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Eintracht Frankfurt : Zambranos Versprechen

Will disziplinierter werden: Carlos Zambrano Bild: Wonge Bergmann

Der Heißsporn der Frankfurter Eintracht garantiert Trainer Veh, keine „blöden Foulspiele“ mehr zu machen. Dafür gibt es für den Abwehrchef einen Tag Sonderurlaub.

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          So motiviert man Mitarbeiter. Das Telefongespräch zwischen Armin Veh und Carlos Zambrano war nur kurz und knapp. Doch die Absprache, die der Trainer der Frankfurter Eintracht und sein Abwehrchef getroffen haben, soll der Beginn einer langen Freundschaft sein. Formal geht es um einen Tag Sonderurlaub für den peruanischen Fußballprofi, doch eigentlich um viel mehr. Es geht um ein Versprechen, das sich die beiden Männer gegeben haben und das helfen soll, Disziplinlosigkeiten in Zukunft zu vermeiden.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          „Carlos hat mir versprochen, dass er keine blöden Foulspiele mehr machen will“, sagte der bestens gelaunte Eintracht-Coach am Mittwoch. „Ich habe ihm gesagt: Wenn Du Dich daran hältst, kriegt Du einen Tag mehr Urlaub.“ Geplant war, dass der 26 Jahre alte Innenverteidiger nach seinem Ausflug zur Copa Amerika und dem sich daran anschließenden Urlaub am 25. Juli wieder in Frankfurt sein muss. „Er kommt aber erst am 26.“, bestätigte Veh.

          Zambrano sah regelmäßig Gelb

          Carlos Zambrano und sein mitunter ungezügeltes Spiel im Kampf um den Ball: Immer wieder ist dies in den zurückliegenden Jahren ein Ärgernis gewesen. Wer nach den auffälligsten Bundesligaspielern suchte, der regelmäßig verwarnt wurde und Gelb sah, wurde zumeist bei dem peruanischen Nationalspieler fündig. Eine Auswahl: In der zurückliegenden Bundesligasaison erhielt Zambrano bei seinen 17 Einsätzen sieben Mal die Gelbe Karte, ein Mal, bei der 1:3-Auswärtsniederlage im Nachbarschaftsduell beim FSV Mainz 05, wurde der Heißsporn mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen.

          In der Spielzeit 2013/2014, in der es Zambrano auf 30 Einsätze brachte, zückten die Unparteiischen gegen ihn 13 Mal die Gelbe Karte. Ein weiteres Jahr zuvor, als Veh und die Eintracht die Bundesliga im Sturm eroberten und Direktkurs auf die Europa League nahmen, waren es 11 Verwarnungen in 30 Spielen, und am Ende der Aufstiegssaison 2011/2012, als Zambrano in zweitklassiger Umgebung lediglich zehn Mal zum Einsatz kam, sah er drei Mal Gelb und ein Mal Gelb-Rot. Im Schnitt wurde der Südamerikaner annähernd in jedem zweiten Spiel verwarnt. Seine vorerst letzte Verfehlung leistete sich der kompromisslose Innenverteidiger im Nationaltrikot seines Heimatlandes Peru.

          Passt alles? Beim offiziellen Fototermin ist der Kader der Frankfurter Eintracht noch nicht komplett.
          Passt alles? Beim offiziellen Fototermin ist der Kader der Frankfurter Eintracht noch nicht komplett. : Bild: Wonge Bergmann

          Im Halbfinalspiel der Copa Amerika gegen Gastgeber Chile musste sich die peruanische Auswahl siebzig Minuten lang zu zehnt wehren. Zambrano war bei der 1:2-Niederlage in der 20. Minute mit Rot des Feldes verwiesen worden. Ab sofort gelobt Zambrano Besserung. Entscheidend für zukünftige Spiele im Dress der Eintracht: Einzig Trainer Veh urteilt, ob es sich um ein „blödes Foulspiel“ handelt oder nicht. Doch so weit ist es noch nicht. „Carlos soll jetzt erst mal Urlaub machen. Am 26. kommt er zurück.“

          Der 26. Juli ist ein Montag und der erste Tag nach dem offiziellen Ende des zweiten Trainingslagers in den österreichischen Bergen, das die Eintracht von diesem Samstag an in Windischgarsten bezieht. Wie schon in der vergangenen Woche in Neustift im Tiroler Stubaital will Eintracht-Coach Veh auch im zweiten Teil der sommerlichen Vorbereitung auf 24 Spieler bauen. 21 Feldspieler und drei, vielleicht sogar vier Torleute sollen die Reise in den Ort mitmachen, in dem die Frankfurter schon einmal vor zwei Jahren gewesen sind. Vaclav Kadlec will in Windischgarsten einen neuen Anfang starten.

          Kadlec und Seferovic wieder im Training

          „Er wird mitfahren und dort zum ersten Mal wieder auf dem Platz sein“, sagte Veh über den stürmischen Tschechen. Der 23 Jahre alte Kadlec hatte sich bei der U-21-Europameisterschaft in seiner Heimat eine Bänderdehnung zugezogen. Die Verletzung hat ihn bislang daran gehindert, sich spielend unter die neuen, alten Kameraden zu mischen. Am Mittwoch, als Veh wieder mal die vermeintliche A-Elf gegen die B-Auswahl spielen ließ, drehte Rekonvaleszent Kadlec jenseits der Außenlinie fleißig seine Runden.

          Mehr noch: Als die offizielle Übungseinheit beendet war, durfte sich Kadlec gemeinsam mit dem Urlaubsrückkehrer Haris Seferovic laufend empfehlen. „Sie holen nach, was die anderen schon im Stubaital gemacht haben“, erklärte Veh. Intensive Sprints, insgesamt achtzehn an der Zahl – der Tscheche und der Schweizer haben Nachholbedarf und dürften auch im zweiten Trainingslager in Österreich besonders gefordert werden.

          Ursprünglich war geplant, dass auch einer der wichtigen Frankfurter Fußballprofis beim letzten Übungscamp vor dem Saisonstart Mitte August dabei sein würde. Doch Veh hat entschieden, dass Alexander Meier in Frankfurt bleibt, „um hier die Reha zu machen“. Der 54 Jahre alte Fußballlehrer geht von rund sechs Wochen aus, die der Bundesliga-Torschützenkönig benötigt, um wieder fit zu werden. Dass Meier in Frankfurt bleiben soll, hat zudem den Vorteil, „dass er bei Bedarf nach Basel fahren kann“. In der dortigen Rennbahnklinik arbeiten Meiers Ärzte des Vertrauens und können von dem Torjäger persönlich konsultiert werden.

          Veh legt Wert auf vertrauensbildende Maßnahmen. Zambrano muss in den kommenden Wochen und Monaten den Nachweis erbringen, dass er den einen Tag Sonderurlaub wirklich verdient hat.

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