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Eintracht Frankfurt : „Wir sind in einem gefährlichen Bereich“

  • -Aktualisiert am

Schmerzhafte Erfahrung: Eintracht-Torwart Kevin Trapp (rechts) prallt mit dem Leverkusener Charles Aranguiz zusammen. Bild: Jan Huebner

Trainer Adi Hütter warnt, im Halbfinale des DFB-Pokals geht es zu den Bayern und die Verhandlungen mit der Deutschen Bank werden öffentlich: Die Eintracht erlebt ein trübes Wochenende.

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          Die Frankfurter Eintracht hat eines ihrer turbulentesten Wochenenden seit langem erlebt, aber nicht eines ihrer besten. Das 0:4 in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen und die Pokal-Auslosung, das die Eintracht im Halbfinale ein Auswärtsspiel bei Bayern München bescherte, bildeten zwei Dämpfer, die weh taten. Die dringende Empfehlung von Gesundheitsminister Jens Spahn, wegen des Corona-Virus Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern abzusagen, sorgte für große Verunsicherung, ob die Heimspiele in der kommenden Woche in der Europa League gegen den FC Basel (Donnerstag) und gegen Borussia Mönchengladbach (Sonntag) wie geplant stattfinden können. Bisher hatte es vom Frankfurter Gesundheitsamt geheißen, dass Veranstaltungen unter freiem Himmel unbedenklich seien.

          Bundesliga
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Unruhe bei der Eintracht entstand auch durch einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, in dem berichtet wurde, dass die Deutsche Bank kurz vor einem Vertragsabschluss mit dem hessischen Traditionsklub stehe. Wie die Großbank nahm der Fußballverein zu dem Bericht keine Stellung, dementierte allerdings auch nicht: „Kein Kommentar“, hieß die übereinstimmende Reaktion. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dauern die Verhandlungen zwischen den beiden Partnern schon Monate an – seitdem klar ist, dass ein neues Eintracht-Fußball-Camp mit Geschäftsstelle im Stadion-Areal gebaut wird und dass die Nutzungs- und Vermarktungsrechte an der WM-Arena auf die Eintracht übergehen. So wird unter anderem das Namensrecht am Stadion jetzt durch die Eintracht vergeben. Der bisherige Namenssponsor (ununterbrochen seit dem Neubau 2005), die Commerzbank, hat der Eintracht ein Angebot unterbreitet, den im Sommer auslaufenden Vertrag zu verbesserten Konditionen zu verlängern.

          Es ist jedoch seit langem das Bestreben des Klubs, einen großen Partner zu finden, der sich über den Erwerb der Stadions-Namensrechte hinaus mit ihm verbindet. Die Deutsche Bank ist dazu bereit. Es ist die Rede davon, dass das Geldinstitut das Proficamp der Eintracht unterstützen will und weitere Fußballmannschaften, sowie Partner bei der Digitalisierung des Stadions wird. Über die Vertragsinhalte inklusive der Summen soll weitestgehend Übereinstimmung herrschen, eine Entscheidung durch den Bankenvorstand ist terminiert, aber noch nicht gefallen. Sie würde das finanzielle Fundament der Eintracht erheblich verbessern.

          Durch die vorzeitige Veröffentlichung der geplanten Vereinbarung ist jedoch das Risiko entstanden, dass der Abschluss doch nicht zustande kommt, weil öffentlich Stimmung gegen den viele Millionen Euro schweren Vertrag gemacht werden könnte. Einerseits wegen der finanziellen Lage der Bank, die vor kurzem Verluste für 2019 von 5,7 Milliarden Euro ausweisen musste. Andererseits könnten sich auch Teile der organisierten Fanszene der Eintracht gegen die Verbindung mit der Großbank aussprechen. Dieser Teil der Fans tritt bekanntermaßen gegen die fortschreitende Kommerzialisierung im Fußball ant und ficht derzeit einen Kampf gegen das deutsche Fußball-Establishment ausficht.

          In diesem Zusammenhang war es erfreulich, wie sich die organisierten Frankfurter Fans in ihrer Kurve im Leverkusener Stadion verhielten. Die Kritik am DFB hielt sich einigermaßen in Grenzen, persönliche Anfeindungen oder gar justitiable Angriffe blieben aus. Die Gefahr einer Spielunterbrechung, gar die eines Abbruchs bestand nicht.

          Die Vorstellung der Eintracht-Mannschaft auf dem Rasen gab deutlich mehr Anlass zur Kritik, „Ich bin sauer“, sagte Trainer Adi Hütter. „Wir haben unser Potential nicht annähernd abrufen können.“ Es war wieder einer dieser blutleeren Auswärts-Auftritte, die den Eintracht-Trainer und die Fans irritieren. Das hochbegabte Leverkusener Ensemble führte die Zweikämpfe verbissener als die Frankfurter Handwerker-Vereinigung. Havertz und Bellarabi zu Beginn der ersten Halbzeit und zweimal Paulinho zu Beginn der zweiten Halbzeit sorgten mit ihren Toren auf der Anzeigetafel für die klaren Verhältnisse, die bei fast jeder Aktion auf dem Spielfeld zugunsten der Werkself bestanden. Der ehemalige Frankfurter Torwart und Publikumsliebling Lukas Hradecky meinte ganz offen: „Wir haben hier eine viel stärkere Eintracht erwartet.“ Die 30 Jahre alte Nummer 1 der Leverkusener musste in den 90 Minuten nur zwei Mal beherzt eingreifen. In der zweiten Minte bei einem Schuss von Kamada und beim Stand von 3:0 bei einem Schuss aus ganz naher Distanz von Hinteregger. Ansonsten ließen ihn die alten Kollegen in Frieden.

          Zum Ärger von Trainer Hütter. „Das ist einfach zu wenig, da müssen wir gar nicht drüber diskutieren“, sagte der Österreicher. Nach drei Bundesliga-Niederlagen richtet sich sein Blick in der Tabelle nur noch nach unten: „Ich mache mir noch keine Sorgen, aber wir sind in einem gefährlichen Bereich.“ Wenigstens taten die Mainzer ihm und der Eintracht den Gefallen, am Sonntagabend nicht gegen die Düsseldorfer zu verlieren. So beträgt nach dem 1:1 der Vorsprung der Frankfurter vor den Fortunen auf Relegationsplatz 16 noch sechs Punkte. Ein kleines Trostpflaster auf einige Wunden.

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