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Eintracht Frankfurt : Die Eintracht im „Hamsterrad“

Der wäre was für uns, oder? Aber Sportdirektor Hübner (hinten) kann Trainer Schaaf immer noch nicht viel bieten. Bild: dpa

Die WM verdirbt die Preise und erschwert die Suche nach neuem Personal. Bis zum nächsten Trainingslager rechnet Sportdirektor Hübner dennoch mit zwei Neuzugängen.

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          Verflixte Fußball-Weltmeisterschaft. „An Divock Origi sind wir dran gewesen“, sagt Bruno Hübner. „Vor der WM hat er 1,5 Millionen Euro gekostet. Jetzt kostet er 12 Millionen.“ Und damit ist auch der Belgier, der sein Geld beim französischen Erstligaklub OSC Lille verdient, kein Fall mehr für die Eintracht. Mittlerweile haben der VfL Wolfsburg und der FC Liverpool ihre Netze nach dem Stürmer ausgeworfen, der sich spätestens mit seinem 1:0-Siegtreffer im Vorrundenspiel gegen Russland in finanziell neue Sphären geschossen hat. Dimensionen, in denen der Frankfurter Sportdirektor Hübner aus wirtschaftlichen Gründen keine Chancen für die Eintracht sieht. Hübner muss mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, ganz anders planen: „Es ist sehr schwer, einen Stürmer für eine Ablöse von vier bis fünf Millionen Euro plus Gehalt zu bekommen.“

          Die Eintracht und die Stürmersuche – die unendliche Geschichte geht weiter. Nachdem schon Vorstandschef Heribert Bruchhagen am Mittwoch während des Trainingslagers auf Norderney von einem „überhitzten Markt“ gesprochen hat, kann auch Manager Hübner, am Donnerstag zur frühen Nachmittagszeit auf der Insel in der Nordsee angekommen, keine Erfolgsmeldungen liefern. „Wir bewegen uns in einem Hamsterrad“, sagt der 53 Jahre alte Sportdirektor, der prognostiziert: „In diesem Jahr ist es besonders schwer. Immer wenn eine Weltmeisterschaft ist, gibt es Bewegung auf dem Transfermarkt bis zum Schluss.“ Bis zur Schließung der Transferliste am 31. August.

          Zwei Neue kommen ins zweite Trainingscamp

          Doch kann die Eintracht überhaupt so lange warten? Hübner ist optimistisch, dass er bis zum kommenden Donnerstag, wenn der Eintracht-Tross in das zweite Trainingslager nach Donaueschingen aufbricht, zumindest zwei neue Spieler verpflichtet haben wird. „Wir haben seit längerem schon Spieler im Kopf. Wir geben uns Zeit bis Donaueschingen.“ Kein Geheimnis ist, dass einer der von der Eintracht umworbenen Spieler noch in Wolfsburg unter Vertrag steht: Daniel Caligiuri.

          Zwei von den Neuen, schon von der Eintracht verpflichteten Profis, werden in jedem Fall die Reise ins zweite Trainingscamp mitmachen: Makoto Hasebe und Timothy Chandler. Der japanische Mittelfeldspieler hat es bei der WM mit der Auswahl Nippons nicht über die Vorrunde hinaus gebracht; der amerikanische Rechtsverteidiger, bei keiner einzigen Partie aktiv am Ball, durfte immerhin bis zum Achtelfinale von der Bank aus die Daumen drücken.

          Schaaf zeigt sich noch geduldig

          Bei seinem Besuch auf Norderney wirbt Hübner um Verständnis für die Problematik, der er sich ausgesetzt sieht. „Ich muss ja nicht nur eine Einigung mit dem Spieler, sondern auch mit dem abgebenden Verein erzielen.“ Was Hübner auf keinen Fall machen will, nur um irgendwelche Bedürfnisse zu befriedigen: planlos jemanden zur Eintracht zu holen. „Wir können auch Transfers machen, weil wir Transfers machen“, sagt er. Angesprochen auf den erstklassigen Ligarivalen FC Augsburg, der schon beherzt zugegriffen hat, sagt Hübner: „Bei denen, die auf dem Markt waren, hätten wir auch mitbieten können.“ Doch das wollte er nicht – und befindet sich damit im Einklang mit Thomas Schaaf. „Jeder ist sich unserer Situation bewusst“, sagt der Trainer über die Bemühungen, neue Spieler an die Eintracht zu binden. „Wir arbeiten daran, dass es für alle zufriedenstellend ist.“

          Als der Trainer gefragt wird, wie es um seine Geduld bestellt sei, erwidert er: „Es ist noch auszuhalten. Ich komme noch klar damit. Ich kann die Neuen nicht herzaubern.“ Schaaf hält nichts davon, „dass ich mich in mein Kämmerlein einschließe und so lange gegen die Wand laufe, bis der Schädel kaputt ist. Es hilft ja nichts.“ Nach Ansicht von Hübner ist Schaaf anders als sein Trainervorgänger Armin Veh einzuschätzen. „Thomas scharrt nicht mit den Hufen.“

          Die ganze Bundesliga im Wettstreit um Stürmer

          Hübner sieht gleich die ganze Bundesliga im Wettstreit um Stürmer. „Ich bin ja in Kontakt mit vielen meiner Kollegen. Alle sagen es“, so der Eintracht-Manager. „Der Markt ist überhitzt. „Jeder sucht Stürmer.“ Die Eintracht einen bis zwei, dazu noch zwei offensive Außenspieler für das Mittelfeld. „Drei sind wünschenswert, vier wären optimal“, sagt der Frankfurter Sportdirektor. „Wir werden noch welche bekommen. Im letzten Jahr, als auch die Skepsis da war, habe ich Joselu aus dem Hut gezaubert. Deshalb mache ich mir keine Kopfschmerzen.“

          Auch über Stefan Aigner nicht. Seitdem sich der erfolgreiche Torschütze Joselu schon zu Hannover 96 verabschiedet hat, war immer wieder davon die Rede, dass auch der offensive Mittelfeldmann dem Werben der Niedersachsen erliegen könnte. Doch Aigner hat noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2015 mit der Eintracht. „Ich denke null Komma null daran, dass er uns jetzt verlässt“, sagt Hübner. Im Gegenteil: „Wir wollen mit ihm verlängern.“ Das will die Eintracht mit Carlos Zambrano auch. Für den Peruaner war der Donnerstag ein schöner und schlechter Tag zugleich. Zwar feierte der Frankfurter Abwehrchef seinen 25. Geburtstag – allerdings nicht draußen in der Sonne, sondern im Hotel. Zambrano kämpft seit zwei Tagen mit Fieber. „Körperlich geht es ihm insgesamt wieder besser“, sagt Schaaf. „Aber es ist ärgerlich, denn jeder Tag Trainingslager zählt.“ Jeder Neuzugang auch.

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