https://www.faz.net/-gzn-81cgq

Eintracht Frankfurt : Das Strickmuster des Unerklärlichen

Durchschnaufen: Die Eintracht leistet Aufbauhilfe – und auch Meier weiß nicht so recht, wie das immer wieder passieren kann. Bild: dpa

Ruhe, bewahren, einfach weitermachen: Bei der Frankfurter Eintracht sucht man nach den Gründen für das enttäuschende 1:3 beim VfB Stuttgart.

          2 Min.

          Auch in den Stunden zwischen dem Schlusspfiff und der Wiederaufnahme der Tagesarbeit am Sonntag hat die Suche nach Gründen keine neuen Indizien geliefert. „Ich bin ratlos“, sagte Alexander Meier am Tag nach dem 1:3 von Stuttgart gegenüber dem Hessischen Rundfunk.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          In den Katakomben der VfB-Arena, die sich dank des erst zweiten Heimsiegs der Stuttgarter gegen Ende der Partie in ein Tollhaus verwandelte, sprach Kevin Trapp noch mit leiser Stimme: „Es gibt wenig Erklärungen dafür. Wir müssen die Ruhe bewahren. Gegentore können passieren“, sagte der Torwart und Kapitän der abermals von einer schlechter plazierten Mannschaft geschlagenen Frankfurter Eintracht. „Aber wir müssen auf jeden Fall unseren Stil beibehalten und weiterspielen.“

          Rückfall in alte Zeiten

          Leicht gesagt, aber wieder einmal nicht umgesetzt. Wenn es der Eintracht bei ihrem unbefriedigenden Dienstausflug in die baden-württembergische Kapitale geglückt wäre, hätte die Spieler von Trainer Thomas Schaaf die Köpfe oben gehabt. „Bei uns aber waren sie unten“, wie Stefan Aigner bestätigte. 1:3 in Mainz, 2:4 in Köln, 1:3 in Stuttgart: „Es war das gleiche Strickmuster“, sagte der frustrierte Heribert Bruchhagen. Wieder musste der Vorstandschef miterleben, wie die in Führung und auf vermeintlichem Siegkurs liegenden Profis leichtfertig eine Chance verpassten, sich eine bessere Ausgangsposition für den weiteren Saisonverlauf zu verschaffen.

          Abermals gab es einen Rückfall in alte Zeiten – mit vielleicht einem Unterschied. Bei der Niederlage in Stuttgart war die Eintracht im Gegensatz zu den Tiefschlägen von Mainz und Köln eine gute Stunde lang die klar bessere und dominierende Mannschaft. Nichts, aber auch gar nichts deutete auf die plötzliche radikale Kehrtwende hin, die Daniel Ginczek mit seinen beiden Treffern innerhalb von nur drei Minuten (63. und 66.) herbeiführte.

          Gefährliches Spiel: Chandler flankt, Dié fliegt mit gestrecktem Bein heran.
          Gefährliches Spiel: Chandler flankt, Dié fliegt mit gestrecktem Bein heran. : Bild: AP

          Die Eintracht wähnte sich nach dem wiedergefundenen Schussglück von Haris Seferovic (51.) auf Kurs – und Trainer Schaaf bestätigte in seiner Analyse, „dass wir draußen auf der Bank gerufen haben: Und jetzt das 2:0.“ Gefallen ist das 1:1, dann das 1:2 – und später noch das 1:3 durch Alexandru Maxim (80.). Die dritte Auswärtsniederlage in Folge war perfekt. „Die Tore sind viel zu einfach gefallen“, ärgerte sich Rechtsverteidiger Timothy Chandler. „Wir haben wieder nicht aufgepasst und hinten gepennt“, sagte der Amerikaner. Der 24 Jahre alte US-Boy wird während der Punktspielpause mit seinem Nationalteam auf Reisen sein.

          Trotzdem werden sich Spieler aus den Vereinigten Staaten bei der Eintracht tummeln, die sich erst wieder am Ostersamstag (4. April) im Bundesliga-Geschäft gegen Hannover 96 beweisen muss. Schon am Sonntag stellten sich die beiden amerikanischen Abwehrspieler Samuel Strong (18 Jahre) und Tomas Buchmiller (17) in Frankfurt vor. Die Eintracht will die Nachwuchstalente testen. Am Dienstag kommt sogar noch ein dritter Nachwuchsmann dazu: der 16 Jahre alte Außenbahnspieler Geon Hui Shim aus Südkorea.

          Unterdessen äußerte Torjäger Meier sein Unverständnis über eine weitere überflüssige Niederlage in der Fremde. „Ich kann das nicht beschreiben“, sagte der 32 Jahre alte Angreifer. Wie schon bei den Tiefschlägen zuvor erneuerte Meier seine Empfehlung, die Blicke nicht nach oben zu richten. „Wir müssen jetzt nach unten gucken. Zum Lachen ist das alles nicht. Wir machen uns so viel kaputt.“

          Trainer Schaaf will Kurs halten. „Wir lassen die Mannschaft nicht in Ruhe“, sagte er in Stuttgart. „Wir müssen und wir werden weiter daran arbeiten, dass wir mehr Konstanz in unser Spiel bekommen“, sagte der Frankfurter Fußballlehrer. Beim ersten der insgesamt drei Gegentreffer „hat sich die Mannschaft zu sehr mit dem Tor beschäftigt“. Und darüber wohl aus den Augen verloren, am bislang erfolgreichen Spiel festzuhalten. „Wir sind dafür bitter bestraft worden. Es ist leider nicht das erste Mal, dass wir das erleben.“

          Dass am Ende eines insgesamt enttäuschenden Fußball-Nachmittags der gewohnte Schulterschluss zwischen den Eintracht-Fans und der Mannschaft ausblieb, konnte Schaaf sogar verstehen. „Unsere tollen Fans, die uns immer unterstützen, fahren unzufrieden nach Hause. Wir brauchen Geduld.“ Zur Erinnerung: Die Suche nach Konstanz hält jetzt schon 26 Spieltage an.

          Weitere Themen

          Peinliches Ende eines Traums

          Niederlage beim Absteiger : Peinliches Ende eines Traums

          Eintracht Frankfurt verliert 3:4 beim Absteiger „auf“ Schalke und hat kaum noch Chancen auf die Champions League. Die Kritik wird lauter – auch an Trainer Adi Hütter.

          Topmeldungen

          Nahostkonflikt : Israels Militär droht Hamas mit gezielten Tötungen

          Israels Raketen zerstören ein Hochhaus mit Journalistenbüros im Gazastreifen. Der Armeesprecher kündigt weitere Angriffe auf die Führungsriege der Hamas an. Iran stellt sich hinter sie. Und US-Präsident Biden telefoniert — mit Israels Regierungschef Netanjahu und Palästinenserpräsident Abbas.
          Grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock

          Grüne : Baerbock will als Kanzlerin Flugreisen verteuern

          Solaranlagenpflicht für Neubau, Kurzstreckenflüge sollen obsolet werden: Annalena Baerbock kündigt ein „Klimaschutzsofortprogramm“ an, sollte die Grüne im September Kanzlerin werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.