttäuschung, die sich der Einundzwanzigjährige beim anschließenden Training nicht anmerken ließ.

          Skibbe hatte die beiden Schlussleute um kurz vor 14 Uhr beim Eintreffen an der WM-Arena informiert. Gemeinsam an einem Tisch. Es sei ein „freundliches Gespräch unter Männern“ gewesen. Was auf eine deutliche Wortwahl schließen ließ. Nachfragen gestatte der Coach dabei keine, wie er berichtete. „Ich habe die Situation klar gemacht, wie ich sie sehe, war zu beiden ehrlich, und so ist es nun einmal, Punkt und Schluss“, sagte Skibbe. Widerspruch sei ohnehin zwecklos gewesen. Er ergänzte: „Es war keine Entscheidung gegen einen Spieler, sondern eine für die Mannschaft.“

          Solide Leistungen

          Für Nikolov, dessen Bilanz 201 Bundesligaspiele ausweist, habe gesprochen, dass er sich durch solide Leistungen in der vergangenen Runde einen Bonus erarbeitet und sich auch in der sich nun zu Ende gehenden fünfwöchigen Vorbereitungen keine Schwäche erlaubt habe. „Bei ihm habe ich einfach das Gefühl, dass er unserer Defensive enorme Stabilität gibt.“ Fährmann, das hätten die intensiven Einheiten in den Trainingslagern in Grünberg und Hermagor (Österreich) dargelegt, „ist einfach noch nicht so weit“.

          Grundsätzlich, so Skibbe weiter, habe sich an der Wertschätzung, die der ehemalige U-21-Nationalspieler bei ihm und seinen Assistenten genießt, aber nichts geändert: „Er wird eines Tages die Nachfolge von Oka antreten.“ Es sei nicht geplant, die Position des stellvertretenden Schlussmanns anderweitig zu besetzen. „Auch wenn es für Ralf momentan etwas tragisch ausschaut“, gehöre ihm die Zukunft. „Seine Entwicklung geht noch weiter, er wird noch wahnsinnig viele Spiele für die Eintracht machen.“

          Erst Neuer, danach Nikolov

          Fährmann war 2009 vom FC Schalke 04 abgeworben worden, weil es für ihn dort an Nationalspieler Manuel Neuer kein Vorbei gab, und er von Manager Heribert Bruchhagen die Perspektive aufgezeigt bekam, bei den Hessen auf Anhieb zu einem wichtigen Rückhalt zu werden. Nikolovs Karriere, so schien es damals, neige sich endgültig dem Ende entgegen, er wurde kurzfristig sogar nur noch an dritter Stelle in der teaminternen Hierarchie gehandelt. So kann man sich täuschen. Der Kollege Markus Pröll hat inzwischen den Verein entnervt verlassen, und Fährmann spielte erst die Gesundheit einen Streich – einem Bruch der Hand folgte eine Lungenentzündung –, und als er dann sein Talent beweisen sollte, leistete er sich bei seinen drei Bundesligaspielen Leichtsinnsfehler.

          Im Frühjahr unterschrieb der 36 Jahre alte, „ewige“ Nikolov plötzlich sogar einen neuen Zweijahresvertrag, da er laut Skibbe, trotz seines fortgeschrittenen Alters noch immer zu den besten Vertretern seiner Zunft gehört. Am Donnerstag kommentierte der Odenwälder mit mazedonischen Wurzeln die Nachricht gewohnt kurz angebunden: „Ich gehe immer davon aus, dass ich spiele.“ Sein Mitbewerber, mit dem er sich während der Vorbereitung die Hotelzimmer teilte, reagierte ähnlich einsilbig: „Dazu gibt es für mich heute nichts zu sagen.“ Danach warfen sich beide beim Warmmachen die Bälle zu, zu längeren Unterhaltungen kam es nicht.

          Genug Auswahlmöglichkeiten

          Wie der Rest seiner Mannschaft aussieht, die das Weiterkommen im Pokal bewerkstelligen soll, ließ Skibbe offen. Erst Freitagnachmittag will er zuerst intern die Aufstellung bekannt geben. Bis auf Habib Bellaid (Leistenschmerzen) seien alle sieben Nationalspieler wohlbehalten von ihren Länderspielreisen zurückgekehrt. Der Tscheche Martin Fenin habe beim 4:1 gegen Lettland sogar einen Treffer erzielt. Auswahlmöglichkeiten hat Skibbe in seinem 31-Mann-Kader genug, nur Kapitän Chris und Sebastian Rode (Kniebeschwerden) bleiben neben Bellaid in der Heimat. „Die Formation, die ich für Wilhelmshaven wähle, gibt keinen Aufschluss, was in der Bundesliga los sein wird“, betonte Skibbe aufs Neue.

          Er ließ aber keinen Zweifel daran, was er von seiner Elf erwartet. Alles, was bisher so gut ausgesehen habe, seien Muster ohne Wert gewesen. „Die Zeit des Schaulaufens ist vorbei.“ Obwohl „ein Großteil von uns mit unterklassigen Gegnern schon schlechte Erfahrungen gemacht hat, handelt es sich um eine Herausforderung, die wir bestehen müssen“. Widerspruch musste er bei dieser Ansage von niemandem fürchten.

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