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Eintracht Frankfurt : Das Lächeln ist zurück

Annäherungsversuch: Bei Jan Rosenthal ist der Ball wieder im Spiel. Bild: Heiko Rhode

Neuer Mut, mehr personelle Möglichkeiten – die Frankfurter Eintracht denkt wieder positiv. Und Jan Rosenthals lange Leidenszeit nähert sich dem Ende.

          3 Min.

          Das Vermummungsverbot wurde vorübergehend außer Kraft gesetzt. Dick eingepackt, mit Mützen, Schals und Handschuhen, starteten die Spieler der Eintracht die Vorbereitung auf das siebte Heimspiel der Saison. Mittendrin in dem knapp anderthalbstündigen Treiben auf dem Feld, das sich trotz Frost dank der Rasenheizung in sattem Grün präsentierte, stand Thomas Schaaf als einer der wenigen, die der Kälte in kurzen Hosen trotzten.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Schaaf leitete fast zwei Dutzend Spieler an, so viele wie seit langem nicht. Die personelle Lage hat sich durch die Rückkehr der zuletzt erkrankten Václav Kadlec und Aleksandar Ignjovski entspannt, außerdem drehte Joel Gerezgiher nach seinem Syndesmoseriss wieder erste Runden. In der Einstimmung auf die kommende Heimpartie an diesem Sonntag gegen Borussia Dortmund (Anstoß: 17.30 Uhr) waren deutlich mehr fröhliche Gesichter zu sehen als noch vor wenigen Tagen.

          Schaaf sprach davon, dass sich durch den Erfolg in Mönchengladbach der „Spaß an der Arbeit“ vergrößert habe. Es sei doch selbstverständlich, sagte der Coach, dass „mehr Freude da ist“, wenn er und das Team in der Analyse der Ausgangssituation auf einen gelungenen Auftritt zurückblicken könnten: „Wenn viele Aktionen gelingen, ist das einfach positiv behaftet.“ Ein Privatspiel bei den Amateuren von Rot-Weiss Frankfurt endete am Dienstagabend mit einem 5:0 für den Favoriten.

          Heimspiele bisher nicht so erfolgreich

          Auswärts in der Liga zählen die Frankfurter mit acht Punkten aus sechs Partien zu den Klassenbesten. Zu Hause allerdings fallen die Resultate bisher weit weniger erfreulich aus: Zwei Siege, ein Unentschieden, drei Niederlagen und somit sieben Zähler stehen nach ebenfalls sechs Vorstellungen in der WM-Arena zu Buche – nur vier Konkurrenten (Freiburg, Bremen, Köln, Stuttgart) haben ein schlechteres Zwischenfazit vorzuweisen. Die Chance, ausgerechnet gegen den BVB die Bilanz zu verbessern, sind nach dem vergangenen Wochenende gestiegen: Die Eintracht fühlt sich durch das 3:1 in Gladbach beflügelt und imstande, mit dem nötigen Selbstvertrauen im Rücken die nächste Überraschung zu realisieren, während der kriselnde Gegner beim 2:2 in Paderborn einen sicher geglaubten Erfolg und den nun wiederum verletzten Nationalspieler Marco Reus verlor. Schaaf bescheinigte dem ans Tabellenende abgerutschten Meister von 2012 ungeachtet der aktuellen Schwierigkeiten eine „Top-Qualität, die wir bislang hauptsächlich in der Champions League erleben konnten“.

          Auch an diesem Mittwoch sind die Dortmund international, beim FC Arsenal in London, im Einsatz (20.45 Uhr). Einen Team-Abend, um sich die Elf von Jürgen Klopp gemeinsam im Fernsehen anzuschauen, hat Schaaf, der sonst großen Wert auf gemeinschaftliche Zusammenkünfte legt, nicht angesetzt: „Es hat doch jeder einen Decoder, um das Spiel daheim zu sehen, oder er kennt einen Freund, der einen hat“, sagte er über die für ihn interessanteste Vorstellung in der „Königsklasse“, die nur im Pay-TV zu sehen ist. Zum Ausfall von Reus sagte der Trainer, dass es sich „auf jeden Fall“ um eine Schwächung der Borussia handele. „Ob es aber für uns ein Vorteil wird, hängt davon ab, wie leistungsstark wir sind.“ Er sagte, seine Mannschaft, die gegen die Bayern und Mönchengladbach wesentlich selbstbewusster und ballsicherer agierte als in den Wochen zuvor, müsse „ihrem Spiel treu bleiben“. Soll heißen: Die aggressive und aktive Gangart, auf die sich Team und Trainer kürzlich verständigt haben, wird beibehalten. Mindestens ein Sieg und ein Remis sind jetzt bis zur Weihnachtspause noch nötig, um die interne Vorgabe von 19 Punkten zu erreichen.

          Mithelfen, die Vorgabe in die Tat umzusetzen, würde am liebsten auch Jan Rosenthal. Es wäre sein persönliches Happy End nach einem halben Jahr, das zu den verlorenen seiner Karriere zählt. Am 3. Mai kam der Profi zum letzten Mal für die Eintracht in einem Pflichtspiel zum Einsatz. Während der Vorbereitung erwischte ihn dann eine hartnäckige Magen-Darm-Erkrankung. Doch im Bestreben, sich unter Schaaf wieder mehr in den Fokus zu rücken, als ihm dies unter Vorgänger Armin Veh gelungen war, ignorierte der heute 28-Jährige die Warnsignale seines Körpers – in der Folge kapitulierte sein Immunsystem. Als es so aussah, als sei der Mittelfeldspieler körperlich auf dem Weg der Besserung, fiel er im Herbst durch einen neuerlichen Infekt „wieder in ein Loch“. Nach 15 Minuten lockerem Dauerlauf „war ich völlig kaputt“, erinnert er sich. Nun ist eine weitere Reha-Phase so weit abgeschlossen, dass er ohne Schwierigkeiten mit Eintracht-Fitnesstrainer Christian Kolodziej sein individuelles Programm absolvieren kann. Seine gegenwärtige Verfassung „stimmt mich optimistisch“, sagte Rosenthal. Seine persönliche Befindlichkeit passte damit ziemlich gut zum Grundgefühl, mit dem auch der Rest der Kollegen am Dienstag seiner Beschäftigung nachging.

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