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Eintracht-FCN : Trügerische Momentaufnahme

Frankfurter Glücksmoment: Caio netzt zum 1:0 ein Bild: dpa

Die Frankfurter Eintracht sieht sich beim 1:1 gegen Nürnberg als Opfer der Hitze und zeigt alte Schwächen. Ein „Riesenspektakel“ gab es gegen den „Club“ nur von den Frankfurter Fans.

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          Wer den Erfolg vor Augen hat, braucht sich um die passenden Sprechchöre des eigenen Anhangs überhaupt keine Gedanken zu machen. Für manche Fans der Eintracht stand am Samstag, kurz vor 16 Uhr, jedenfalls fest: „Deutscher Meister wird nur die SGE!“, sangen sie aus Tausenden Kehlen. Es klang zwar auch nach dem x-ten Hinhören wie eine schwärmerische Sommernachmittagsphantasie, doch wer wollte den lautstarken Sportsfreunden diesen Höhenrausch der Gefühle und die Einbildungen angesichts des Zwischenstands allzu übelnehmen. Ihre Frankfurter Fußballlieblinge, die in der vergangenen Runde nur mit Ach und Krach dem Abstieg entgangen waren und dabei Darbietungen ablieferten, die nur mit viel Leidensfähigkeit zu ertragen waren, führten zu jenem Zeitpunkt 1:0 gegen den 1. FC Nürnberg - und waren auf der am Videowürfel eingeblendeten Bundesliga-Tabelle Erster.

          Es war eine trügerische Momentaufnahme, wie sich kurz darauf herausstellte, als der „Club“ durch das Tor von Albert Bunjaku (65. Minute) den Führungstreffer der Hessen, erzielt von Caio (17.), egalisiert hatte. Spitzenreiter, Spitzenreiter - dieser Schlachtruf klang bei aller vorübergehenden Berechtigung gewöhnungsbedürftig; angemessen, das brachte der zweite Spieltag deutlich zutage, war er über den kurzen Augenblick hinaus nicht. Über das Unentschieden durfte sich die Eintracht zum Ende des schweißtreibenden Tagwerks, das verheißungsvoll begonnen hatte, nicht beklagen. Was auch niemand machte. Referee Michael Weiner erkannte ein mögliches 2:1 der spät, aber dann mit Macht drängenden Franken in der Schlussphase nicht an, weil Bunjaku knapp im Abseits gestanden hatte (79.). „Ein bisschen schade“ fand der neue Eintracht-Trainer Michael Skibbe den Ausgang seines Debüts vor eigenem Publikum, „das Ergebnis ist aber gerecht“. Fußball ist halt doch kein Wunschkonzert.

          Das Spektakulärste war lange die Begrüßung

          Als Skibbe Anfang Juni als kommender Coach vorgestellt wurde und er noch nicht genau wusste, was ihn in Frankfurt erwarten würde, sollte er sofort in einer seiner ersten offiziellen Äußerungen die Frage beantworten, wie er sich sein Debüt in der Frankfurter WM-Arena vorstellt: „Volles Haus, gute Stimmung und drei Punkte!“, antwortete der inzwischen Vierundvierzigjährige seinerzeit. Was genaugenommen nicht sonderlich spektakulär klang. Vermutlich hätte jeder andere an seiner Stelle, der geholt worden wäre, seine Wunschvorstellung ähnlich formuliert. Acht Wochen später lässt sich festhalten, dass die gute Fußball-Fee mit dem Mann kein Einsehen hatte und ihm sein Anliegen nur unter atmosphärischen Gesichtspunkten erfüllte.

          Nürnberger Glücksmoment: Mintal (link) und Diekmeier feiern das 1:1 durch Bunjaku (Mitte)
          Nürnberger Glücksmoment: Mintal (link) und Diekmeier feiern das 1:1 durch Bunjaku (Mitte) : Bild: dpa

          Das Spektakulärste an diesem Samstag war lange die Begrüßung, die sich die kreativsten Köpfe in der Frankfurter Anhängerschaft hatten einfallen lassen: Es war eine eindrucksvolle Choreographie in Schwarz, Weiß und Rot, mit Schaubildern, Fahnen und Schriftzügen, mit der Hunderte Freiwillige über die komplette Breite der Kurve an den Titelgewinn vor einem halben Jahrhundert erinnerten. „Das war ein Riesenspektakel“, fand Kapitän Christoph Spycher, „für diese sagenhafte Aktion hätten wir die Leute gerne mit einem Sieg belohnt.“

          „Es war einfach zu warm“

          Dass daraus nichts wurde, lag auch an den eigenen Nachlässigkeiten nach dem Seitenwechsel, die alle Eintracht-Beteiligten mit der Hitze begründeten. „Es war einfach zu warm, um andauernd schnell und gezielt nach vorne zu spielen“, sagte Verteidiger Patrick Ochs, der als Einziger seines Teams kräftemäßig nicht abbaute und bis zum Abpfiff als rechter Flügelflitzer um Angriffsschwung bemüht war. Was besonders seinen Bemühungen fehlte, waren der letzte Feinschliff beim Flanken und Kollegen rund um den Nürnberger Strafraum, die mit den breit gestreuten Hereingaben etwas anzufangen wusste. Gerade Sturmführer Ioannis Amanatidis, gegen Ende von Krämpfen geplagt, hätte wie bereits vor Wochenfrist in Bremen zum Matchwinner werden können: Vor dem 1:0 hatte er mit einer punktgenauen Vorlage Angriffspartner Alexander Meier bedient, der Caio den Ball gefühlvoll zur Vollendung auflegte.

          Nach dem Wechsel scheiterte der griechische Nationalspieler dann noch zweimal binnen sechzig Sekunden am glänzend parierenden „Club“-Schlussmann Raphael Schäfer (53. und 54.). Die mangelhafte Chancenverwertung rächte sich, denn der Gegner ging mit seinen Möglichkeiten wesentlich konsequenter um - und vermasselte der Eintracht ganz nebenbei den Sprung an die Tabellenspitze. Erstmals seit zehn Jahren hätten die Frankfurter zumindest vorübergehend ganz oben stehen können. „Schön wäre es gewesen“, meinte Ochs, „aber wir sind realistisch genug, dass wir uns nicht von Träumereien blenden lassen.“

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