https://www.faz.net/-gzn-6lkmm

Eintracht Frankfurt : Auf der Suche nach einer stabilen Defensive

Der einzig verbliebene Innenverteidiger im Team: Aleksandar Vasoski Bild: AP

An Respekt vor dem nächsten Gegner, dem 1. FC Köln, mangelt es der Eintracht Frankfurt nicht. Skibbes Aufgabe, eine schlagkräftige und konkurrenzfähige Formation aufzubieten, ist bei dem Spiel am Samstag so schwierig wie nie in dieser Saison.

          3 Min.

          An Respekt vor dem nächsten Gegner mangelt es nicht. Der 1. FC Köln, sagt Michael Skibbe, sei „deutlich stärker, als es der Tabellenplatz vermuten lässt“. Die netten Worte hören sie bei den Rheinländern bestimmt gerne. Doch die Wirklichkeit sieht kurz vor dem Ende der Hinrunde für sie weniger schön aus: Das Gründungsmitglied der Bundesliga befindet sich in akuter Gefahr und liegt auf dem vorletzten Platz.

          Die Kölner stehen demzufolge, so der Eintracht-Trainer, „mächtig unter Druck“, gegen die Frankfurter unbedingt zu einem Sieg kommen zu müssen, was er trotz seines dezimierten Kaders freilich zu verhindern gedenke, „indem wir eine Menge in die Waagschale werfen, um uns unserer Haut zu erwehren“. Skibbes Aufgabe, an diesem Samstag (15.30 Uhr) eine schlagkräftige und konkurrenzfähige Formation aufzubieten, ist so schwierig wie nie in dieser Saison. Ihm fehlen mit Chris und Maik Franz zwei Abwehrspieler, zudem Stammtorwart Oka Nikolov; außerdem geht Innenverteidiger Marco Russ wegen eines Meniskuseinrisses angeschlagen in die Partie – wenn überhaupt.

          Tag der Arbeit für die Frankfurter Hintermannschaft

          Über seine Aufstellung will der Coach erst kurz vor dem Anpfiff entscheiden. Skibbe stellte sich daher berechtigterweise in den vergangenen Tagen beim Training im Frankfurter Schnee immer wieder die eine Frage: „Wie bekommen wir die Defensive stabil?“ Obwohl die Kölner mit erst siebzehn erzielten und dreißig hingenommenen Treffern eine miserable Tordifferenz aufweisen, schätzt Skibbe sie nach Rücksprache mit Scout Ralf Weber, der den FC dreimal beobachte, als „richtig gute Truppe“ ein. Lukas Podolski sei momentan „sehr stark in Form“, er werde von dem „schnellen, gefährlichen und kantigen“ Sebastian Freis sowie vom „cleveren“ Milivoje Novakovic bestens unterstützt.

          Alles in allem, hörte sich seine Prognose so an, als ob auf die Frankfurter Hintermannschaft in Köln ein Tag der Arbeit wartet. Was, wenn es tatsächlich so weit kommen würde, ganz im Sinne von Aleksandar Vasoski wäre, dem einzigen verbliebenen Innenverteidiger im Team. Der Mazedonier ist erst seit vier Wochen wieder bedenkenlos einsetzbar – und selten war er so wertvoll für die Eintracht wie in diesen beschwerlichen Dezember-Tagen. „Ich genieße das“, sagte er in der vergangenen Woche, als der Schnee beim Training seine Sportkleidung durchnässt hatte und er trotz des eiskalt pfeifenden Windes im Stadtwald mit einem Lächeln im Gesicht vom Rasen schritt.

          „Das war die schwerste Zeit in meinem Leben“

          Hinter Vasoski liegt eine immens lange Leidenszeit: Sie fing Mitte 2007 an, als er sich einen komplizierten Nasenbeinbruch zuzog, es folgte ein Sehnenabriss in der Hüfte. Im Sommer darauf bildeten sich in seiner Lunge Zysten, die zwei Notoperationen nötig machten. An Fußball war lange nicht zu denken. „Das war die schwerste Zeit in meinem Leben“, erzählt er beim Blick zurück. Im Frühjahr 2009 folgte die nächste schlechte Nachricht: Knorpelschaden. Die Verletzung, die damals bei der Eintracht allgegenwärtig war, plagten sich doch auch Ioannis Amanatidis, Christoph Spycher und Christoph Preuß mit lädierten Knien herum. Auch das ist inzwischen ausgestanden, und umso mehr genießt Vasoski aktuell, dass er ausnahmsweise schmerzfrei seinem Beruf nachgehen kann.

          Vor der Abreise nach Köln lobte Skibbe den beharrlichen Kämpfertypen für sein Durchhaltevermögen: „Vasoski zeichnet eine besondere mentale Stärke aus, wenn es darauf ankommt. Dass er sich auf den Punkt genau konzentrieren kann, ist sein großes Plus.“ Er habe „vollstes Vertrauen“, dass es dem Einunddreißigjährigen gelingen wird, am 16. Spieltag – vermutlich mit der Hilfe von Russ – die Viererkette zu organisieren. Der Abwehrmann, der wegen seiner buchdicken Krankenakte seit 2005 nur 91 Spiele für Frankfurt absolvierte und noch mit einem Vertrag bis zum kommenden Juni ausgestattet ist, verspürt nach den vielen persönlichen Rückschlägen „Kraft für die Zukunft“. Eine Minute Spielzeit gegen Wolfsburg, eine Halbzeit in Bremen, jeweils neunzig Minuten in München und gegen Mainz: „Es wird immer besser“, berichteter er, „ich fühle mich sicher.“ Ihm ist momentan kein Sprint zu lang, kein Zweikampf zu schwer. Es überwiegt schlicht die Freude, endlich wieder mitmischen zu können; seine Auftritte sind dabei unauffällig bis unspektakulär, was für einen Verteidiger ja nicht das schlechteste Gütezeichen ist.

          „Es gibt Stürmer-Typen, die liegen einem“

          Dass seine robuste Gangart eher hart, aber herzlich ist, macht ihn bei der Frankfurter Konkurrenz so gefürchtet bis unbeliebt. Gerade auch in Köln. Der junge Podolski, als er kurz vor seinem Wechsel zum FC Bayern stand, beschwerte sich einmal mächtig über die rüden Umgangsformen seines Bewachers. Der Nationalstürmer sah im Vergleich mit dem wenig zimperlichen Abräumer bis heute meist schlecht aus. „Im direkten Duell hat er nie ein Tor gegen mich geschossen“, sagt Vasoski. Beim 6:3-Sieg der Eintracht am 22. Oktober 2005 traf Podolski per Elfmeter.

          Eine schlüssige Erklärung dafür hat er nicht. Er sagt bloß: „Es gibt Stürmer-Typen, die liegen einem.“ Und überhaupt: „Poldi ist ein Superspieler“, lobt Vasoski vor dem nächsten Treffen, „ich freue mich, ihn wiederzusehen.“ Dieses Gefühl hat er wahrscheinlich exklusiv. Vasoski erfuhr von Skibbe im Strategiegespräch, dass Podolski wohl nicht in vorderster Front aufläuft, eher links im Mittelfeld agiert und von dort aus mit Freis den vordersten Angreifer Novakovic unterstützt. „Wir müssen von Anfang an hundertprozentig bei der Sache sein“, verlangt der Trainer angesichts der Kölner Offensivqualität. Vasoski musste er das garantiert nicht zweimal sagen. Marc Heinrich

          Weitere Themen

          Kamelhaare und Dreckskerle

          Gottesdienstbesuch : Kamelhaare und Dreckskerle

          Ein Junge klatscht unvermittelt in die Hände, gähnt laut, schließlich dotzt er die Stirn auf die Holzbank. Derweil erzählt der Pfarrer von Johannes dem Täufer als „Wegbereiter des Kommenden“. Gottesdienstbesuch in Eltville.

          Chef der Wiesbadener Awo tritt zurück

          Finanz-Affäre : Chef der Wiesbadener Awo tritt zurück

          Überhöhte Gehälter und Luxuswagen: Die Vorwürfe gegen die Frankfurter Awo wiegen schwer. Aber auch beim Wiesbadener Kreisverband rumort es. Nun hat Vorstandsvorsitzende seinen Rücktritt verkündet.

          Topmeldungen

          Ehemaliger Hassprediger : Sven Laus Verwandlung

          Der frühere Salafist gibt sich geläutert. Die Haft habe ihn mehr als nur gebrochen. Bald will er sich sogar in der Prävention engagieren. Die Leute hätten ihm ja schon einmal zugehört.
          Liverpool-Trainer Jürgen Klopp und ein Dolmetscher während der Pressekonferenz in Salzburg am Montagabend

          Pressekonferenz in Salzburg : Klopps Breitseite gegen Dolmetscher

          Vor dem Spiel gegen RB Salzburg spielt sich Jürgen Klopp kurz als Dolmetscher auf - und korrigiert die ins Deutsche übersetzte Aussage seines Kapitäns Henderson. Und blafft: „Also schon zuhören, sonst kann ich das auch übersetzen.“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.