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Eintracht Frankfurt : Bruchhagen erhöht den Druck auf die Spieler

  • -Aktualisiert am

Hat sich mit seiner Kritik am bisherigen Trainer Funkel den Unmut des Vorstandschefs zugezogen: Torwart Pröll Bild: Wonge Bergmann

Das gute Ende für die Frankfurter Eintracht im letzten Test im zweiten Trainingslager, das Duell Pröll gegen Nikolov, die zu labile Abwehr, die Erwartung an Leistungsträger - eine Zwischenbilanz.

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          Die Anspannung bei der Frankfurter Eintracht hat sich gelöst. Neunzig Minuten gegen einen bestenfalls drittklassigen Gegner aus der ersten österreichischen Liga haben ausgereicht, um optimistischer in die Zukunft zu schauen. Das Trainingslager in Kärnten ging mit einem 5:0 gegen Austria Kärnten zu Ende, Trainer Michael Skibbe wurde in seiner Auffassung bestätigt, dass sich seine Mannschaft auf einem besseren Weg befinde, als es einige Resultate zuvor hatten befürchten lassen. Jeweils 0:3 hatte die Eintracht gegen NK Osijek und FCU Timisoara verloren, weshalb erste Zweifel aufgekommen waren, ob die Spieler den Anforderungen ihres neuen Trainers überhaupt genügen. Jetzt sagt Skibbe, er sei optimistisch, „dass wir in zwei, drei Wochen in der Lage sein werden, guten Fußball zu spielen“.

          In knapp zwei Wochen muss die Eintracht zum Pokalderby beim Nachbarn in Offenbach antreten. Auch dessen Trainer Hans-Jürgen Boysen hat bei seiner Beobachtungsreise nach Österreich die zwei Gesichter des baldigen Gegners gesehen. „Wir werden uns warm anziehen“, sagte Boysen nach dem Frankfurter Erfolg gegen Austria Kärnten. Zum ersten Mal zeigte die Eintracht dabei Ansätze des von Skibbe erwarteten schnellen Spiels nach vorne. Die Schwäche des Gegners und die unterschiedliche Motivationslage trugen allerdings ihren Teil zum krassen Leistungsunterschied bei. Skibbes Profis hatten offensichtlich genug davon, dauernd zu verlieren. Dementsprechend druckvoll spielten sie. Der Trainer bot dabei jene Mannschaft auf, die auch in Offenbach erste Wahl sein könnte. Allein der noch verletzte Brasilianer Chris, der nach der Pause eingewechselte Ioannis Amanatidis und der ins Training zurückgekehrte Martin Fenin können noch dazukommen.

          Skibbe: Schwegler ist ein schlauer Spieler

          Mittelfeldspieler Alexander Meier fühlte sich bei der Ergebniswende als etwas zurückhängende Sturmspitze neben Nikos Liberopoulos besonders wohl. Er erzielte drei Tore, Selim Teber und Ioannis Amanatidis die weiteren. Die beiden Neuzugänge Teber und Pirmin Schwegler ergänzten sich im Mittelfeld auffällig gut. Der 22 Jahre alte Schweizer Schwegler bestätigte jedenfalls früh die wohlwollenden Einschätzungen seines Trainers. „Er ist ein schlauer Spieler“, lobte Skibbe. Auch Benjamin Köhler spielte auf der linken Seite stark, und Caio fiel nur ein wenig ab, hatte aber auch einige gute Szenen.

          Trotz Neuzugang „Iron Maik” Franz aus Karlsruhe lässt die Stabilität der Frankfurter Hintermannschaft noch zu wünschen übrig

          So war also vieles gut bei der Eintracht - aber längst noch nicht alles. Skibbe bemängelte zunächst die geringe Torausbeute angesichts der Überlegenheit. Doch auch ihm wird aufgefallen sein, dass das Abwehrzentrum mit Maik Franz und Marco Russ immer noch nicht sicher wirkte. Beiden Spielern misslingt die kluge Spieleröffnung mit exakten Pässen zu häufig. Mit dem möglichen Rückkehrer Chris und überraschend auch mit Aleksandar Vasoski sitzen Russ und Franz neue Konkurrenten im Nacken. Vasoski, der sich nach einem halben Jahr Verletzungspause herangekämpft hat, könnte sogar der große Gewinner des Trainingslagers sein. Der Trainer bezeichnet ihn als „gute Alternative“. Davon ist Kollege Habib Bellaid noch weit entfernt. Wie bei Mehdi Mahdavikia, Nikola Petkovic, Faton Toski und Marcel Heller wäre die Eintracht sicher froh, ein anderer Verein würde Interesse an Bellaid zeigen.

          Bruchhagen erneuert Kritik an Pröll

          Und dann ist da ja noch der Zweikampf der Torhüter Oka Nikolov und Markus Pröll. Die Vorzeichen haben sich seit Trainingsstart verändert. Der 35 Jahre alte Nikolov scheint die Nase vorn zu haben, auch wenn der Trainer sich öffentlich noch nicht festlegen will. Seit Markus Pröll wegen seiner Kritik am ehemaligen Trainer Friedhelm Funkel einen öffentlichen Rüffel vom Vorstandsvorsitzenden einstecken musste, wirkt er in Training und Spiel ein wenig fahrig. Heribert Bruchhagen, der am Montag nach einem Urlaub in Tirol zur Mannschaft stieß, erneuerte inzwischen seine Kritik an Pröll. Er habe sich „sehr geärgert“ über die Aussage des Torwarts, Funkel habe ihm kein Vertrauen mehr entgegengebracht. „Das war inhaltlich falsch und unzulässig.“ In einem persönlichen Gespräch will der Eintracht-Chef dies Pröll auch noch mitteilen.

          Bruchhagen versucht, den Druck auf die Spieler zu erhöhen. Die Leistungen in den ersten Testspielen und die Kritik, die Eintracht sei womöglich nicht konkurrenzfähig, haben ihn aufgeschreckt. So gab es auch deutliche Worte an Patrick Ochs und Marco Russ. „Wir haben die Verträge mit diesen Spielern vorzeitig zu besseren Konditionen verlängert, weil wir uns verbessern wollen und weil wir überzeugt sind, dies mit diesen Spielern zu tun“, sagte Bruchhagen. Wenn er nun Stagnation spüre, werde er das aus Sorge um die sportliche Entwicklung auch ansprechen. „Ob das den Spielern gefällt oder nicht, ist mir egal.“ Eine „Trotzreaktion“ sei erwünscht. Der ganzen Mannschaft ist dies am Ende des Trainingslagers immerhin gelungen.

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