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Eintracht Frankfurt : Amanatidis in der Pole Position

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Hat er auch künftig das Sagen bei der Eintracht Frankfurt? Kapitän Ioannis Amanatidis. Bild: Wonge Bergmann

Wird der alte Eintracht-Kapitän Ioannis Amanatidis auch der neue? Auch der Schweizer Spycher und der Brasilianer Chris sind Kandidaten. Trainer Michael Skibbe bezeichnet das Trio als "Leader" und "Führungsspieler".

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          Der neue Spielführer der Frankfurter Eintracht wird ein Profi ohne deutschen Pass sein. Dies steht schon mal fest. Trainer Michael Skibbe hat unter der Woche den Griechen Ioannis Amanatidis, den Schweizer Christoph Spycher und den Brasilianer Chris Hening als „Leader“, als „Führungsspieler“, bezeichnet, aus deren Kreis er den Kapitän vor dem Pokalspiel am nächsten Samstag in Offenbach bestimmen wird. In der Internationalität des modernen Fußballs ist dies ganz allgemein ebenso wenig eine Überraschung wie speziell bei der Frankfurter Eintracht. Auch beim hessischen Traditionsklub haben mit dem Österreicher Bruno Pezzey, dem Ghanaer Anthony Yeboah und natürlich Amanatidis schon ausländische Spieler in der Reihe so legendärer Spielführer wie Alfred Pfaff, Jürgen Grabowski oder Karl-Heinz Körbel gestanden.

          Überraschend ist alleine, dass über die Frage nach dem Spielführer überhaupt eine Diskussion entbrannt ist. Der 27 Jahre alte Ioannis Amanatidis hat diese Aufgabe vor zwei Jahren übernommen und sie zur Zufriedenheit aller ausgeführt. Besonders beim Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen genießt Amanatidis eine hohe Wertschätzung. Doch der neue Trainer wollte gleich zu Beginn seiner Amtszeit ein Zeichen setzen und hat die Kapitänsfrage für offen erklärt. „Ich will die Kandidaten kennenlernen und werde dann entscheiden“, hat Michael Skibbe gesagt. Der Trainer will also in dieser Frage seine Richtlinienkompetenz ausüben. Nur den Mannschaftsrat werden die Spieler alleine wählen.

          Spycher hält sich öffentlich zurück

          Michael Skibbe ist in der Kennenlernphase indes nicht zu großartig anderen Erkenntnissen gekommen als sein Vorgänger Friedhelm Funkel. Die Kandidaten für das Kapitänsamt sind die gleichen geblieben und wurden um eine Person erweitert. In der Pole Position steht Ioannis Amanatidis. Der selbstbewusste Grieche hat seinen ganz persönlichen Anspruch unter der Woche noch einmal öffentlich untermauert. Er habe seinen Job in den vergangenen zwei Jahren „gut ausgeführt“, sagt Amanatidis, „ich wäre überrascht, wenn ich nicht Kapitän werden würde“. Amanatidis wäre wohl mehr als überrascht, womöglich sogar verärgert, denn zum Selbstverständnis des griechischen Nationalspielers gehört dieses Amt dazu.

          Christoph Spycher würde seine Ansprüche öffentlich so nie formulieren. Er sagt vorsichtig, er sei „bereit“, das Amt zu übernehmen. Christoph Spycher war in den letzten Jahren der Stellvertreter von Ioannis Amanatidis. Der 31 Jahre alte Schweizer gilt als der „intellektuelle“ Kopf des Teams. Was Spycher sagt, intern wie extern, hat Gewicht. Der Schweizer gibt jungen Spielern außerhalb des Platzes Hilfestellung, er ist aber auch einer jener Profis, die sehr schnell die vom Trainer gewünschte neue Spielart verinnerlicht hat. Spycher gibt laut Anweisungen, wenn der Gegner unter Druck gesetzt werden soll. Er ist damit sicher einer der Spieler, „die das System kapiert haben“, wie Michael Skibbe sagt.

          Alle hatten Verletzungsprobleme

          Als dritter Kandidat und damit als eine Art „Herausforderer“ wurde vom Trainer Chris ins Spiel gebracht. Der 30 Jahre alte Brasilianer spielt seit sechs Jahren für die Eintracht und ist, so Skibbe, „eine Granate, ein richtiges Juwel“. Der Trainer lobt die Einstellung des Brasilianers, der immer als großer Kämpfer vorangehe. „Chris geht keinem Zweikampf aus dem Weg“, sagt Skibbe, „er spielt auch mal weiter, wenn er wegen einer Platzwunde genäht werden muss“. Dies ist eine sportliche Wertung, die aber auch in die Wahl des Spielführers einfließen dürfte. Das Problem des Brasilianers mit deutschen Wurzeln ist allerdings, dass er nicht nur leichtere Verletzungen davonträgt, sondern auch immer wieder von schwereren Verletzungen daran gehindert wird, seinem Beruf nachzugehen. So hat er in seinen sechs Jahren bei der Eintracht nur 86 Bundesligaspiele absolviert, wurde unter anderem an der Bandscheibe und der Schulter operiert. Auch in diesen Tagen steht Chris wegen Rückenproblemen nicht zur Verfügung.

          Doch mit schweren Verletzungen steht er unter den Kanditen nicht alleine. Auch Amanatidis und Spycher waren in der vergangenen Saison wegen Operationen am Knie jeweils lange ausgefallen. Und so hatte der ehemalige Trainer Friedhelm Funkel die Kapitänsfrage als „nicht ganz so wichtig“ bezeichnet. Zwischenzeitlich hatten Oka Nikolov und Markus Pröll, je nachdem, wer gerade im Tor gestanden hatte, die Kapitänsbinde getragen. Sie sind beide ebenso wie die Neuzugänge Maik Franz und Selim Teber Kandidaten für den Mannschaftsrat.

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