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Eintracht Frankfurt : Auf dem Weg zum „22 plus 3“

Kraftakt: Die Eintracht-Profis gehen am ersten Trainingstag trotz Sommerwetters im Freien ihrer Arbeit nach. Bild: Wonge Bergmann

Die Eintracht-Profis starten mit dem wenig beliebten Laktattest in die Saisonvorbereitung. Der neue alte Trainer Armin Veh sucht noch Spieler für seinen Kader – mit besonderer Motivation.

          3 Min.

          Immer vorne weg. Leicht und locker schwingt Kevin Trapp die Arme durch und gibt seinen Mitstreitern Tempo und Richtung vor. Der Kapitän als Lokomotive. Für den vom Pariser Champions League-Klub St-Germain umworbenen Torwart ist es eine Selbstverständlichkeit, dass er bei der ersten offiziellen Trainingseinheit die Spitze der Läufergruppe bildet, die morgens von 9.30 Uhr an in der Kalbacher Leichtathletikhalle ihre Runden dreht.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Laktatmessung. Kaum einer der Eintracht-Profis schlägt sich vor Freude auf die Schenkel, weil der Start in eine neue Bundesligasaison traditionell mit dieser speziellen Art der sportmedizinischen Form- und Fitnessüberprüfung beginnt. „Ich bin froh, dass Armin Veh wieder Trainer ist“, sagt beispielsweise der offensive rechte Außenspieler Stefan Aigner. „Über die Laktatmessung aber bin ich nicht froh.“

          Trapp in glänzender Verfassung

          Was sein muss, muss sein. Der neue alte Coach der Frankfurter Eintracht schwört darauf, um über den Laktatwert weitere Indizien über den Zustand seiner Spieler zu erhalten. Unstrittig schon vor der Auswertung der Daten ist: Torwart Trapp befindet sich in einer glänzenden Verfassung. Eine Einschätzung, die durchaus doppeldeutig zu verstehen ist, denn im Millionengeschäft Fußball kann der am kommenden Mittwoch 25 Jahre alt werdende Trapp finanziell einen Quantensprung vollziehen. Vorausgesetzt, Paris St-Germain sichert sich tatsächlich die Dienste des starken deutschen Keepers.

          Im Gegenzug würde auch die Eintracht durch eine Ablöse im mutmaßlich zweistelligen Millionenbereich profitieren. Während Trapp nur grundsätzlich sagt, „dass noch keine Entscheidung gefallen ist und ich noch nichts zu verkünden habe“, hat Eintracht-Trainer Veh ein großes Interesse an einer schnellen Klärung. „Innerhalb der nächsten Tage muss eine klare Entscheidung getroffen werden.“ Die Frage, ob es denkbar wäre, dass Trapp an diesem Samstag mit in das einwöchige Trainingslager nach Neustift im österreichischen Stubaital mitfährt, kann oder will Veh nicht beantworten. Vermutlich, weil auch er noch nicht konkret weiß, was aus seinem Kapitän wird.

          Doppelschicht: Auch drinnen trainieren die Profis um Kevin Trapp
          Doppelschicht: Auch drinnen trainieren die Profis um Kevin Trapp : Bild: Wonge Bergmann

          Veh ist sich der Zwickmühle bewusst, in der sich Trapp befindet. „Als wir Kevin damals aus Kaiserslautern nach Frankfurt geholt haben, waren wir absolut überzeugt von ihm“, sagt Veh in Kalbach. „Seitdem ist er noch besser geworden. Wir alle sind total zufrieden mit ihm. Doch jetzt kommt plötzlich ein europäischer Topklub. Da muss er eine Abwägung treffen. Wir haben Pläne im Kopf, falls Kevin gehen sollte.“

          Heißt: Veh und seine Mitstreiter um Assistent Reiner Geyer, Torwarttrainer Manfred „Moppes“ Petz und Sportdirektor Bruno Hübner wären für den Fall der Fälle vorbereitet. Die jüngsten Personalbewegungen in Dortmund und Stuttgart hätte der Eintracht-Coach gelassen zur Kenntnis genommen. „Da war keiner für uns dabei, der uns interessiert hätte.“

          Holländer Castaignos nun im Team

          Sehr wohl interessiert ist der 54 Jahre alte Eintracht-Trainer daran, seine Mannschaft weiter zu verstärken. Zuwachs braucht er in den Innenverteidigung, in der sich Manndecker Alexander Madlung auf ein weiteres Dienstjahr freuen darf. „Ich weiß, was ich an ihm habe“, sagt Veh, der gleichfalls davon ausgeht, dass der Peruaner Carlos Zambrano nach dem Ende seines jetzt angetretenen dreiwöchigen Urlaubs zu seiner Mannschaft gehört. Zudem ist der Frankfurter Fußballlehrer froh, dass der stürmische Holländer Luc Castaignos den Sprung über die Landesgrenze gewagt hat.

          „Ich habe mir ganz viele Spiele von ihm angeschaut“, sagt Veh. „Dass ist einer, den man sofort holen muss, wenn man ihn kriegen kann. Ich bin überzeugt, dass er uns weiterhilft. Bruno hat da einen guten Job gemacht. Ich habe es nicht gedacht.“ Für den 22 Jahre alten Castaignos ist derweil „ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich darf in der besten Liga Europas spielen – bei Eintracht Frankfurt, einem großen Klub.“

          Schon lange, sagt der von Twente Enschede zur Eintracht gekommene Niederländer nach der Nachmittagseinheit auf dem Platz an der Wintersporthalle, habe er in Gesprächen mit Hübner gestanden. Die Eintracht wollte ihn – und er selbst auch. Ebenso wie Heinz Lindner. Der Torwart von der Wiener Austria verspürt „eine riesengroße Freude, hier zu sein“. Zwei Wochen Urlaub nur gönnte er sich, dann fühlte er sich frisch für die neue Herausforderung. „Ich habe Lust auf Frankfurt.“

          „Ich brauche welche, die alles geben“

          Das hat der Trainer auch. Grundsätzlich hat Veh sogar weitaus bessere Startmöglichkeiten als bei seinem ersten Engagement vor vier Jahren. „Wir sind zwar noch nicht so weit.“ So stehen ihm aktuell 16 Spieler zur Verfügung. Der Trainer hält einen Kader von „22 plus 3“ für optimal. „Ich glaube aber, dass es klappt.“ Zupass kommt ihm dabei auch das erhöhte Lizenzspielerbudget, dass sich nach anfänglich 30 Millionen Euro nun auf rund 38 Millionen Euro belaufen soll. Zuwachs wünscht sich Veh noch für „die linke Seite. Da brauche ich vorne noch was.“ Egal, wer wann noch zur Eintracht stößt: „Ich brauche welche, die richtig heiß sind“, sagt Veh. „Welche, die alles geben.“

          Zu denjenigen, die alles für die Eintracht geben, gehört nicht erst seit dem Start am 1. Juli Alexander Schur. Das langjährige Eintracht-Urgestein, einer der Aufstiegshelden beim unvergessenen 6:3 gegen Reutlingen und mittlerweile 43 Jahre alt, ist ab sofort Mitglied in Vehs Trainerstab. „Er ist zwei Tage in der Woche fest bei uns“, sagt der Chefcoach. „Ich möchte die Verbindung. Es macht Sinn für ihn“, so Veh. „Alex wird in beiden Trainingslagern dabei sein.“

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