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Eintracht Frankfurt : Das „Königsspiel“ um die Krone Klassenverbleib

Einen Amanatidis (li.) in Bestform können sie bei der Eintracht gut gebrauchen Bild: picture-alliance/ dpa

Für die einen ist es ein „Königsspiel“, für die anderen ein „Abstiegsendspiel“. Trainer Funkel sieht es nüchterner: „Ein ganz, ganz wichtiges Spiel“. Gegen Alemannia Aachen steht die Eintracht unter Siegzwang.

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          Für die einen ist es ein „Königsspiel“, für die anderen ein „Abstiegsendspiel“. Friedhelm Funkel sieht es nüchterner. „Ein ganz, ganz wichtiges Spiel“, sagt der Trainer der Frankfurter Eintracht. „Aber das am letzten Spieltag gegen Hertha BSC könnte ein noch wichtigeres Endspiel geben.“ Was nun also?

          Aller Voraussicht nach wird sich schon an diesem Samstag weisen, ob die Eintracht über das Saisonende hinaus unter erstklassigen Bedingungen Fußball spielen darf. Das Duell mit Alemannia Aachen, dem unmittelbaren, auf dem ersten Abstiegsrang stehenden Rivalen, ist das Gipfelspiel, das zählt. Ein Sieg – und die Eintracht könnte mit dann 37 Punkten relativ entspannt nach Bremen fahren, um zum Saisonfinale Berlin zu empfangen.

          Auch Spycher kann im Abstiegsfall ablösefrei gehen

          Eine Niederlage? Niemand in Frankfurt mag daran denken, an die Folgen schon gar nicht. Der drohende Absturz in die Zweitklassigkeit würde zu großen Erosionen führen. Denn anders als es Vorstandschef und Manager Heribert Bruchhagen monatelang immer wieder verkündet hat, sind es eben nicht nur Jermaine Jones, Albert Streit und Patrick Ochs, die im Abstiegsfall ablösefrei gehen könnten und über entsprechende Klauseln in ihren Verträgen verfügen.

          Auch Christoph Spycher würde die Eintracht verlassen dürfen. Bruchhagen hat dies verschwiegen, doch der Schweizer Nationalspieler hat sich jetzt in einem Interview mit der Eidgenössischen Zeitung „Der Bund“ unmissverständlich auf die Frage nach dem möglichen Abstieg geäußert: „Falls wir absteigen, wäre ich ablösefrei. Ich kann mir nicht vorstellen, in der Zweiten Bundesliga zu bleiben, schon alleine wegen der Euro 2008.“

          Für Albert Streit sind Fußballspiele in der zweiten Klasse undenkbar. Deshalb hat sich der scheidende, auf das eigene Wohlergehen achtende Profi zum Ziel gesetzt, „in den letzten drei Spielen Gas zu geben“. Am Freitag, beim Abschlusstraining, hat der 27 Jahre alte Mittelfeldspieler ordentliche Flanken geschlagen, die zumeist dankbare Abnehmer fanden. Nur einen nicht: Ioannis Amanatidis. Schon kurz nach dem Übungsbeginn drehte der Grieche alleine laufend ein paar Runden und verabschiedete sich Richtung Kabine. Sein Trainer klärte später auf: „Keine Verletzung, nur ein bisschen Schonung, damit er gegen Aachen richtig Gas geben kann. Er ist zu hundert Prozent einsatzfähig.“ Einen Amanatidis in Bestform können sie bei der Eintracht gut gebrauchen, um vor ausverkauftem Haus in der WM-Arena den so sehnsüchtig erhofften Sieg gegen die zuletzt fünfmal in Folge geschlagenen Aufsteiger zu schaffen.

          Preuß und Ochs vor ihrer Rückkehr in die Mannschaft

          Um die Bedeutung der wegweisenden Partie gegen Aachen zu unterstreichen, hat Eintracht-Trainer Funkel noch einmal in die verbale Mottenkiste gegriffen. „Die Mannschaft ist heiß, sehr heiß sogar. Sie will in der Bundesliga bleiben. Alles andere wäre ja auch fatal.“ Weil Markus Weissenberger noch immer am Sprunggelenk verletzt ist und ebenso wenig einsatzfähig ist wie Chris (Rückenprobleme) und Michael Thurk (Nebenhöhlenvereiterung), dürfte Linksverteidiger Spycher wieder einmal Spielführer sein. Dabei brauchte die Eintracht mehr als nur jemanden, der die Binde trägt. Einen, der aufrüttelt und mitreißt. Einen, der als Kämpfer überzeugt. Doch in der aktuellen Mannschaft gibt es niemanden vom Schlage eines Alexander Schur, der als Letzter das Kapitänsamt in vorbildlicher Weise ausgeübt hatte.

          Nach seinem schlimmen Foul, das er in der Partie gegen Energie Cottbus erlitten hatte, kehrt Christoph Preuß, der Torschütze des Monats, in den Kader für das Spiel gegen Aachen zurück. Auch Patrick Ochs will sich wieder auf der rechten Verteidigerposition in den Dienst der Mannschaft stellen. Seine Nominierung dürfte ebenso als sicher gelten wie die von Streit. „Gehen Sie mal davon aus“, sagte Funkel am Freitag den Reportern zum Abschied.

          Abschiedsstimmung – das hätte es auch bei Heiko Beeck in diesem Sommer geben sollen, doch die bis zum 30. Juni 2007 befristete Berufung des ehrenamtlichen Vorstandsmitglieds ist vom Aufsichtsrat um ein weiteres Jahr verlängert worden. Beeck gehört dem Vorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG seit August 2003 an. Im Kontrollgremium hat es zudem ein Comeback gegeben, denn Reinhard Gödel, der einstige Sprecher, gehört ab sofort wieder dem neunköpfigen Gremium an, das unter anderem über das sportliche und wirtschaftliche Wohlergehen der Eintracht wacht, für das im operativen Geschäft Heribert Bruchhagen und Thomas Pröckl verantwortlich sind. Vorstandschef Bruchhagen übrigens ist am Sonntagvormittag Gast in der DSF-Sendung „Doppelpass“. Vielleicht kann er von einem Sieg im „Königsspiel“ gegen die Kicker aus der Kaiserstadt berichten.

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