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Eintracht Frankfurt : Es geht um Europa

Gefeiert trotz Niederlage: Eintracht Frankfurt nach dem Chelsea-Spiel Bild: dpa

Den Einzug ins Finale von Baku hat die Eintracht knapp verpasst, aber der beeindruckende Auftritt gegen Chelsea hat die Gier nach internationalen Spielen nur verstärkt.

          4 Min.

          Applaus und Ovationen nicht nur an der Stamford Bridge. Auch am Tag nach diesem epischen Fußballabend verneigten sich weitere Anhänger vor der Eintracht. Als die Frankfurter Fußballgemeinschaft wieder in der Heimat gelandet war, klatschte mindestens eine halbe Hundertschaft freudig Beifall. Jubelstimmung rund um die Mannschaft von Trainer Adi Hütter auch am Frankfurter Flughafen. Freude am Förderband – nach Trauern und Tränen in London. Als das für die meisten der Eintracht-Profis größte Fußballspiel ihrer Karriere beendet war und es in London wieder einmal schüttete, vermischten sich die Tränen von Spielern, Fans und möglicherweise auch so manchem Funktionär mit dem Regen. Alles drin, alles dran an diesem prallen Abend – und doch fehlte der letzte Tick: Der Einzug in das Europa-League-Finale. „Wir hätten es verdient gehabt“, sagte Hütter. Doch das Ticket für Baku löste der FC Chelsea. Er war das glücklichere Team, das sich im Elfmeterschießen 4:3 durchsetzte.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          „Heute ist Enttäuschung erlaubt“, sagte Hütter nach der Rückkehr in Frankfurt. Dann aber nicht mehr. „Denn wir müssen alles raushauen. Es geht um wahnsinnig viel.“ Es geht um Europa. Um die abermalige Qualifikation für Spiele, die für Verzückung gesorgt haben. Es geht darum, solch faszinierende Fußballabende wie jenen von Chelsea noch einmal zu erleben. Noch einmal die unvergleichliche Atmosphäre aufsaugen, die in dieser Wucht und Fülle an der Londoner Stamford Bridge geherrscht hat. Auch wenn die Frankfurter Eintracht sich nicht ihren Traum von Baku erfüllen konnte: Von diesem 9. Mai, von diesem Tag, an dem sich die Eintracht weder in der regulären Spielzeit noch in der Verlängerung von der vermeintlichen Weltklassemannschaft FC Chelsea bezwingen ließ, gingen magische Momente aus. Schon beim finalen Elfmeterschießen, in dem der Eintracht das letzte Glück versagt blieb, gab es dieses großartige Bild von Harmonie und Geschlossenheit.

          Spieler, Trainer, Betreuer – alle lagen sie sich in den Armen und bildeten auf dem Platz eine Linie. Bangen, hoffen, warten. Ja, vielleicht auch beten. Der Traum von Baku, der Traum vom Europa-League-Finale in der aserbaidschanischen Hauptstadt war binnen weniger Sekunden geplatzt, als es Martin Hinteregger und Goncalo Paciencia nicht schafften, ungehindert vom Elfmeterpunkt aus zu treffen. Aus dem Fanblock erfasste einer gedankenschnell die Situation, nahm Hinteregger in den Arm und tröstete ihn. Es war eine Szene, die imponierte. Trainer Hütter sprach noch am Tag danach, als der Eintracht-Tross längst wieder in Frankfurt gelandet war und der Österreicher Auskunft über das letzte Heimspiel dieser Bundesligasaison gegen Mainz 05 gab, voller Hochachtung. „Sie haben Martin geholt und aufgebaut“, sagte er über die Fans. „Das haben sie super gemacht. Bei einem Elfmeterschießen gibt es halt immer wieder Pechvögel – leider zwei Mal zu viel.“ Größe in der Niederlage zeigen. Es war ein Moment wie für die Ewigkeit, als die 2235 mitgereisten Fans inbrünstig in das Vereinslied einstimmten und gemeinsam mit der Mannschaft und dem Trainer- und Betreuerteam sangen: „Eintracht vom Main, nur Du sollst heute siegen. Eintracht vom Main, weil wir Dich alle lieben.“ Hütter zeigte sich ergriffen von dieser Aktion und fand es „großartig“.

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