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Eintracht Frankfurt : Die Eintracht steht nackt da

  • -Aktualisiert am

Kadlec als Torschütze: Zuletzt auch für Mitspieler Aigner ein seltener Anblick, doch mit dem Tschechen soll es jetzt wieder aufwärts gehen. Bild: REUTERS

Während sich Stürmer Kadlec von Trainer Schaaf wertgeschätzt fühlt und Pluspunkte sammeln will, zieht sich Manager Hübner nach der Fotoaffäre aus der Personalie Bendtner zurück.

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          Fotografen haben sich angekündigt. An diesem Dienstag soll im Trainingslager der Eintracht ein offizielles Mannschaftsbild geknipst werden. Die meisten anderen Bundesligaklubs haben die traditionelle Prozedur schon hinter sich. Die Frankfurter sind spät daran, aber immer noch nicht mit der Kaderplanung in der Saisonvorbereitung fertig. Schon zweimal wurde der Termin verschoben, an dem sie in Gruppenstärke hätten abgelichtet werden sollen: Weil es am nötigen Personal fehlte. Nun sind immerhin die WM-Teilnehmer Timothy Chandler, Makoto Hasebe und Constant Djakpa eingetroffen. Dennoch wird es eine Momentaufnahme mit beschränkter Aussagekraft.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Komplett ist das Eintracht-Aufgebot noch längst nicht, und so werden die Reihen für den Schnappschuss mit einigen Talenten ergänzt, die zahlreich im Trainingslager in Donaueschingen als Lückenfüller dabei sind. Nicht alle Schwierigkeiten in diesen Tagen lassen sich derart simpel lösen. Die Frankfurter haben genug – nicht genug Stürmer, aber vom Verhalten von Niklas Bendtner. Der exzentrische Däne, Spitzname Lord, ist endgültig von der Eintracht-Wunschliste gestrichen worden.

          Bendtner veröffentlicht Nacktbild von sich

          Der Sechsundzwanzigjährige, zuletzt mit bescheidenem persönlichen Erfolg beim FC Arsenal London beschäftigt, kommt nach Aussage von Bruno Hübner nicht mehr in Frage, wenn es darum geht, die Offensive des Teams zu ergänzen. Wochenlang hatte sich der Sportdirektor – auch gegen interne Widerstände – um den Nationalspieler bemüht, ihn und seinen hoch pokernden Berater immer wieder mit Offerten zu locken versucht. Letztlich vergeblich. Bendtner, der im Laufe seiner Karriere schon durch diverse Fehltritte, von Kneipenschlägereien bis zu Autorennen durch verkehrsberuhigte Wohngebiete, aufgefallen war, spielte sich bei der Eintracht selbst ins Abseits.

          Während die Mannschaft bei hochsommerlicher Hitze im Schwarzwald schwitzte und Hübner von Frankfurt aus nach wie vor an der Realisierung des Transfers arbeitete, veröffentlichte der Profi bei Instagram ein Nacktbild von sich, auf dem nur ein BH zwischen seinen Beinen dafür sorgte, dass er nicht komplett entblößt zu sehen war. Dazu formulierte er: „Denk daran, dich gegen die Sonne zu schützen.“ Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen, von Anfang an kein Befürworter des angestrebten Wechsels, konnte über den schlechten Scherz nicht lachen, während auch Hübner kopfschüttelnd kommentierte: „Diese Fotos waren nicht förderlich für erneute Vertragsgespräche.“ Er bestätigte gegenüber dem Hessischen Rundfunk „den Rückzug aus der Personalie“.

          Kadlec der einzige erstligataugliche Stürmer

          Weil mittlerweile die halbe Fußballwelt von den Nöten der Eintracht weiß und dadurch für sie die Preise nicht günstiger werden, ist der Klub bei der Suche nach Alternativen noch keinen entscheidenden Schritt vorangekommen. Mit Stefan Scepovic, einem Serben, der gegenwärtig in der zweiten spanischen Liga bei Sporting Gijón sein Geld verdient, soll Hübner zwar weitgehende Einigung über einen Umzug nach Frankfurt erzielt haben, sein Arbeitgeber ist mit den angebotenen 1,5 Millionen Euro Ablöse für den Vierundzwanzigjährigen aber nicht einverstanden. Ähnlich verhält es sich bei Ilir Azemi, einem 22 Jahre alten Kosovaren, der aktuell an die Spielvereinigung Greuther Fürth gebunden ist, sowie beim erst 18 Jahre alten Belgier Zakaria Bakkali (PSV Eindhoven).

          Geht es nach Vaclav Kadlec, braucht gar kein neuer Offensivmann angeheuert zu werden. Der Tscheche ist zum jetzigen Zeitpunkt in der komfortablen Position, als einzige erstligataugliche Spitze im Eintracht-Trikot eine besondere Stellung einzunehmen; Luca Waldschmidt, das 18 Jahre alte Talent, fällt auf unbestimmte Zeit mit einer Schambeinentzündung aus und wird darüber hinaus körperlich deutlich zulegen müssen, um sich eines Tages tatsächlich im Kreis der Erwachsenen behaupten zu können. Kadlec sagte frei heraus: „Mir wäre es lieber, wenn keiner kommt.“ Dann würde er, vermutlich ohne großen Aufwand betreiben zu müssen, wesentlich regelmäßiger spielen als in der vergangenen Runde. Doch er fügte an: „Natürlich muss sich etwas tun. Mir ist klar, dass ein Verein wie Eintracht Frankfurt drei Stürmer haben will.“

          Kadlec sieht seine Chance

          Der Zweiundzwanzigjährige sprach von einem persönlichen „Neuanfang“, den er unter Thomas Schaafs Regie plane. An Vorgänger Armin Veh ließ er zugleich kein gutes Haar. Das Training unter dem neuen Coach sei „qualitativ hochwertiger“. Auch der Kommunikationsstil sei heute deutlich besser als noch vor wenigen Wochen. „Meine ersten Wochen in Frankfurt waren sehr gut. Dann habe ich keine Chance mehr bekommen, und Veh hat nicht mit mir darüber gesprochen“, behauptete Kadlec. Bei Schaaf sei dies nun anders: „Er hat sich von Anfang an erkundigt, was ich verstehe, und viel mit mir geredet.“

          Der als „Wunschstürmer“ engagierte Kadlec hatte vergangene Saison in seinen ersten sieben Partien viermal getroffen, danach aber den Anschluss verloren und in der Rückrunde lediglich noch einen Treffer erzielt. Er begründete seine Schwächephase, in der ihm der Spanier Joselu den Rang ablief, mit „Müdigkeit“ und körperlichen Umstellungsschwierigkeiten. „In Tschechien gibt es drei, vier Spiele pro Saison, in denen du an deine Grenzen gehen musst. In der Bundesliga sind es alle.“ Bei Schaaf sehe er gute Aussichten, ganz gleich, wer womöglich noch engagiert werde, wieder in die Startelf zu rücken: „Ich bin froh, dass es für mich diese Chance gibt und ich mich wieder reinarbeiten kann“, sagte er am Montag, wobei er ein T-Shirt trug, das einen Blick auf seine reichlich tätowierten Unterarme gestattete. Ein Spruch darauf: no pain, no gain. Kein Fleiß, kein Preis. Eine gute Einstellung, um bei Schaaf zu punkten.

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