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Eintracht Frankfurt : Kamada ist selbstbewusst und linientreu

Fragt Landsmann Hasebe um Rat, „wo auf Hawaii ich Urlaub machen und welche Rolex-Uhr ich kaufen soll“. Bild: Picture-Alliance

Daichi Kamada verlängert seinen Vertrag bis Mitte 2023 in Frankfurt. Mit der Eintracht will er wachsen – und in der Champions League spielen.

          3 Min.

          Das sollte er immer so machen. Wenige Stunden nach der erwarteten Vertragsverlängerung bis Mitte 2023 ging Daichi Kamada mit gutem Beispiel voran. Als die Eintracht-Spieler am Mittwoch in ihrer vormittäglichen Trainingseinheit zu Beginn laufend ihre Runden drehten, lief Kamada lächelnd vorneweg. Der Japaner hat aktuell allen Grund, zufrieden zu sein. Nach einigem Hin und Her ist es der Eintracht endlich gelungen, Kamada und seine Berater von einem Verbleib in Frankfurt zu überzeugen.

          Es ist ein Schritt, der nicht überrascht, denn Angebote von wirklichen Topvereinen hat es nie gegeben. Kamada selbst, der sich zur Mittagszeit den Fragen der Reporter stellte, bestätigte zwar, „dass ich auf das nächste Level kommen will. Doch es gibt nicht viele Teams, um diesen Schritt nach oben zu machen.“ Also: Weiter mit der Eintracht. „Für mich ist dies ganz logisch, dass ich hierbleibe “, sagte Kamada. „Es stand schon länger fest, dass ich nicht wechseln wollte.“

          Offen, direkt, präzise

          Offen, direkt, präzise: Die von Dolmetscher Alexander Ostern übersetzte Frage-und-Antwort-Runde nutzte Kamada, um sich von seiner neuen Seite zu präsentieren. Richtig ist nämlich: Der offensive Mittelfeldspieler strotzt vor Selbstbewusstsein. „Mit Frankfurt will ich eventuell Champions League spielen“, sagte Kamada – ohne freilich einen Zeithorizont zu skizzieren. Was er sofort erreichen möchte, brachte er mit der Zahl 15 zum Ausdruck. „Zusammengerechnet möchte ich in der neuen Saison bei Toren und Assists auf 15 kommen.“ In der zurückliegenden Spielzeit erzielte Kamada in der Bundesliga zwei Tore, sechsmal kam ein Assist hinzu bei insgesamt 28 Spieleinsätzen. Ungleich erfolgreicher liest sich die Statistik des ambitionierten Japaners in der Europa League. Dort brillierte er mit sechs Toren, zweimal profitierten seine Mitspieler von seiner Vorarbeit.

          Drei weitere Jahre, bis einschließlich 30. Juni 2023, hat Kamada nun Planungssicherheit und die Chance, ein noch besserer Fußballprofi zu werden. Der Japaner weiß, dass er noch zulegen kann. Seine zuletzt gezeigten Arbeitsproben, beispielsweise seine Partie im DFB-Pokal beim TSV München 1860, weisen noch immer eine Streuung auf. Lichten Aktionen mit ansehnlichen und überraschenden Dribblings folgen Momente mangelnder Übersicht und Durchsetzungsfähigkeit. Am Mittwoch hat Kamada versprochen, „überall eine Schippe draufzulegen“. Dass er sich dabei der Rückendeckung seines Trainers sicher sein darf, ist ihm besonders wichtig. „Ich habe schon immer das Vertrauen des Trainers gespürt“, sagte Kamada. Auf das Urteil seines Landsmannes Makoto Hasebe legte Kamada erstaunlicherweise nicht viel Wert, wie er konkret sagte. „Makotos Meinung war nicht so wichtig für mich, die des Trainers schon.“ Eine forsche Aussage eines gerade 24 Jahre alt gewordenen Mannes, der Hasebe immerhin um Rat fragt, „wo auf Hawaii ich Urlaub machen und welche Rolex-Uhr ich kaufen soll. Makoto ist eine große Persönlichkeit. Von ihm kann ich noch sehr viel lernen.“

          Sportlich besser geworden

          Der Einschätzung, er sei als vermeintlicher schüchterner Jungprofi nach seinem einjährigen Leihgeschäft beim VV St. Truiden als gestandener Mann zurückgekommen, widersprach er am Mittwoch vehement. „Als ich damals nach Frankfurt gekommen war, hatte die Eintracht eine starke Mannschaft. Sie hat funktioniert, und es war schwer für mich, dort reinzukommen. Es hat schlichtweg noch nicht gereicht.“ Da es für Kamada aber wichtig war zu spielen, „bin ich nach Belgien gegangen. Ich denke aber nicht, dass ich mich dort verändert habe.“ Das mag vielleicht stimmen, unstrittig aber ist: Kamada ist sportlich besser geworden. Er hat dort den Sprung gemacht, den er sich selber immer erhofft hat. Deshalb stimmt es ihn rückblickend unzufrieden, „dass ich in der vergangenen Saison insgesamt nicht so gut gespielt habe. Mit meiner Leistung bin ich nicht zufrieden gewesen“, sagte er selbstkritisch.

          Fredi Bobic sieht dies anders. „Bei uns hat er in der vergangenen Saison total überzeugt“, sagte der Eintracht-Sportvorstand anlässlich Kamadas Vertragsverlängerung. Konsens besteht immerhin beim Bestreben, zukünftig ein dauerhaft verlässlicher und gewinnbringender Spieler zu werden. „Wir sind sicher, dass Daichi auch in den kommenden Jahren eine noch wichtigere Rolle im Team einnehmen kann“, sagte Bobic.

          Den Nährboden dafür sieht Kamada in seinem sportlichen Umfeld. „Ich mag die Mannschaft hier“, sagte er. „Ich bin hier anerkannt, das ist wichtig für mich. Der Trainer und der Verein haben mir gesagt, dass ich bleiben soll. Dieses Gefühl, gebraucht zu werden, war mir sehr wichtig.“ Wichtig, daraus machte der Japaner keinen Hehl, ist bei seinem Entschluss, mit der Eintracht zu verlängern, auch der wirtschaftliche Aspekt gewesen. „Logisch, Geld ist wichtig, das hat schon eine Rolle bei den Verhandlungen gespielt“, sagte er freimütig. Am Samstag, zum Bundesliga-Start gegen Arminia Bielefeld, kann Kamada gleich damit anfangen, „eine Schippe draufzulegen“ und als Torschütze und Vorbereiter zu glänzen.

          Es bleibt bei 6500

          Auch wenn es jetzt erlaubt ist, bis zu 20 Prozent der maximalen Zuschauerkapazität ins Stadion zu lassen: Die Eintracht bleibt bei ihrem Plan, dass beim Bundesligastart an diesem Samstag gegen Arminia Bielefeld 6500 Zuschauer dabei sein werden. So bestätigte es am Mittwoch ein Sprecher des Fußballvereins. Die Eintracht hatte am vergangenen Freitag die Zustimmung des Gesundheitsamts für eben 6500 Besucher erhalten. Der Klub hatte der Behörde zwei Szenarien vorgeschlagen: eines mit 11.275 Zuschauern, eines mit 9800. Genehmigt wurden 6500. Das „dynamische Zuschauerkonzept“ sieht unter anderem vor, dass die Zuschauer in verschiedene Gruppen eingeteilt und einem Zeitfenster und einem Eingang in der Arena zugewiesen werden. Beide Informationen werden auf dem Eintrittsticket vermerkt. (raw.)

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