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Eintracht Frankfurt : Die ungenutzte Kraft der ruhenden Bälle

Viel zu selten haben Caio und die Seinen bisher nach einem erfolgreichen Freistoß jubeln können Bild: Wonge Bergmann

Eintracht-Trainer Skibbe will, dass von seinen Profis bei Standardsituationen mehr Gefahr ausgeht als bisher. Denn Frankfurter Eckbälle und Freistöße haben bislang eine Gemeinsamkeit: Sie sind an Harmlosigkeit kaum zu überbieten.

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          Der Schlüssel zum ersehnten Erfolg? Vielleicht liegt er diesmal in der Verwertung von Standardsituationen. Es stimmt schon: Wenn die Fußballprofis der Frankfurter Eintracht Maß nehmen, um von ruhenden Bällen aus zu erfolgversprechenden Aktionen zu kommen, hat dies meist ein Ergebnis – nämlich keins. Eckbälle und Freistöße sind an Harmlosigkeit kaum zu überbieten. Das ist ein zumeist Woche für Woche auftretendes Ärgernis, und auch Michael Skibbe, der Trainer der Eintracht, findet, „dass die Qualität unserer Standardsituationen einfach nicht stimmt“. Daran müssen wir arbeiten.“ Skibbes Schlussfolgerung über diese offenkundige Frankfurter Mangelerscheinung: „Das lässt sich trainieren und automatisieren.“ Gleichwohl sieht der 44 Jahre alte Fußballlehrer aber auch Hürden. „Selbst wenn man das fünfzig Mal im Training übt, im Spiel ist der Druck ein anderer.“

          Gespielt unter seriösen Bedingungen wird an diesem Samstag. Es ist, trotz aller Beteuerungen, eben doch kein „normales“ Spiel, wenn die Eintracht bei der Berliner Hertha antreten muss, die vom jahrelangen Frankfurter Coach Friedhelm Funkel trainiert wird. Sogar zu Übungseinheiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat Funkel gegriffen, um den scheinbar abgeschlagenen Tabellenletzten auf den Ernst der Lage einzuschwören. Sein Nachfolger Skibbe hat am Freitagmittag, vor dem Abflug in die Hauptstadt, zu einer überschaubaren Einheit gebeten, der wie sonst auch jedermann beiwohnen konnte. Skibbe hat nichts zu verheimlichen – außer die Aufstellung, die er seinen Spielern erst am Samstag mitteilen will.

          Standardsituationen geübt

          Und tatsächlich: Es wurden auch die sogenannten Standardsituationen geübt. Als eine Art konzertierte Aktion von fast allen Profis aber erst, als das Training schon beendet war. Da wurde fleißig, ohne Gegenspieler, ohne Mauer, auf das Tor gedroschen, in dem Oka Nikolov stand. Halbwegs gesicherte Erkenntnisse über die wahren Kunstschützen der Eintracht konnten ansatzweise während der Woche gewonnen werden. Dort versuchten sich Markus Steinhöfer und Benjamin Köhler als Experten des ruhenden Balles. Daraus jedoch lassen sich keinerlei Rückschlüsse auf den Bundesliga-Alltag ziehen.

          „Pirmin Schwegler ist unser Mann für die Standards“, sagte Skibbe. Was nicht die ganze Wahrheit ist, denn immer wieder schreiten auch Zlatan Bajramovic, die schon erwähnten Köhler und Steinhöfer, aber auch Caio und selbst Innenverteidiger Marco Russ zur Tat. Das Ergebnis: Nach dreizehn Spieltagen hat die Eintracht zwei Treffer nach Ecken und einen nach einem Freistoß erzielt. Eine in der Summe überaus schwache Quote – bei insgesamt vierzehn Saisontoren.

          Köhler ist von jedem etwas

          Um den Abwärtstrend zu stoppen, unter dem die Eintracht nach zuletzt fünf Niederlagen in sieben Punktspielen leidet, braucht es für die diffizile Aufgabe in Berlin vorzüglicher Vorbereiter und Vollstrecker. Benjamin Köhler ist von jedem etwas, doch ob er überhaupt eine Chance bekommt, sich in seiner Geburtsstadt einem größeren Publikum zu präsentieren, ist offen. Ebenso offen ist auch seine Zukunft in Frankfurt. „In meiner Hand liegt es nicht“, sagte er am Freitag vor dem Abflug in die Heimat. „Ich habe noch keine Signale erhalten. Aber wenn der Trainer mich braucht, würde ich gerne bleiben.“

          Der Trainer und mit ihm die gesamte Mannschaft brauchen vor allem eines: einen Erfolg in Berlin. Damit Vorstandschef Heribert Bruchhagen in der Vorweihnachtszeit nicht unter ständiger Angst leiden muss. Damit der Traum von einer Punkteausbeute jenseits der vierzig am Leben erhalten bleibt. Und damit es mit der zuletzt so arg getroffenen Eintracht wieder aufwärts geht. Ein Weg, um sich die Hertha auf Distanz zu halten: gefährliche, einstudierte Standards.

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