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Eintracht Frankfurt : „Diese Mannschaft funktioniert“

Vier für alle: Siegtorschütze Seferovic freut sich mit Valdez, Piazon und Hasebe über den ersten Volltreffer der Saison. Bild: Heiko Rhode

Trainer Schaaf gibt nach dem 1:0 gegen den SC Freiburg den Tenor vor: Bei der Eintracht wird nicht gemeckert. Nicht alles funktioniert – aber vieles passt.

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          Marco Russ glaubte zunächst an eine optische Täuschung. „Ich dachte, der Ball ist drin“, berichtete der Abwehr-Allrounder, als er die letzte von vielen aufregenden Szenen des Fußball-Nachmittags beschrieb, bei der er seinen Augen zunächst nicht trauen wollte. Der Neunundzwanzigjährige war nicht der einzige unter den mehr als 46.000 Beobachtern des Angriffs, der in der Nachspielzeit von einem zweiten Treffer für die Frankfurter gegen den SC Freiburg ausging, ehe ihn in Sekundenschnelle die Wirklichkeit einholte: Der eingewechselte Johannes Flum brachte tatsächlich das Kunststück fertig, aus knapp zwölf Metern den Ball unbedrängt am leeren Tor vorbei zu schießen, nachdem unmittelbar zuvor sein neuer Kollege Lucas Piazon zwar die aufgerückte Freiburger Abwehr inklusive Keeper Roman Bürki komplett versetzt, aber ebenfalls zu ungenau gezielt hatte.

          Es war ein Versäumnis, über das Thomas Schaaf im Rückblick auf sein Punktspieldebüt auf der Frankfurter Trainerbank am Samstagnachmittag leidenschaftslos hinwegsehen konnte, denn der knappe 1:0-Erfolg geriet in der knappen Minute, die Referee Florian Meyer danach bis zum Abpfiff noch spielen ließ, nicht mehr in Gefahr.

          „Defizite mit Einsatz wettgemacht“

          „Wir wollen natürlich schon noch besser spielen“, räumte Schaaf nach dem von so manchen Ballverlusten und Ungenauigkeiten insbesondere im Umschaltspiel geprägten Auftakt vor eigenem Publikum ein. „Aber im ersten Spiel geht es nur darum, sich durchzusetzen und mit Punkten zu starten. Heute wird nicht gemeckert.“ Russ klang in seiner Analyse fast gleichlautend: „Das war ein Arbeitssieg. Spielerisch hat noch einiges gefehlt, aber dafür haben wir die Defizite mit Einsatz wettgemacht.“

          Die Frankfurter präsentierten sich zum Start als die erwartete Wundertüte, von der nach rund sechswöchigem Sommertraining nicht verlässlich erkennbar ist, welche Überraschungen in dieser Saison von ihr zu erwarten sind. Zu groß ist der personelle Umbruch, den es nach dem Abschied von fünf Leistungsträgern zu verkraften gilt. Immerhin sorgte der erste Sieg dafür, dass in den kommenden Tagen zunächst frei von zusätzlichem Druck die Partie in Wolfsburg an diesem Samstag vorbereitet werden kann. Das war vor zwölf Monaten, als die Frankfurter beim Liga-Start mit einem 1:6-Debakel in Berlin loslegten, ganz anders.

          Antreiber und Einwechselspieler: Schaaf geht mit, Meier wartet auf ein Zeichen.
          Antreiber und Einwechselspieler: Schaaf geht mit, Meier wartet auf ein Zeichen. : Bild: dpa

          Thomas Schaaf, der nach 469 Tagen Bundesliga-Abstinenz auf die Trainerbank zurückkehrte, und sein Team hatten das Happy End einem neuen Gesicht im Kader zu verdanken: Haris Seferovic. „Er hat gezeigt, wie wichtig er für uns werden kann“, sagte Schaaf über den Matchwinner, der schon im Pokal in Berlin und beim Privatspiel gegen Inter Mailand getroffen hatte. „Haris hat ein Riesenpotential und ist ein impulsiver Typ. Er scheut keinen Zweikampf und haut sich immer rein. Es ist erstaunlich, wie schnell er Bindung gefunden hat.“ Ansonsten kommentierte der 53-jährige das Geschehen frei von besonderen Bewertungen einzelner Beteiligter: „Ich bin froh, dass der Sieg stattgefunden hat – egal, wie er zustande gekommen ist.“

          Für Bruno Hübner, den Sportdirektor, waren „gute Ansätze zu erkennen“, aber besonders offensiv sei „mehr drin gewesen“, wenn der ein oder andere „den Kopf hochgenommen“ und den besser postierten Nebenmann in Szene gesetzt hätte. Bis in die Schlussphase stand so der Erfolg auf des Messers Schneide, und die Frankfurter hatten es Kevin Trapp zu verdanken, der mit seinen Paraden gegen Philipp (85. Minute) und Mehmedi (87.) den Auftakt nach Maß sicherstellte.

          Schaaf stellte sich schützend vor seine Elf

          Ein Tor, drei Punkte: Eigentlich hätte es für Schaaf bei seiner Rückkehr in die Bundesliga anders laufen sollen. Schließlich ist dem erfahrenen Coach ein 4:3 lieber als ein 1:0, wie er immer wieder betonte. Doch beim knappen Erfolg gegen Freiburg heiligte der Zweck die Mittel. Zudem: Schaaf liegt mit diesem Ergebnis voll auf Kurs. Als er einst vor vielen Jahren – genau am 10. Mai 1999 – seine Arbeit als erstklassiger Fußballlehrer in der Bundesliga aufnahm, startete er gleichfalls mit dem knappsten aller Siege, einem 1:0 mit Werder Bremen gegen Schalke 04.

          Am Samstag, als sich die Frankfurter Arena nach und nach leerte, stand Schaaf nach seinem geglückten Debüt lange Rede und Antwort. Trotz mancher zuvor gesehener Unzulänglichkeit stellte sich der Coach schützend vor seine Spieler und lobte: „Diese Mannschaft funktioniert.“ Besonders beeindruckt habe ihn, dass sich alle Spieler dem Gemeinwohl unterordnen. Nicht nur Alexander Meier, auch Carlos Zambrano musste schließlich zunächst von der Bank aus mit anschauen, wie sich die mit fünf Neuzugängen runderneuerte Mannschaft erste Meriten verdiente.

          Tags darauf war der Eintracht-Trainer schon damit beschäftigt, sich langsam auf die kommende Prüfung vorzubereiten. Dabei musste er zusehen, wie Johannes Flum sein Mitwirken am Vormittagstraining abbrach. Nach einem Schlag auf den linken Fuß humpelte der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler mit einer Bandage vom Platz. Die Entwarnung kam kurze Zeit später: Flum war nichts Ernsthaftes passiert. Der Schwarzwälder kann sich also darauf konzentrieren, in den kommenden Tagen seinen Abstand von der Auswechselbank in die Startelf zu verringern. Bis zum ersten Auswärtsspiel am Samstag in Wolfsburg kann noch einiges passieren.

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