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Eintracht Frankfurt : „Das ist meine Chance“

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Wird das der große Wurf? Fährmann ist als Talent unumstritten, als Stammspieler noch nicht. Bild: Wonge Bergmann

Eintracht-Torhüter Oka Nikolov fällt aus, es könnte also die Zeit des Durchbruchs für seinen Vertreter Ralf Fährmann sein – und das mitten im Abstiegskampf.

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          Ralf Fährmann ist ein gut erzogener junger Mann, immer freundlich, höflich und zuvorkommend. Vor ein paar Wochen aber war es mit der Contenance des 22 Jahre alten Fußball-Profis der Frankfurter Eintracht vorbei. Trainer Michael Skibbe hatte gleich zu Beginn des Winter-Trainingslagers in der Türkei deutlich gemacht, dass er an der Torhüter-Hierarchie nicht rütteln werde und der 36 Jahre alte Routinier Oka Nikolov auch weiterhin die Nummer eins zwischen den Pfosten der Eintracht bleiben würde. „Ralf genießt unser Vertrauen, aber er muss sich gedulden“, sagte Skibbe damals. Fährmann war enttäuscht und verärgert, hatte er doch gehofft, mit den Arbeitsproben, die er wegen einer Verletzung Nikolovs unmittelbar vor der Winterpause abgeben durfte, Boden gut gemacht zu haben. Auch schien der Trend in der Liga, jungen Torhütern das Vertrauen auszusprechen, auf seiner Seite.

          Doch Skibbe und wohl auch Torwarttrainer Andreas Menger entschieden anders. Fährmann hat in der Folge dieser persönlichen Enttäuschung offen von Abschied gesprochen. „Wenn das so bleibt, macht das wenig Sinn“, sagte er. „Ich bin nicht von Schalke nach Frankfurt gekommen, um auf der Bank zu sitzen.“ Schnell wurde eine Ausstiegsklausel in die Öffentlichkeit lanciert, in der Fährmann zugestanden wird, für eine bestimmte Ablösesumme, angeblich zwei Millionen Euro, den Verein trotz eines bis 2012 laufenden Vertrages vorzeitig zu verlassen. Sein Berater Dirk Lips wird bei hr-online mit den Worten zitiert: „Niemand versteht, warum Ralf nicht spielt. Er zeigt überragende Trainingsleistungen.“

          „Ich schätze Oka als Menschen, wir verstehen uns gut, deshalb tut es mir leid, dass er sich verletzt hat“

          Beim Trainer und beim Vorstandvorsitzenden Heribert Bruchhagen sind die Vorstöße des designierten Nikolov-Nachfolgers auf wenig Verständnis gestoßen. Eine bessere sportliche Perspektive als die von Fährmann finde man in der gesamten Bundesliga nicht, konterte der Trainer. Es sei schließlich „nur eine Frage der Zeit“, wann der ehemalige Juniorennationalspieler Nikolovs Nachfolger wird.

          Nun ist die Zeit wohl gekommen. Nikolov hat sich am Montag beim Training zum dritten Mal in dieser Saison einen Sehnenriss in der Fußsohle zugezogen und wird wieder einige Wochen ausfallen. Der 1,96 Meter große Fährmann wird also in den nächsten, für die Eintracht so wichtigen Wochen zwischen den Pfosten stehen, Gesundheit vorausgesetzt. Seinen bisher sieben Bundesligaspielen, drei in der vergangenen, vier in dieser Saison, werden nun weitere folgen. „Ich schätze Oka als Menschen, wir verstehen uns gut, deshalb tut es mir leid, dass er sich verletzt hat“, sagte Fährmann. „Aber das ist meine Chance.“

          Seine Nervosität halte sich auch in Grenzen

          Ein großes Thema im Mannschaftskreis oder bei den Trainern ist der Torwartwechsel nicht. Zwischen den Pfosten habe die Eintracht „die geringsten Probleme“, sagt Skibbe, „ich habe keine Befürchtungen, dass Ralf es nicht hinkriegen könnte“. Vielmehr: „Er wird es gut machen.“ Torwarttrainer Menger attestiert Fährmann eine „sehr positive Entwicklung“, in den vergangenen Monaten habe er sich immer näher an die Bundesliga herangearbeitet. Nun wird es darauf ankommen, die Trainingsleistungen im Stress der Bundesliga zu bestätigen. Ein Greenhorn ist Fährmann ja nicht, immerhin hat er Nikolov schon siebenmal vertreten – unter anderem zum Ende der Vorrunde beim 1:0 gegen Borussia Dortmund, dem letzten Sieg der Eintracht in der Bundesliga.

          Seine Nervosität halte sich deshalb auch in Grenzen. „Ich bin überhaupt nicht nervös“, versicherte er, vielmehr sei er „voller Vorfreude, der Mannschaft helfen zu können“. Es könnte für den Spieler und die Mannschaft keinen besseren Zeitpunkt geben, den Worten Taten folgen zu lassen, als beim Heimspiel am Sonntag gegen den VfB Stuttgart.

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