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Eintracht Frankfurt : Erfolgsstory mit Filmriss

Effektiv oder nicht: am Ende steht der Sieg der Eintracht Frankfurt. Bild: DDP

Beim 2:0 in Freiburg läuft noch längst nicht alles nach Plan für die Eintracht. Weil aber die Punktausbeute stimmt, hat Trainer Skibbe für sich und seine Spieler ehrgeizige Ziele.

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          Als der Mann des Spiels den Reportern Rede und Antwort stand, wollte sich Oka Nikolov nach der ersten Bemerkung eigentlich schon zurückziehen. Der beste Nikolov aller Zeiten? „Och, nee, nee, nee.“ Der 35 Jahre alte Torwart der Frankfurter Eintracht holte Luft, überlegte kurz und sagte dann: „Solche Paraden hatte ich in den letzten Wochen auch schon dringehabt. Ich arbeite im Training einfach konsequent und intensiv.“ Der 2:0-Auswärtssieg beim SC Freiburg als Frucht der Zusammenarbeit mit dem geschätzten Torwarttrainer Andreas Menger? Sicherlich: Die Tore, die zum zweiten Saisontriumph in der Ferne geführt haben, hat Nikolov nicht erzielt. Das übernahmen Maik Franz (68.) und Alexander Meier (90.) für die weiterhin ungeschlagene Eintracht.

          Doch den Sieg festhalten und verhindern, dass der Gegner jubeln durfte – das war das alleinige Verdienst von Nikolov. Stark, wie er einen Kopfball von Stefan Reisinger parierte (73.). Und geradezu famos seine Rettungstat nur sechzig Sekunden später. Du-Ri Cha, sein alter südkoreanischer Mannschaftskollege, hatte unvermittelt von halbrechts aus großer Distanz Maß genommen und versucht, Nikolov mit einem präzisen Schuss in den rechten Winkel zu überlisten. Doch der Eintracht-Routinier, seit 1991 schon bei den Frankfurtern unter Vertrag, reagierte blitzschnell und vereitelte den möglichen Freiburger Ausgleich. „Bei Chas Schuss ist mir sogar der Handschuh kaputt gegangen“, sagte der im Odenwald großgewordene Nikolov später. „So etwas ist mir in meiner Karriere noch nie passiert.“ Stichwort Karriere: Weil Nikolov, was nicht neu ist, mit zunehmendem Alter stärker denn je spielt, wurde er nach dem tadellosen Auftritt im Breisgau nach seinem persönlichen Laufbahnzeitplan gefragt. Auch diese Antwort verwunderte nicht: „Wenn es so wie jetzt bleibt, kann ich noch zwei, drei Jahre spielen.“

          Ganz nett anzusehen, aber nur wenig effektiv

          Michael Skibbe denkt in kürzeren Zeiträumen. Nach fünf Spieltagen, in denen der neue Trainer die Verantwortung für das sportliche Wohlergehen trug, präsentiert sich die Eintracht tabellarisch in erstaunlicher Verfassung. Der ambitionierte Coach, der noch vor zwei Wochen nach dem 1:1 gegen Dortmund von einem „ordentlichen, aber nicht wirklich prickelnden Start“ gesprochen hatte, konnte sich in Freiburg korrigieren. „Jetzt ist es ein guter geworden.“ Und Skibbe ist noch ein Stück mutiger geworden. „Wir sind nun oben mit dran. Da gilt es, sich festzubeißen. Platz fünf, Platz sechs, das ist unser Bereich.“ Derzeit mag das zutreffen. Dafür aber, so Skibbe korrekterweise, „darf es keinen Filmriss in unserem Spiel geben“.

          Der Auftritt in Freiburg hat einige ungewollte Pausen im Programm gehabt. Zwar sah das in der ersten Halbzeit phasenweise ordentlich aus, wie die Eintracht den Ball durch die eigenen Reihen zirkulieren ließ. Effektiv aber ist es nicht gewesen. Was besonders ärgerlich war: „Vom läuferischen Vermögen konnten wir oft nicht mithalten“, rügte Heribert Bruchhagen. Schon in den vergangenen Spielen gab es bei manchem Eintracht-Profi konditionelle Defizite, die auch dem Vorstandsvorsitzenden und Sportlichen Leiter nicht verborgen geblieben sind. Doch die individuelle Klasse einzelner überwog letztlich und konnte manche Unzulänglichkeit überdecken. Auch Zlatan Bajramovic, erstmals in dieser Saison für die Eintracht von Beginn an in der Bundesliga am Ball, empfand das 2:0 an seiner alten Wirkungsstätte „vielleicht etwas glücklich. Aber wir hätten schon das letzte Spiel gegen Dortmund gewinnen müssen. So gleicht es sich im Fußball eben aus“, sagte der Bosnier, der 76 Minuten lang durchhielt und aus taktischen Erwägungen den Vorzug vor Caio erhielt.

          In der Rückschau hat Skibbe personell alles richtig gemacht

          Skibbe hatte sich innerlich schon am Freitag dazu entschlossen, dem Brasilianer eine Pause zu gönnen. „Ich wollte defensiv gut aufgestellt sein“, sagte der Eintracht-Trainer in Freiburg – und bestätigte durch die Entscheidung pro Bajramovic, dass Caio in der Verteidigungsarbeit nach wie vor Defizite hat.

          In der Rückschau hat Skibbe personell alles richtig gemacht. Der rechte „Aushilfsverteidiger“ Maik Franz vertrat den gesperrten Patrick Ochs nicht nur solide, sondern sorgte sogar im Angriff für treffliche Momente. Und der vom Mittelfeldspieler zum Stürmer umfunktionierte Alexander Meier blühte in der neuen Position richtig auf (siehe den Artikel auf dieser Seite). Zudem kann sich Skibbe bei allem Tohuwabohu, das seit Wochen zwischen den Pfosten herrscht, auf seinen ältesten und routiniertesten Profi verlassen. „Oka – einfach geil“, schwärmte Skibbe verbal griffig. „Der war richtig gut.“ Einmal in Fahrt gekommen, schloss der Frankfurter Trainer auch den Rest seiner siegreichen Mannschaft in seine Lobeshymne ein. „Die Jungs haben mit Leidenschaft um das Ergebnis gefightet. Das war schon bewundernswert.“ Vielleicht auch deshalb zeigte sich Skibbe am Ende eines erfolgreichen Dienstausflugs generös und gewährte seinen Spielern zwei freie Tage im Stück.

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