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Sebastian Rode : „Volle Pulle“ für die Eintracht

  • -Aktualisiert am

Ganz der Alte: Sebastian Rode stößt im Trainingslager zur Eintracht und ist kämpferisch wie eh und je. Bild: Jan Huebner

Die Frankfurter versprechen sich von Rückkehrer Sebastian Rode mehr Flexibilität und Power. Doch der Spieler war in der Vergangenheit stark verletzt. Kann er die Hoffnungen erfüllen?

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          Es darf gerne ein bisschen mehr sein. Vieles von dem, was seine Mannschaft an diesem Vormittag auf dem Platz zeigt, während im Hintergrund die Glocke der Dorfkirche das Ende des Sonntagsgottesdienstes verkündet, ist Adi Hütter eine Spur zu zaghaft. Immer wieder unterbricht der Coach der Eintracht die Trainingseinheit, bei der es ihm auf konzentriertes Pressing und aggressive Balleroberungen ankommt. „Das war nichts“, ruft er dann über den Platz, pfeift, gestikuliert und nimmt sich einzelne Profis zur Brust, um im Vieraugengespräch zu verdeutlichen, was er von ihnen erwartet. Doch der 49-Jährige belässt es nicht allein bei Kritik, sondern er verfährt nach dem Führungsprinzip von Zuckerbrot und Peitsche: Mal agiert er wie ein knallharter Boss, ehe er wenige Minuten später in Kumpel-Manier auch verbal Streicheleinheiten verteilt und dabei den Arm um die Schultern der Spieler legt.

          Mittendrin im Geschehen ein alter Bekannter, der schon wieder mit so viel Dynamik bei der Sache ist, dass seine Aktionen bei den Fans am Rand erst Verwunderung hervorrufen, der sich im Nu Beifall anschließt: Sebastian Rode. „Seppl“, wie ihn alle Kollegen rufen, traf als Nachrücker in Windischgarsten ein, nachdem sich die Eintracht mit Borussia Dortmund über den Wechsel des 28-Jährigen verständigt hatte. Rode ist nach Sow (9 Millionen Euro, aus Bern), Kohr (8,5 Millionen, aus Leverkusen), Joveljic (5 Millionen, aus Belgrad) und Durm (ablösefrei, aus Huddersfield) die nächste Kaderergänzung, von der sich der Bundesligasiebte der vergangenen Saison einen nachhaltigen Zugewinn an Flexibilität und Power verspricht. Dem Vernehmen nach zahlte die Eintracht für ihn 3,5 Millionen Euro Ablöse. Beim BVB hatten sie nach mehreren kleinen und größeren Verletzungen den Glauben verloren, dass Rode noch höheren Ansprüchen genügt.

          Während seiner Ausleihe an die Eintracht in der vergangenen Rückrunde gehörte Rode jedoch umgehend als „Sheriff“ zum „Security-Dienst“ des Teams, wie es Sportvorstand Fredi Bobic formulierte. In 20 Partien brachte er überzeugende Leistungen, und die Frankfurter ließen alsbald Interesse an einem dauerhaften Engagement erkennen. Daran änderte sich wenig, nachdem es Rode beim Halbfinal-Rückspiel der Europa League beim FC Chelsea abermals am Knie erwischt hatte. „Wir haben alle gesehen, welche Wertigkeit Sebastian in unserem Spiel hat“, sagte Bobic. „Zudem ist er ein Junge der Region, und wir haben immer gesagt, dass wir versuchen, solche Spieler an den Klub zu binden.“

          „Peu à peu“ neue Ziele

          Rode erzählte kürzlich, dass er „glücklich“ sei, dass es mit der Rückkehr geklappt habe. Schon von 2010 bis 2014 trug er das Eintracht-Trikot. Die Operation nach dem Knorpelschaden an seinem rechten Knie sei wunschgemäß verlaufen, die Blessur habe sich als nicht so gravierend herausgestellt wie zunächst auch von ihm befürchtet. „Da hatte ich ein bisschen Glück“, sagte Rode, der aus eigener, leidvoller Erfahrung weiß, welch weitreichende Folgen ein Kreuzbandriss oder Knorpelschaden, die er jeweils zuvor schon erlitt, mit sich bringen kann. Diesmal sei „die Hauptbelastungszone des Knies“ nicht betroffen gewesen, berichtete er, bevor die Mitstreiter zum Privatspiel gegen den FC Wels antraten. „Alles hat so funktioniert, wie es der Doc vorhergesagt hat.“ Hinter ihm liege eine anstrengende, aber „gute Reha“, und er nehme nun „peu à peu“ neue Ziele in Angriff.

          Als frühestmöglichen Termin für einen Wiedereinstieg ins Pflichtpartiegeschehen nannte Rode das Erstrunden-Pokalduell in Mannheim am 11. August; beim Rückspiel in der Europa-League-Qualifikation gegen Tallinn ist er noch nicht spielberechtigt. Das Vertrauen in seinen schon so oft von Schwierigkeiten geplagten Körper scheint ungebrochen. „Ich brauche keine Angst zu haben“, sagte der mittlerweile 15. Mittelfeldspieler im Eintracht-Aufgebot, der ankündigte, sich wie eh und je mit „voller Power“ der internen Konkurrenz-Situation und den Zweikämpfen in seinem Betätigungsfeld zu stellen:

          „Ich würde mich meiner Stärken berauben, wenn ich mit angezogener Handbremse spielen würde.“ Die lange Laufzeit der bis Sommer 2024 datierten Übereinkunft mit der Eintracht wertete Rode als „Vertrauensbeweis“, für den er sich nun auf seine Art und Weise bedanken wolle. Er fügte an, dass es „sehr schön wäre“, wenn er frei von gesundheitlichen Komplikationen den Fünfjahresvertrag „bis zum Ende erfüllen“ könnte. Danach, so wagte er eine Prognose, werde in seiner Karriere „nicht mehr viel“ passieren. In den kommenden Tagen in Österreich, beim Schuften fürs Comeback, dafür umso mehr.

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