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Eintracht Frankfurt : Ein erstes Ausrufezeichen

Endlich darf die Eintracht Frankfurt wieder jubeln: gleich im ersten Spiel gegen Werder Bremen. Bild: AP

Zum Saisonstart ein Coup in Bremen: Die Eintracht überzeugt beim 3:2 gegen Werder durch eine hohe Spielkultur. Trainer Skibbe fühlt sich bestätigt.

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          Die Frage schwebte im Raum. „Haben Sie in Ihren kühnsten Träumen je daran gedacht?“ Michael Skibbe überlegte kurz, schmunzelte und sagte dann: „Doch, doch, das habe ich schon. Aber ganz ehrlich: Man kann nicht davon ausgehen, dass man nach Bremen fährt und das Spiel dann auch gewinnt. Doch wir waren vom ersten Moment an ganz fest bereit zu sagen, dass wir auf einem guten Niveau mitspielen können.“ Welch ein Coup, welch eine Überraschung. Da kommt ein neuer Trainer, sorgt, wirtschaftlichen Zwängen geschuldet, auf nur wenigen Positionen für Personalwechsel. Und der mit der Frankfurter Eintracht sympathisierende Fan darf sich prompt reichlich beschenkt fühlen. 3:2 bei Werder Bremen.

          Die Floskel vom „Auftakt nach Maß“ machte im Weserstadion schnell die Runde, und als Skibbe zwischen Schlusspfiff und Rückflug in den Räumlichkeiten der Baustelle Weserstadion um eine Analyse des Gezeigten gebeten wurde, sah man einen durch und durch zufriedenen Frankfurter Fußballlehrer. „Wir wollten unseren Teil dazu beitragen, dass heute ein gutes Fußballspiel stattfindet“, sagte Skibbe, der in der Ansprache an seine Mannschaft augenscheinlich die richtigen Worte gefunden hat. „Wir haben zielstrebig und gut nach vorne gespielt, das war richtig ordentlich. Eine tolle Leistung.“

          „Das war ein richtig gutes Kombinationsspiel“, lobt der Vorstandschef

          Gerade die erste Halbzeit, in der der Eintracht die beiden Tore (6., 42.) durch den später verletzten Ioannis Amanatidis glückten, war von hoher Güteklasse. Trotz des Fouls von Verteidiger Aleksandar Vasoski, das einen Elfmeter nach sich zog und zum 1:1 durch Mesut Özil führte (13.). Trotz des Fehlers von Torwart Oka Nikolov, der eine Flanke falsch berechnete und tatenlos mit anschauen musste, wie Boubacar Sanogo einen Tick schneller als Patrick Ochs war und das 2:2 erzielte (44.). Imponierend in den ersten fünfundvierzig Minuten war die unerwartet hohe Spielkultur der Eintracht. Ärgerliche Querpässe? Fehlanzeige. Wie von Skibbe versprochen und im Laufe der sechswöchigen Vorbereitungsphase immer und immer wieder geübt, schaffte es die Mannschaft wirklich, schnell und schnörkellos von hinten heraus mit wenigen Ballkontakten zu kombinieren. „Auch deshalb ist es ein intensives und gutes Spiel gewesen“, wie Ochs später sagte. Heribert Bruchhagen, der sich immer wieder kritisch mit der Spielweise der Frankfurter auseinandersetzt, hatte an diesem „tollen Samstag“ nichts zu mäkeln.

          „Das war ein richtig gutes Kombinationsspiel von uns in der ersten Halbzeit“, lobte der Vorstandschef der Eintracht. „Und das Ergebnis ist einfach nur toll.“ Nicht nur der Manager fand, dass die Hessen vor den 33 000 Zuschauern „sehr gekonnt gespielt haben. Wir haben den Bremern sehr viel Kraft abgenötigt und sie mit unserem Direktspiel überrascht. In der zweiten Halbzeit haben sie uns zwar hinten reingedrängt, und wir haben keine Lösungen mehr gefunden. Bremen aber fehlte die klare Linie, um zum Erfolg zu kommen.“ Einer der Schlüssel zum Erfolg? Vielleicht die gepflegte Behandlung des Balles. „Der Schwerpunkt des Trainers“, sagte Kapitän Christoph Spycher, „lag bei der Ballsicherheit.“ Auch der Schweizer freute sich nach dem 3:2 und den ersten drei von insgesamt 46 angestrebten Saisonpunkten über einen „Auftakt nach Maß. Wir haben uns etwas zugetraut. Dass es gleich drei Punkte werden, konnte man nicht erahnen. Die Initialzündung war das Offenbach-Spiel. Da ist uns ein Riesenstein vom Herzen gefallen. Endlich herrscht eine positive Stimmung rund um die Eintracht.“

          Maik Franz kann den Sprung in die Startelf noch schaffen

          Unbeirrt von den zum Teil peinlichen Vorstellungen in den Testspielen in den österreichischen Trainingslagern hatte Skibbe seine Leute vor dem Start in die neue Saison stark geredet. „Wichtig ist, dass man sich etwas traut, auf den Platz geht und probiert, sein Spiel durchzuziehen, und nicht hektisch wird“, sagte der Trainer. Sein Credo: „Wenn man in der Bundesliga mithalten will, muss man mitspielen können. Wir haben viele Spieler, die dieses Niveau haben.“ Kein Zweifel: Auch am Samstag, wenn der 1. FC Nürnberg zum ersten Heimspiel der Eintracht in die ausverkaufte Frankfurter Arena kommt, wird Skibbe der Mannschaft das Vertrauen schenken, die jetzt in Bremen für einen Paukenschlag gesorgt hat.

          Möglich, dass einer wie der ehemalige Karlsruher Maik Franz noch den Sprung in die Startelf schafft. Doch Skibbe war zufrieden mit der Leistung des Innenverteidigerkandidaten Vasoski. „Nach seinem Fehler hat er in der zweiten Halbzeit alles richtig gemacht“, lobte der Eintracht-Coach. Auch Köhler als verdiente Stand-by-Kraft muss sich wohl gedulden. Neuzugang Selim Teber zeigte sich in seinem zweiten Pflichtspiel für die Eintracht stark verbessert. „Darüber freue ich mich besonders“, sagte Skibbe. Überhaupt: Nach dem 3:0 von Offenbach war das 3:2 von Bremen ein sichtbarer Qualitätssprung. Ob die Eintracht dieses Niveau halten kann?

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