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Eintrachts Djibril Sow : Der zweite Anlauf

  • -Aktualisiert am

Viel zu jubeln hatte er bislang nicht: Frankfurts Djibril Sow Bild: Reuters

Er galt als Wunschspieler von Trainer Hütter, genoss viel Vertrauen, zeigte aber wenig Leistung: Nun soll Djibril Sow in der Rückrunde die Erwartungen der Frankfurter Eintracht erfüllen.

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          Ein bisschen Spaß gehörte dazu. Bis zum Schluss des Trainingslagers, das am Samstag zu Ende ging, legte Aldi Hütter Wert darauf, dass bei aller Ernsthaftigkeit in der Vorbereitung auf die Rückrunde auch gelacht wurde. So bei unterschiedlichen Torschuss-Wettbewerben, bei denen die Gewinner genüsslich zuschauen konnten, wie die Verlierer Liegestütze zu machen hatten.

          Viel Laufarbeit bedeuten manche Übungen für Stéphane Gödde. Der Dolmetscher ist und bleibt der Mann für alle Fälle im Betreuerstab der Frankfurter. Auf dem „Jerry Lake Soccer Complex“ in Clearwater übernahm er die Aufgabe, Bälle einzusammeln, die am Tor vorbeiflogen. Und das waren einige. Mit einer sehr großen Streubreite bei seinen Versuchen fiel Djibril Sow auf: Einige Abschlüsse gelangen ihm mit Wucht, einige auf die elegante Art, wenn er sie mit dem Innenrist über die Torleute schlenzte. Andere dagegen segelten im hohen Bogen auf die angrenzende Wiese.

          Diese Momentaufnahme ist bezeichnend für den bisherigen Saisonverlauf des 22-Jährigen. Im Sommer wechselte er von den Young Boys Bern zu den Hessen. Er galt als Wunschspieler von Hütter, der schon in der Schweiz mit Sow gemeinsame Sache gemacht hatte und 2018 Meister geworden war. Die stattliche Ablösesumme in Höhe von 9,5 Millionen Euro, die von Eintracht für Sow bezahlt werden musste, verdeutlichte, dass der gebürtige Züricher nicht als Ergänzungsspieler vorgesehen war, sondern sein Engagement mit höheren Erwartungen verbunden war. Auf beiden Seiten haben sie sich bis heute längst nicht alle erfüllt.

          Sows Start in Frankfurt verlief nicht wunschgemäß. Im vergangenen Sommer, als ein strapaziöses Jahr in Bern mit insgesamt 50 Einsätzen inklusive Champions-League-Vorstellungen hinter ihm lag, zog er sich im ersten Trainingslager mit der Eintracht am Thunersee einen Sehnenriss im Oberschenkel zu und war zunächst wochenlang mit der Reha beschäftigt, anstatt die neuen Kollegen besser kennenzulernen. Auf Sows bevorzugter Position im defensiven Mittelfeld herrschte anfangs mit der größte Konkurrenzkampf innerhalb des Teams: Neben ihm hofften auch Sebastian Rode, Dominik Kohr, Gelson Fernandes und Lucas Torro auf regelmäßige Betätigung. Sow erhielt mit das Vertrauen, obwohl er selten überzeugte. Aufgrund der Verletzungen von Fernandes, der aus den Vereinigten Staaten mit einem Sehnenriss an der Hüfte heimkehrte, und Torro, den in der verpatzten Vorweihnachtswoche beim Gastspiel auf Schalke (0:1) ein Innenbandriss im Knie außer Gefecht setzte, haben sich Hütters Variationsmöglichkeiten mittlerweile reduziert, und Sow darf erst recht darauf spekulieren, am kommenden Samstag in Hoffenheim (15.30 Uhr/F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) in der Startelf zu stehen.

          An seinem Fitnesszustand gibt es keine Zweifel. Wann immer während des Aufenthalts in Übersee auf Hütters To-do-Liste Programmpunkte standen, bei denen es auf Schnellkraft ankam oder gesprintet werden musste, lief Sow vorneweg. Von der Erschöpfung zum Ende der Hinrunde, in der er insgesamt 21 Mal zum Einsatz kam, sind zumindest körperlich keine Folgen mehr spürbar. Er sei „müde“, bekannte Sow Mitte Dezember nach dem 0:1 auf Schalke, ihm fehle „völlig die Leichtigkeit“. In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung während des Camps in Florida, berichtete er offen, dass er „in der Phase, in der wir nicht gewonnen haben, Probleme mit dem Kopf hatte“. Sein Selbstvertrauen habe unter den fehlenden Erfolgserlebnissen gelitten. Während der Weihnachtsferien, als er über sich, die Frankfurter Niederlagenserie und die Sportwelt in Ruhe nachdachte, sei er zu der Erkenntnis gelangt, dass er künftig mehr an sich und sein Können glauben müsse: „Das ist jetzt der wichtigste Entwicklungsschritt!“

          Die Unterstützung Hütters ist ihm gewiss. „Man muss jungen Spielern auch mal die Zeit geben“, sagte der Österreicher und fügte an: „Ich habe ihn nicht umsonst geholt.“ Dass Sow mehr zu leisten imstande sei, als er fürs Erste im Trikot der Eintracht zeigte, sei richtig, räumte der Trainer ein: „Er kann besser spielen. Diesen Schuh zieht er sich selbst an.“ Hütter führte in Nordamerika viele Einzelgespräche, um den Spielern unter vier Augen zu verdeutlichen, was er von ihnen in der gegenwärtigen Lage, die sich bei weitem nicht so angenehm wie erhofft darstellt, verlangt: „Die Spieler müssen wissen, was gewollt ist.“

          Von Sow erhofft er sich mehr Stabilität und weniger Fehler. „Er hat noch Luft nach oben.“ Die öffentliche Kritik an ihm bezeichnete Hütter jedoch als nicht angebracht: „Es wird teilweise sehr schnell scharf geschossen.“ Der 49-Jährige bescheinigte Sow ein außerordentliches Potential, das ihn aus der breiten Masse der Profis heraushebe. Er sprach von Ähnlichkeiten zu Denis Zakaria, den er einst bei in Bern ebenfalls unter seinen Fittichen hatte, ehe ihn die Gladbacher abwarben – in einem Tauschgeschäft mit Sow übrigens, der schon als 18-Jähriger zur Borussia gegangen war. Auch Zakaria seien die ersten Schritte in Deutschland schwergefallen. Die Geduld mit ihm habe sich aber ausgezahlt, und heute gehöre der 23 Jahre alte Zakaria zu den in Europa umworbensten Jungstars. „Reden wir also in ein paar Wochen wieder über Djibril Sow“, legte Hütter das Thema von sich aus auf Wiedervorlage. Sow erhalte von ihm „die Zeit“, im zweiten Anlauf zu überzeugen, „er bekommt seine Möglichkeiten“, kündigte der Coach vor dem Abflug aus Nordamerika an. Nun muss sie Sow nach der Landung im Frankfurter Alltag nutzen.

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