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Eintracht-Profi Touré : In jeder Sekunde konzentriert

  • -Aktualisiert am

Liebgewonnen: Eintracht-Kapitän David Abraham umarmt Almamy Touré. Bild: Jan Huebner

Der Systemwechsel bringt bei Eintracht Frankfurt einige Gewinner zutage: Almamy Touré gehört dazu. Er hat gelernt, Aufmerksamkeitsdefizite zu beheben.

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          Was so ein Sieg für die Stimmung wert ist. Als die Profis der Frankfurter Eintracht am Dienstag kurz vor zwölf den Trainingsplatz betraten, taten es die meisten mit strahlenden Gesichtern. Über eine Stunde lang hatte ihnen zuvor Trainer Adi Hütter in seiner Videoanalyse vorgespielt, was sie beim 2:1-Sieg zum Rückrundenauftakt in Hoffenheim alles richtig (einiges) und was falsch (wenig) gemacht hatten. Als sie endlich auf dem grünen Rasen loslegen durften, verhielten sie sich wie eine Truppe von Jugendfußballern. Johlend und voller Lust und Laune rannten sie über ein eng gestecktes Quadrat, in dem sie, in vier Gruppen aufgeteilt, kombinierte Koordinations- und Sprintübungen vollführten. Die Gruppe, die zuletzt geschlossen ihr Ziel-Fähnchen erreichte, musste zur Strafe und unter dem Spott der anderen Liegestütze vormachen.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          „Ja, der Erfolg war sehr wichtig für die Stimmung“, bestätigte Almamy Touré gut anderthalb Stunden später. Der 23 Jahre alte Franzose hatte als einer der Gewinner des Systemwechsels zur Siegermannschaft in Sinsheim gehört. In den Zeiten der Dreierkette hatte es immer geheißen, Touré oder David Abraham. Und der argentinische Mannschaftskapitän erhielt fast immer den Vorzug als rechtes Glied der Verteidigungskette – außer er war gesperrt oder verletzt. Das war in der Vorrunde je einmal der Fall gewesen. Touré hatte jeweils die Zeit genutzt, seine großen Qualitäten zu zeigen. Doch sein Hang zur Unkonzentriertheit war ebenfalls sichtbar geworden. Stellungsfehler und zögerliches Eingreifen führten zu brenzligen Situationen und zu Gegentreffern, was Hütter nicht witzig fand. Und als sich solcher Art Laxheiten in einer Übungsstunde vor Weihnachten häuften, raunzte ihn der Österreicher dann auch heftig an.

          Immer weiter zurückversetzt

          Dass sich Touré in der Startformation zum Rückrundenbeginn wiederfand, kam für viele Beobachter überraschend. Doch durch den Wechsel zur Viererkette ist Platz für zwei rechte Verteidiger entstandenen. Und Hütter schenkte Touré das Vertrauen auf der rechten Außenposition – neben Abraham auf der rechten InnepPosition. Der im Leistungszentrum des AS Monaco ausgebildete Junioren-Nationalspieler rechtfertigte seinen Einsatz in Sinsheim voll und ganz. Zuverlässig hielt er seine Seite dicht und initiierte zudem einige vielversprechende Offensiv-Aktionen. „Mittelstürmer habe ich noch nie gespielt, aber ich kann auch Tore schießen“, sagte Touré mit einem Lachen, als er auf seine Offensivqualitäten angesprochen wurde.

          Zu Beginn seiner Ausbildungszeit in Monaco mit 14 spielte er noch im offensiven Mittelfeld, wurde dann von den Trainern immer weiter zurück versetzt. Bis er schließlich auf die Position des Innenverteidigers angelangt war. Aber als rechter Außenverteidiger kommt Touré genauso gut zurecht. Seine Schnelligkeit, seine Ballfertigkeit und sein gepflegtes Passspiel kann er dort noch etwas häufiger anwenden. Im Zentrum ist schwerpunktmäßig seine Zweikampfstärke mit Fuß und Kopf gefragt. Seine Fähigkeiten haben Touré in Monaco schnell aufsteigen lassen, schon mit 19 Jahren absolvierte er eine Partie in der Champions League, im Ligabetrieb eroberte er sich phasenweise einen Stammplatz. Doch auf Dauer vermochte sich der Spross einer Fußballerfamilie, sein Vater und einer seiner sieben Brüder waren Nationalspieler, nicht durchsetzen. Vor einem Jahr glaubten der AS Monaco und Touré übereinstimmend, dass nach acht gemeinsamen Jahren die Zeit für einen Wechsel gekommen sei.

          Nach zwölf Monaten am Main fühlt sich Touré als Frankfurter. „Ich bin ein Frankfurter“, der Satz fällt ihm leicht. „Ich bin sehr gut in der Mannschaft integriert, mir gefällt die Stadt, ich habe langsam Orientierung gefunden, und ich weiß jetzt, was von mir verlangt wird“, sagt der in Paris geborene Sohn malischer Eltern.

          Womit wir wieder bei der Konzentration wären. „Ich habe mit dem Trainer darüber gesprochen. Ich weiß, das ist ein Bereich, in dem ich mich verbessern muss. Ich muss im Spiel und auch im Training in jeder Sekunde konzentriert sein, die neue Spielsituation sofort erfassen.“ Er gelobt Besserung. Gegen Hoffenheim hatte er schon keine Aufmerksamkeitsdefizite. Das Trainingslager habe ihm und der Mannschaft insgesamt viel geholfen, die geforderte Kompaktheit wieder zu erlangen. „Wir wurden in Florida genau unter die Lupe genommen. Jedes Training wurde per Video analysiert, die Verschiebe-Bewegungen und die Laufwege kontrolliert. Das haben wir gut gegen Hoffenheim umgesetzt.“

          Tourés gute Vorstellung gegen die TSG hatte aber auch etwas mit seinem Kollegen Timothy Chandler zu tun. Der Franzose lobte die gute Kollaboration mit dem Deutsch-Amerikaner. „Wir ergänzten uns gut, wenn ich nach vorne ging, sicherte er mich ab und er unterstützte mich auch in der Defensive.“ Und wenn Chandler in der Offensive nach innen rückte, schuf er Raum für Touré, um an der Seitenlinie vorzustoßen. „Genau das hat mir der Trainer vorher gesagt.“

          Chandler und Touré machten in Sinsheim als Pärchen auf rechts ausgesprochen gute Werbung für sich. Rosige Zukunftsaussichten für ihn? Touré gibt sich zurückhaltend: „Vielleicht ist es durch die Viererkette ein bisschen leichter für mich, in die Mannschaft zu kommen. Aber es liegt am Ende nur an mir. Ich bin gefordert, Leistung zu zeigen.“

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