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Eintracht Frankfurt : Der Trainer will auf Platz neun

Noch trainiert die Eintracht, aber bald wird es ernst. Bild: Daniel Nauck

Egal wie hochgesteckt das Ziel ist: die Eintracht Frankfurt muss auch die Finanzen im Auge behalten. Skibbe setzt auf Pressing, er will den Gegner schon in der eigenen Hälfte unter Druck setzen und in Anlehnung an das Vorbild englischer Teams Fußball mit nur ein, zwei Ballkontakten spielen lassen.

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          Typisch Heribert Bruchhagen. Als das Gros der erstklassigen Managerkollegen noch vor Monaten von der schönen neuen Fußballwelt abseits der Finanzkrise träumte, redete der Vorstandschef der Frankfurter Eintracht Klartext. Er kündigte Sparmaßnahmen und Etatkürzungen an, und jüngst sagte sein in Finanzfragen versierter Vorstandskollege Thomas Pröckl einen zukünftigen Verlust im „ordentlichen Millionenbereich“ voraus. Gut zwei Millionen Euro werden es sein, die die Eintracht aus ihren in den Vorjahren erwirtschafteten Rücklagen ausgleichen will. Schulden? Ist mit einem wie Bruchhagen nicht zu machen. „Ich bin jetzt seit 21 Jahren in der Bundesliga, aber Schulden, die hat es mit mir nicht gegeben, und die wird es mit mir auch nicht geben.“

          Seriosität und finanzielle Berechenbarkeit – das Gebot seiner Anfangsjahre hat auch jetzt Bestand. Und dass mit Michael Skibbe als Nachfolger des verdienten Aufbauhelfers Friedhelm Funkel nun ein neuer prominenter Chefcoach das Sagen hat, bedeutet noch lange nicht, dass der 44 Jahre alte ehemalige Nationalmannschaftstrainer auch die Spieler bekommt, die er für die sportliche Neuausrichtung haben möchte. Skibbes vordringlicher Auftrag: Er soll mit seiner Mannschaft die Wende schaffen und in Frankfurt für Aufbruchstimmung sorgen. Mit Worten allein, das weiß der noch in Düsseldorf lebende Gelsenkirchener, geht das nicht. Doch seit seinem Dienstantritt ist er nicht müde gewesen, für ein atmosphärisches Hoch zu sorgen. Aggressiv, offensiv – das Spiel seiner im Mittelfeld der Liga angesiedelten Mannschaft soll sich signifikant ändern.

          Nur ein Traum?

          Skibbe setzt auf Pressing, er will den Gegner schon in der eigenen Hälfte unter Druck setzen und in Anlehnung an das Vorbild englischer Teams Fußball mit nur ein, zwei Ballkontakten spielen lassen. Ein ambitioniertes Ziel, für das ihm kaum neues Personal zur Verfügung steht. Selim Teber aus Hoffenheim, Maik Franz aus Karlsruhe, Pirmin Schwegler aus Leverkusen – dieses Trio verbreitet nicht gerade Angst und Schrecken. Und Bruchhagen hat schon recht, wenn er sagt: „Eine Plazierung um Platz zehn wird für uns nur möglich sein, wenn alles passt. Bei uns geht es nur über Teambildung und Geschlossenheit.“ Doch Skibbe will sogar noch mehr. Rang neun ist das Ziel. 46 Punkte wie vor zwei Jahren unter Funkel sollen es werden. Nur ein Traum?

          Tatsache ist: Rund um den ersten Klub der Stadt ist wieder eine positive Grundstimmung zu spüren. Beim Training tummeln sich viele Besucher, denen Skibbe ungewohnt viele Freiheiten lässt. Dicht an dicht, mitunter sogar auf dem Platz, stehen die Fans. Autogramme, Fotos mit Spielern und Trainern – Skibbe nutzt alle Arten der publikumswirksamen Öffentlichkeitsarbeit. Dabei ist der neue Coach auch vor unpopulären Maßnahmen nicht zurückgeschreckt. Ioannis Amanatidis, den verdienten und über die Grenzen des Sports hinaus respektierten und geschätzten Kapitän, hat er ohne Not von seinem Ehrenamt entbunden. Der Schweizer Christoph Spycher, seit Jahren schon der intellektuelle Kopf der Mannschaft, soll es nun auch deshalb richten, „weil er als Verteidiger weniger verletzt ist und im Normalfall immer spielt“. Für Amanatidis, Botschafter des Hessischen Landespräventionsrats, war die Herabsetzung ein Affront.

          Caio ist einer der Gewinner der neuen Skibbe-Ära

          Die Antwort auf die Degradierung hat der stolze Grieche vor einer Woche gegeben. Beim letztlich souveränen 3:0-Pokaltriumph auf dem Bieberer Berg gegen die Offenbacher Kickers gehörte er als Vorbereiter zu den Besten. Auch heute, zum Bundesligastart in Bremen, wird der Stürmer in der Startelf stehen und versuchen mitzuhelfen, eine Negativserie der besonderen Art zu beenden. In der vorigen Saison erteilte Werder der Eintracht zweimal eine Lehrstunde. Beide Male setzte es deftige 0:5-Niederlagen.

          Einen Gewinner der neuen Ära Skibbe gibt es schon. Caio, der brasilianische Mittelfeldmann, erfreut sich gestiegener Wertschätzung. „Ein ganz besonderer Spieler, der den Unterschied machen kann“, sagt Skibbe über den Dreiundzwanzigjährigen, der vor eineinhalb Jahren für die Vereinsrekordsumme von vier Millionen Euro aus São Paulo an den Main gekommen war und sich unter Funkel wegen etlicher Defizite nicht durchsetzen konnte. Skibbe baut auf Caio, doch erst der Alltag in der Bundesliga wird zeigen, ob es sich die Eintracht leisten kann, dass zwei, drei starke Angriffsmomente genügen, um über nach wie vor bestehende Mängel in Caios Defensivarbeit hinwegzuschauen.

          Bremen, Nürnberg, Köln, Dortmund – die ersten vier Konkurrenten sind von anderer Güteklasse als Wattens, Kiew, Osijek und Timisoara. Vier Testspielgegner, gegen die es in der sommerlichen Vorbereitungsphase durchweg Niederlagen gab. Der Stimmung hat es nicht geschadet. „Meine Mannschaft ist gut vorbereitet“, sagt Skibbe. „Sie traut sich zu, dass wir am Ende Neunter werden.“ Unter den gegebenen sportlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen wäre es ein großer Erfolg.

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