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Eintracht-Profi Dominik Kohr : „Tore? Ich bin eher nach der Mama geraten“

  • -Aktualisiert am

Wegweiser: Eintracht-Spieler Dominik Kohr ist bereit für den Wiederbeginn in der Fußball-Bundesliga gegen Borussia Mönchengladbach. Bild: Jan Huebner

Kein Lamborghini, keine Tattoos: Dominik Kohr, der Kämpfer vor der Eintracht-Defensive, über Bodenständigkeit, die Torjägerqualitäten von Opa, Vater sowie Schwester und warum er jede Minute im Frankfurter Trikot genießt.

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          Ihr Vater hatte seine Profikarriere beendet, da waren Sie noch nicht auf der Welt. Wann bekamen Sie mit, dass er eine Fußballgröße war?

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Schon ziemlich früh. Wir hatten einen Zusammenschnitt seiner Tore und besten Szenen, den schauten wir uns immer wieder gerne an. Zuerst auf VHS, dann wurde eine DVD davon gebrannt. Das Video dauerte etwa eine Stunde, ein Fernsehjournalist hatte meinem Vater das Material zusammengestellt und übergeben. Da habe ich gesehen, wie mein Papa die Dinger weggemacht hat, für Eintracht Trier, den 1. FC Kaiserslautern und die SG Wattenscheid. Er hatte nicht so viele Bundesligaeinsätze, weil er wegen einer Knieverletzung früh aufhören musste. Aber seine Trefferquote war sehr gut.

          Bundesliga

          Harald Kohr erzielte für Kaiserslautern 48 Tore in 92 Pflichtspielen, seine Quote von 0,52 Toren pro Begegnung übertrifft nur Klaus Toppmöller in der Pfälzer Bundesliga-Historie – um gerade Mal 0,02 Tore. Beeindruckend, oder?

          Ja, aber das ist noch nichts gegen meinen Großvater Siegfried. Der soll für Eintracht Trier mal in einer Saison 80 Tore geschossen haben.

          Auch Ihre Schwester Karoline hat Torjäger-Qualitäten, sie schoss den 1. FC Köln zweimal mit je elf Treffern in die Frauen-Bundesliga. Was ist bei Ihnen falsch gelaufen, Sie schießen so gut wie keine Tore?

          Das frage ich mich auch. Ich komme wohl eher nach meiner Mutter. Aber im Ernst: Ich habe als Schüler und bis zur C-Jugend immer im Sturm oder auf der Zehnerposition gespielt und dabei auch viele Tore geschossen. Als ich zu Bayer Leverkusen wechselte, bekamen sie schnell heraus, dass meine wahren Stärken im defensiven Mittelfeld liegen. Seitdem spiele ich auf dieser Position und bin zufrieden, wie es gelaufen ist.

          Wenn der Vater Bundesligaprofi war, bekommt der Sohn wohl schon einen Ball geschenkt, bevor er laufen kann – oder täuschen wir uns?

          Nein, es gibt wirklich ein Foto von mir, da trete ich gegen einen Ball, obwohl ich kaum laufen kann. Aber mein Papa hat mich nie zu irgendetwas gezwungen. Ich wollte immer Fußball spielen.

          Wie startete Ihre Karriere?

          In der Bambini-Mannschaft des TuS Issel. Ich erinnere mich heute noch, und es wurde auch ein Video von meinem ersten Training gedreht – Kopfballtraining! Das würde man heute auch nicht mehr machen mit Sechsjährigen. Aber ich hatte Spaß. Und da man damals bei den Bambini nicht verpflichtet war, sich für einen Verein zu entscheiden, trainierte ich gleich noch bei einem zweiten mit.

          Trainierte Sie auch Ihr Vater?

          Zuerst nur im Garten und wenn wir mal auf den Sportplatz zu einer Sondereinheit fuhren. Im Garten hatten wir zwei Tore aus Holz gebaut. Dort verbrachten meine Schwester und ich jede freie Stunde. Oft luden wir Freunde ein, um eine Runde zu spielen.

          Ließen Sie Ihre kleine, zwei Jahre jüngere Schwester gerne mitspielen oder mussten Sie?

          Karoline musste sich schon reinkämpfen, wenn Jungs da waren. Und wenn sie mitspielte, haben wir sie nicht geschont. Das hat ihr aber gutgetan, ich denke, auch deswegen hat sie den Sprung in die Bundesliga geschafft.

          Hat Ihr Vater sich als eine Art Übertrainer in alles eingemischt?

          Er hat uns meistens unser Ding machen lassen. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er uns immer gefördert hat. In der F- und E-Jugend zum Beispiel hat er zusätzlich zum Vereinstraining, das wir hatten, freitags eine Übungsstunde für die besseren Jungs gegeben. So hatten wir dreimal in der Woche Training, dazu das Spiel, bei dem uns Papa auch mitbetreut hat, wenn auch nicht als erster Trainer. Später war Papa dann mein DFB-Stützpunkttrainer in Mehring und betreute mich bei Spielen in der Rheinland-Pfalz-Auswahl als Assistent des Verbandstrainers.

          Haben Sie es genossen, Sohn des Trainers und berühmten Fußballers zu sein, oder hätten Sie lieber einen anderen Trainer gehabt?

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