https://www.faz.net/-gzn-14cx1

Eintracht Frankfurt : Eine unendliche Torhüter-Geschichte

Wenn es nach seinem Trainer geht, hütet Oka Nikolov ein weiteres Jahr das Tor von Eintracht Frankfurt in der Bundesliga Bild: Wonge Bergmann

Torwart Nikolov spielt seit 1991 bei der Frankfurter Eintracht. Trainer Skibbe möchte den Dauerbrenner eine weitere Saison an den Klub binden. Als Rückhalt für den jungen Kollegen Fährmann. Das Nachsehen hätte Konkurrent Pröll, falls Nikolov einwilligt.

          3 Min.

          Oka Nikolov soll ein weiteres Jahr bei der Eintracht das Tor hüten. Diesen Wunsch äußerte am Dienstag Trainer Michael Skibbe. Der aktuelle Vertrag des im Odenwald heimisch gewordenen Profis mit mazedonischen Wurzeln endet im kommenden Sommer. „Es wäre schön“, sagte Skibbe, „wenn es uns gelingt, Oka noch eine Saison an uns zu binden.“ Der Fünfunddreißigjährige trägt seit 1991 das Trikot mit dem Adler auf der Brust und hat seitdem exakt 300 Spiele in der Ersten und Zweiten Bundesliga absolviert. Verhandlungen, wie sich die Zusammenarbeit über den 30. Juni 2010 hinaus fortsetzen ließen, sollen nach Ansicht des Coaches am besten im Winter-Trainingslager beginnen. „Da können wir uns gut zusammensetzen und schauen, was für beide Seiten machbar ist.“

          Skibbe möchte sich mit seinen Leuten nach Silvester entweder in der Türkei oder in Portugal für eine Woche auf den Rückrundenstart Mitte Januar vorbereiten. Eine Entscheidung, wohin die Reise geht, soll an diesem Mittwoch verkündet werden. Nikolov selbst hatte jüngst angekündigt, „noch zwei Jahre für die Eintracht“ spielen zu wollen und dann seine Laufbahn, deren Ende wegen Verletzungen schon mehrmals gekommen schien, endgültig ausklingen zu lassen. „Perspektivisch“, so Skibbe, „plane ich mit Ralf Fährmann“ als Nummer eins zwischen den Pfosten. Nikolov könnte dem 21 Jahre alten Kollegen demnach den Rücken frei halten – und bei personellen Engpässen, die es, wie die jüngere Vergangenheit lehrte, gerade bei der Eintracht immer wieder gibt, einspringen.

          Torwartfrage erst im Dezember wieder offen

          Gegenwärtig gebe es keine Veranlassung, die Hierarchie der Schlussleute aufs Neue durcheinanderzuwürfeln. Für das Heimspiel an diesem Samstag gegen Mönchengladbach (15.30 Uhr) legte sich Skibbe fest: „Wenn Oka gesund ist, spielt er. Er hat seine Sache bisher gut gemacht.“ Zuletzt musste der dienstälteste Eintracht-Akteur wegen einer Knieprellung passen, die er sich gegen Bochum (2:1) zugezogen hatte. Beim blamablen 0:4 gegen Leverkusen, das für erheblichen Wirbel sorgte, war Nikolov von Neuzugang Fährmann vertreten worden, der jedoch keine Gelegenheit bekam, sich zu empfehlen; sein Debüt hätte mit drei Gegentoren innerhalb von elf Minuten kaum schlechter laufen können.

          Frühestens in der Spielpause zwischen den Partien gegen Wolfsburg (19. Dezember) und Bremen (16. Januar) will Skibbe die Torwartfrage neu stellen. „Dann ist das Rennen wieder offen“, sagte er. Neben Nikolov und Fährmann sollen auch Markus Pröll (Schultereckgelenksprengung) und Jan Zimmermann (Schambeinentzündung) in den teaminternen Wettstreit wieder eingreifen. Dass es dabei für drei der Schlussleute auch um die berufliche Zukunft geht – nur Fährmanns Engagement ist über das Ende dieser Runde hinaus fixiert –, dürfte den Konkurrenzdruck in besonderer Weise steigern.

          „Dann ist im Grunde Schluss für Pröll“

          Skibbe ließ durchblicken, dass, sobald es zu einer Übereinkunft mit Nikolov käme, Prölls Tage bei der Eintracht wohl gezählt sind. „Dann ist im Grunde Schluss für ihn.“ Der Trainer räumte ein, dass es gute Gründe gebe, anzunehmen, dass Pröll „als Nummer zwei oder drei nicht zufrieden“ sei und sich deswegen die Wege wohl trennten. Doch ein Ende der wechselhaften Beziehung zwischen dem selbstbewussten Rheinländer und der Eintracht wurde auch schon in der Ära Friedhelm Funkels des Öfteren prophezeit – bis heute kam es nicht dazu.

          Skibbe erneuerte zugleich sein Anliegen, das über dreißig Mann starke Aufgebot alsbald zu reduzieren. Als Kandidat, der demnächst seinen Spind in der WM-Arena ausräumen könnte, gilt nun auch Benjamin Köhler, der seinen Unmut über seine Reservistenrolle zum Ausdruck brachte. Neun Einsätze, hauptsächlich als Ergänzungsspieler, sind nicht das, was sich die ehemalige Stammkraft unter einem zufriedenstellenden Arbeitsverhältnis vorstellt „Wenn es so bleibt, muss ich mich im Winter nach einem anderen Klub umschauen“, sagte der gebürtige Berliner. Spekulationen, er könne zu seinem ehemaligen Förderer Funkel in die Hauptstadt wechseln, kommentierte Skibbe folgendermaßen: „Wir haben noch nichts gehört. Weder von der Hertha oder Friedhelm Funkel noch vom Spieler selbst.“

          23 Punkte sollen es bis zum Fest werden

          Solange keine Entscheidung gefallen sei, verlange er aber, dass „alle bei uns Gas geben und ihre Chance suchen“. Grundsätzlich erwarte er zähe Verhandlungen in den kommenden Wochen: „Es ist weniger Geld im Markt, und es fehlt an Alternativen.“ Noch nicht ein Verein habe sich Stand Dienstag nach einem Frankfurter Spieler erkundigt. „Eher unwahrscheinlich“, so mutmaßte er, „dass sich viel bewegt.“ Sein Plan mit der Eintracht bis zum Zwischenstopp rund um Heiligabend klingt ambitioniert. Mindestens 23 Punkte will der Tabellenelfte erreichen; das wären sieben mehr als momentan. Dazu bleiben noch fünf Spieltage Zeit. An Motivation soll es seiner Mannschaft nicht mangeln. Erreicht sie das Etappenziel, bekommt der Kader bis einschließlich Neujahr frei. Ansonsten müssen die Spieler bereits am 28. Dezember wieder zum Training erscheinen.

          Weitere Themen

          Der neue alte Goetheturm Video-Seite öffnen

          Er steht wieder : Der neue alte Goetheturm

          Nach einem Brandanschlag im Jahr 2017 wurde der Goetheturm in Frankfurt nun wieder errichtet. Der neue Turm soll diesmal robuster sein und somit auch Feuer standhalten können.

          Topmeldungen

          Am Donnerstag befasste sich der hessische Landtag mit der mutmaßlichen Korruptionsaffäre bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. (Archivbild)

          Oberstaatsanwalt im Verdacht : War der Korruptionsjäger selbst korrupt?

          Hessens Justizministerin reagiert auf die Korruptionsaffäre bei der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft. Der Leiter jener Stelle, die gegen Korruption im Gesundheitswesen kämpfte, soll „die Seiten gewechselt“ haben. Jetzt wird die Einheit aufgelöst.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.