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Eintracht Frankfurt : Auf Kurs

Der Durchbruch: Eintracht-Stürmer André Silva gelingt gegen Dortmund sein erstes Bundesligator. Bild: AFP

10,89 Kilometer gelaufen, fünfzig Prozent der Zweikämpfe gewonnen, erstes Bundesligator geschossen: Silva kommt bei der Eintracht ins Rollen. Auch wenn er allein nicht alle Lücken auf dem Feld füllen kann.

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          Als sich André Silva erstmals vor zweieinhalb Wochen den Fragen der Reporter stellte, hatte er die Dinge noch selbst in die Hand genommen. Der Dolmetscher an seiner Seite war nahezu beschäftigungslos, denn der Portugiese zog es vor, auf Englisch Auskunft zu geben. Bei seinem zweiten Tête-à-Tête mit Berichterstattern war mehr Vertrauen und Gelassenheit im Spiel. Nach dem 2:2 der Eintracht gegen Borussia Dortmund war diesmal der Dolmetscher mittendrin und als Simultanübersetzer gefragt. Silva war deutlich entspannter und lockerer – was nicht verwunderte: Der vom AC Mailand für zwei Jahre nach Frankfurt ausgeliehene Fußballprofi hatte gegen den BVB sein erstes Bundesligator erzielt. Dies zu einem für die Eintracht äußerst wichtigen und günstigen Zeitpunkt, in der 44. Minute, kurz vor der Halbzeitpause, zum 1:1. Silva sagte später in den Katakomben der Frankfurter Arena, dass er sehnsüchtig auf diesen Moment hingearbeitet habe. „Endlich war es soweit mit dem ersten Tor. Das Unentschieden ist ein gutes und verdientes Ergebnis“, sagte der 23 Jahre alte Angreifer.

          Ein Stürmer mit Finesse, Wucht und Potential. Schon bevor Silva erstmals für die Eintracht am Ball gewesen ist, war die Erwartungshaltung hoch. Silva selbst scheute sich nicht, den zuvor angestellten Vergleich mit seinem Landsmann Cristiano Ronaldo zu bemühen, wonach der Kapitän, Rekordspieler und Rekordtorschütze der portugiesischen Nationalmannschaft just Silva als seinen designierten Nachfolger auserkoren hat. Eine hohe Bürde, Silva weiß das. Und deshalb war er nach dem Kraftakt gegen die Borussia zufrieden, Mitspieler, Trainer und Publikum von seinen stürmischen Qualitäten überzeugt zu haben. „Für mich war es ein tolles Gefühl, dieses Publikum zu erleben“, sagte Silva mit ruhiger Stimme. „Für diese Unterstützung möchte ich mich bedanken, denn die Fans haben den Punktgewinn ermöglicht.“

          Mehr noch: Mit ihrem ohrenbetäubenden Lärm haben sie Silva sogar aus dessen Jubel-Konzept gebracht. „Normalerweise nämlich nehme ich den Ball nach meinen Toren immer und renne direkt zur Mittellinie“, sagte Silva. „Aber heute war ich so aufgeregt, auch wegen der tollen Fans hier, dass ich ihn vergessen habe.“ Dafür vergaß sein Trainer nicht, sich lobend über Silvas Auftritt gegen den selbsterklärten, aber gegen Ende des Spiels aus dem Rhythmus gekommenen Meisterschaftsfavoriten Dortmund zu äußern. „André hat sich das Tor verdient, weil er viel gearbeitet und die Abwehr des Gegners über neunzig Minuten beschäftigt hat“, sagte Adi Hütter über die Aktion kurz vor der Pause, als Silva kompromisslos den von Djibril Sow geschlagenen Flankenball an die Innenseite des rechten Pfostens schoss. Hütter war sicher: „ Es war nur eine Frage der Zeit, wann der Knopf bei ihm aufgeht.“

          Spürbares „Vertrauen der Mannschaft und des Trainers“

          Fünf Spiele, sieben Punkte, Tabellenplatz neun: Die Eintracht, bei denen kürzlich Mijat Gacinovic und Jonathan de Guzman ins Training zurückkehrten, ist in der Mitte der Liga angekommen. Hütter ist nicht unzufrieden mit der bisherigen Ausbeute, wohlwissend, „dass wir in Leipzig unglücklich verloren haben“, wie er nochmals betonte. Das 2:2 und den damit verbundenen Punktgewinn gegen den BVB habe sich seine Mannschaft redlich verdient. Zufrieden zeigte sich der Coach aber nicht nur über den immer besser in Schwung kommenden Silva. Auch mit der Entwicklung seines einstigen Berner Mittelfeldspielers Sow ist Hütter mehr als einverstanden. „Er musste zuletzt zurecht Kritik einstecken“, sagte Hütter. Er warb nochmals um Verständnis für den holprig verlaufenen Start von Sow. „Er war lange verletzt und kann noch gar nicht den nötigen Rhythmus haben. Aber er hat eine Reaktion gezeigt und hat das gut gemacht.“

          So wie auch Silva, „der den Gegner beschäftigt und die Bälle gut festgemacht hat“, wie Hütter sagte. „Er ist viel gelaufen und hat viel gearbeitet.“ In Zahlen ausgedrückt: 10,89 gelaufene Kilometer, vier Torschüsse, 50 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 58 Ballkontakte. Der Portugiese kommt langsam ins Rollen. Doch Silva alleine kann (noch) nicht die Lücke stopfen, die der Weggang der drei torgefährlichen Angreifer Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastian Haller gerissen hat.

          Zur Erinnerung: Das Trio hat in der vergangenen Bundesligasaison 41 Tore erzielt; in der Europa League kamen 16 weitere Treffer hinzu. Nicht zu vergessen die weiteren herausragenden Qualitäten des Franzosen Haller als Anspielstation, Ballverteiler und Vorlagengeber. Stürmer vom Schlage dieses Trios hat Hütter nicht. Immerhin: Silva sieht sich in neuer, fremder Umgebung durchaus auf Kurs. Befriedigt über das Remis gegen den Titelanwärter und sein erstes Bundesligator, sagte der Portugiese: „Ich habe das Vertrauen der Mannschaft und des Trainers gespürt.“ Unabdingbare Voraussetzung für ein angenehmes, erfolgversprechendes Betriebsklima.

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