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Eintracht Frankfurt : Das zentrale Problem der Eintracht

  • -Aktualisiert am

Wartestellung: Habib Bellaid hofft immer noch auf den Durchbruch. Bild: Wolfgang Eilmes

Und immer wieder die Innenverteidigung: Es ist für die Frankfurter schwierig, Spieler zu finden, die dauerhaft Halt geben. Trainer Veh erhöht den Druck.

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          Karl-Heinz Körbel hat für immer einen Platz in den Geschichtsbüchern der Fußball-Bundesliga. 602 Bundesligaspiele hat er bestritten, so viele wie kein anderer in Deutschland, dazu noch alle für einen Verein, für die Frankfurter Eintracht. Als Charly Körbel diesen Rekord aufstellte, zwischen 1972 und 1991, wurde er noch als Manndecker bezeichnet. Dieser Begriff ist heute tabu. Jetzt heißen die Spieler in der Abwehrzentrale Innenverteidiger, und von ihnen wird mehr erwartet als nur einen direkten Gegenspieler zu bewachen. Sie sollen flexibel in Raum- und Manndeckung spielen können, dazu nach Ballgewinn wenn möglich gleich mit einem klugen Pass das eigene Spiel in Gang setzen. Und sie sollen bei Freistößen und Eckbällen mit nach vorne gehen und Tore erzielen. Und damit beginnt das Problem – auch für Eintracht Frankfurt.

          Diese Komplexität der Aufgaben führt dazu, dass gute Spieler für die Abwehrzentrale schwer zu finden sind und dementsprechend von vielen Klubs gesucht werden. Bei der Eintracht dreht sich nicht erst in diesen Tagen und Wochen vieles um die Besetzung der Innenverteidigung. Dort vor allem herrscht Handlungsbedarf, dort sieht der neue Trainer Armin Veh die Mannschaft weder qualitativ noch quantitativ gut genug aufgestellt, um das Ziel, den Wiederaufstieg, zu realisieren. Alleine Marco Russ ist aus der Bundesligamannschaft des vergangenen Jahres übrig geblieben. Andere wie Maik Franz, der dauerverletzte Brasilianer Chris und der kaum weniger labile Mazedonier Aleksandar Vasoski sind nicht mehr dabei.

          Um Russ muss die Eintracht zittern

          Es sieht also ganz danach aus, als sollte die Innenverteidigung weiter das große Problemfeld der Eintracht bleiben. Ganz so wie in der Abstiegssaison. Alle für diese Positionen vorgesehenen Spieler hatten im Laufe der 34 Spiele mit mehr oder weniger schweren Verletzungen zu kämpfen und standen häufig nicht zur Verfügung. Die Verantwortlichen, Vorstandschef Heribert Bruchhagen und der damalige Trainer Michael Skibbe, verpassten es, im Winter für Ersatz zu sorgen, als mit Russ, Chris, Franz und Vasoski alle Innenverteidiger über Wochen fehlten. Sie verließen sich auf interne Lösungen und waren verlassen. So spielten beim 0:3 gegen Hannover im ersten Spiel des Jahres der A-Jugendliche Kevin Kraus und Mittelfeldspieler Ricardo Clark in der Abwehrzentrale. Beim 0:1 in Hamburg eine Woche später bildeten die Mittelfeldspieler Rode und Clark das Abwehrzentrum. Beim 0:1 gegen Mönchengladbach kehrten dann die gerade erst genesenen Russ und Franz zurück. Wie ein roter Faden zogen sich die Probleme in der Innenverteidigung durch die Rückrunde. So verpasste Franz wegen eines Fußbruchs die letzten vier Spiele. Also debütierte bei der für den Abstieg vorentscheidenden Niederlage gegen den 1. FC Köln der gerade mal 18 Jahre alte Julian Dudda.

          Die aktuelle Situation ist geeignet, abermals für eine gewisse Nervosität zu sorgen. Denn die Liste der Innenverteidiger, die nicht zur Verfügung stehen, wird lang und länger. Mit Franz kam es zu keiner Einigung über eine Vertragsverlängerung. Der Brasilianer Chris ist nach zwei Bandscheibenoperationen aktuell nicht in der Lage professionell Fußball zu spielen. Vasoskis gesundheitliche Probleme haben den Klub dazu veranlasst, ihm keinen neuen Vertrag zu geben. Talent Kraus wurde für nicht gut genug befunden und an die Spielvereinigung Greuther Fürth abgegeben – der Gegner der Eintracht am ersten Spieltag der neuen Saison. Der israelische Gastspieler Shai Maimon von Maccabi Haifa musste aus dem Trainingslager abreisen, nachdem er sich eine schwere Rückenverletzung zugezogen hatte. Schließlich konnte Rückkehrer Habib Bellaid nicht zeigen, dass er sich in den vergangenen beiden Jahren, als er nach Frankreich ausgeliehen war, verbessert hat. Auch er ist verletzt. Bellaid, das war der Versuch, mal wieder einen begabten jungen Spieler zu einem Fixpunkt in der Verteidigung aufzubauen, so wie das bei Marco Russ gelang. Stand heute ist dieser Versuch gescheitert.

          Aktuell ist der Hanauer Russ, vor ein paar Jahren noch als Talent aus der eigenen Jugend nach oben gespült, die einzige feste Größe. Doch gerade um ihn muss die Eintracht zittern. Der finanzstarke VfL Wolfsburg hat Interesse angemeldet, eine offizielle Anfrage allerdings gibt es laut Sportdirektor Bruno Hübner bisher nicht. Neben Russ stehen bisher nur zwei weitere Talente. Vom FSV Mainz 05 haben die Frankfurter den zuletzt an 1860 München ausgeliehenen und 19 Jahre alten Stefan Bell verpflichtet. Ihn betrachtet der Trainer als „Spieler, der den Sprung mal schaffen kann“. Er dürfte also keiner für die erste Elf sein. Und da ist noch der 18 Jahre alte Julian Dudda, dem vielleicht die Zukunft gehört. Veh hat sich deshalb eindeutig positioniert. Er will zusätzlich zu Russ und Bell zwei Innenverteidiger. Geht Russ, sollen es drei sein. Und er erhöht den Druck: „Wenn uns das nicht gelingt, dann können wir uns von unserem Ziel Aufstieg verabschieden.“ Und weiter: „Wenn wir das finanziell nicht schaffen, dann bin ich unter falschen Voraussetzungen hergekommen.“

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