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Frankfurter Herausforderungen : Das strikte Prinzip von Adi Hütter

Managt das dichte Eintracht-Programm: Frankfurts Trainer Adi Hütter (Mitte) Bild: Reuters

Drei Spiele in sechs Tagen: Bei dieser Belastung genügen dem Eintracht-Trainer auch „dreckige Siege“ gegen Union, Salzburg und Werder. Dabei helfen soll ein klares Vorgehen.

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          Drei Spiele in sechs Tagen. Wie schon im vergangenen Herbst wartet auch jetzt wieder ein höchst belastendes Wochenprogramm auf die Frankfurter Eintracht. „Ich werde dreimal rotieren lassen“, sagte Trainer Adi Hütter knapp 30 Stunden vor dem Anpfiff des Bundesligaspiels gegen Union Berlin an diesem Montag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN). Frisches Personal wird auch am Donnerstag zum Einsatz kommen, wenn die Eintracht nach dem furiosen 4:1-Hinspielsieg im Sechzehntelfinale der Europa League gegen Salzburg den angestrebten Einzug ins Achtelfinale perfekt machen will. Und ein drittes Mal am Sonntag beim abstiegsgefährdeten SV Werder Bremen. Weil der Frankfurter Fußballlehrer weiß, „dass wir noch nicht so konstant gut sind, um jeden dritten Tag eine Leistung wie gegen Salzburg auf den Platz zu bringen“, würde sich Hütter auch über „dreckige“ Siege freuen.

          Bundesliga

          Von Union hat Hütter eine hohe Meinung. „Das ist ein toller Aufsteiger mit einem klaren Plan ihres Trainers Fischer“, lobte der Eintracht-Coach die kampfstarke Köpenicker Fußballgemeinschaft. „Diese Mannschaft ist nicht leicht zu bespielen.“ Trotzdem war es der Eintracht im vergangenen September gelungen, im stimmungsvollen Stadion An der Alten Försterei ihren einzigen Hinrunden-Auswärtssieg herauszuschießen. 2:1 hieß es damals, und neben der Freude, einen wichtigen Erfolg gelandet zu haben, gab es große Besorgnis. Kurz vor dem Spielende hatte sich der Frankfurter Nationaltorhüter Kevin Trapp so schwer verletzt, dass er wegen eines Anrisses der Rotatorenmanschette für den Rest des Jahres ausfiel.

          Längst ist Trapp wieder fit und der Eintracht ein gewohnt sicherer Rückhalt, und auch die Mannschaft hat nach dem Schlingerkurs zum Jahresende wieder Form und Format gefunden. Regelmäßig unterstützt von vielen Fans, die der Hütter-Elf treu zur Seite stehen. An diesem Montag jedoch, dem unbeliebtesten aller Bundesligaspieltage, geht der harte Kern der Fans auf Distanz. Der Block hinter dem Eintracht-Tor in der Nordwestkurve bleibt leer. Es ist ein weiterer Protest der Frankfurter Kurve gegen „fanunfreundliche Anstoßzeiten“, wie die Eintracht am Sonntag mitteilte. Trainer Hütter reagierte darauf mit Verständnis. „Wir respektieren und akzeptieren die Entscheidung, die ja auch vom kompletten Verein unterstützt wird.“

          Es wird also leiser als sonst in der Arena sein, die nach letztem Informationsstand auch nicht ausverkauft sein wird. Die Eintracht rechnet mit 46500 Besuchern. 2700 davon kommen aus Berlin und gehören zu den Sympathisanten der „Eisernen“ von Union. Am Abend unter Flutlicht werden sie eine auf einigen Positionen neu zusammengestellte Frankfurter Mannschaft zu sehen bekommen – nicht aber Bas Dost. Der stürmische Niederländer, mal mit Leistenschmerzen, mal mit Magendarmproblemen kämpfend, steht der Mannschaft ein weiteres Mal nicht zur Verfügung. Der im Sommer aus Lissabon nach Frankfurt gewechselte Angreifer hat immerhin schon fünf Tore erzielt – bei aktuell 14 Punktspieleinsätzen. Eine durchaus ansehnliche Quote. Im Schnitt trifft Dost, wenn er denn fit ist, in jedem dritten Spiel.

          Unglücksmoment: Im Hinspiel reißt der heranfliegende Trapp Mitspieler Hasebe zu Boden und verletzt sich dabei schwer.

          Die Quote von André Silva liest sich ähnlich. Der Portugiese, mit großen Hoffnungen und optimistischen Ankündigungen im Sommer zur Eintracht gestoßen, hat es in 13 Spielen auf vier Tore gebracht. Nachdem Silva gleich zu Beginn seiner Frankfurter Zeit gut ins Rollen gekommen war und dreimal hintereinander erfolgreich gewesen ist – so auch beim 2:1-Hinspielsieg bei Union Berlin –, brauchte er danach eine längere Anlaufzeit, um wieder nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen. Beim 5:0 gegen Augsburg durfte Silva endlich wieder jubeln. Und obwohl er vor wenigen Tagen beim 4:1-Sieg in der Europa League nicht zu den Torschützen gehörte, prasselte viel Lob auf ihn ein. Sein Trainer erneuerte es am Sonntag. „André bringt jetzt eine andere Körpersprache auf den Platz“, sagte Hütter. „Er arbeitet gut mit, macht Bälle fest, stört und lenkt das Spiel. Ich bin sehr zufrieden mit ihm.“

          Wenn Hütter mit Silvas Auftreten zufrieden ist, dann kann dies der 50-Jährige in höchstem Maße mit Makoto Hasebe sein. Der mit 36 Jahren älteste und erfahrenste Eintracht-Profi hat unlängst im Spiel gegen Salzburg gezeigt, welchen Wert er besitzt. Der Japaner, taktisch klug gegen die Österreicher als Bindeglied zwischen Abwehr und Mittelfeld aufgeboten, erlebt sportlich einen weiteren Frühling. „Makoto ist ein unglaublich wichtiger Spieler für uns“, sagte Hütter. „Er war überragend gegen Leipzig, und auch gegen Salzburg hat er ein tolles Spiel gemacht.“ Hütter weiter: „Hasebe ist ein Topprofi mit Klasse und Qualität.“

          Tugenden, die bei der Eintracht nicht nur an diesem Montag gegen Union, sondern auch am Donnerstag in Salzburg sowie am Sonntag in Bremen gefragt sind. Tugenden, die zuletzt auch der dreifache Torschütze Daichi Kamada verkörpert hat. „Nach seiner Verletzung, die er sich im Trainingslager in Florida zugezogen hatte, ist er jetzt auf einem anderen Level“, sagte Hütter über den Japaner, den es „in die Startelf drängt“. Bei drei Chancen binnen sechs Tagen sollte Kamada es schaffen.

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