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Polizeieinsatz im Stadion : Eintracht-Fan erhält Schmerzensgeld

Im Visier der Polizei: Eintracht-Fans beim Spiel gegen Donezk. Bild: dpa

Einem Eintracht-Fan wird Recht gegeben: Das Landgericht Frankfurt gewährt Schadenersatz und Schmerzensgeld, nachdem sich der Anhänger vor gut einem Jahr bei einem Polizeieinsatz im Stadion verletzt hatte.

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          Die Frankfurter Eintracht, die Ultras und die Polizei: Das Landgericht hat jetzt ein weiteres Kapitel in dieser spannungsreichen Geschichte geschrieben. Es begann vor dem Anpfiff der Euroleague-Partie gegen Schachtjor Donezk am 21. Februar 2019 im Waldstadion. Die Fans hatten einmal mehr eine aufwendige Choreografie für die Ränge vorbereitet, die Polizei aber hatte Hinweise, dazu sollten auch verbotene Bengalos gehören. Sie durchsuchte die Bastelräume der Anhänger und sogar die Toiletten im Stadion und fand nichts.

          Helmut Schwan
          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Die Aufregung unter den Ultras aber war groß. Sie brachen die Vorbereitung, die Tribüne zu schmücken ab und malten stattdessen auf die Schnelle ein riesiges Plakat. Das konnte man durchaus als Schmähung des hessischen Innenministers lesen, auch wenn Eingeweihte dies bis heute vehement bestreiten: „Beuth, der Ficker fickt zurück“. Der Einsatzleiter der Polizei sah darin eine Beleidigung ordnete die Konfiszierung an. Beamte zogen auf der einen Seite des Banners, Ultras auf der anderen, schließlich gewann die Polizei.

          Die Sache gelangte vor eine Zivilkammer des Landgerichts, weil sich ein schmerzhafter Zwischenfall ereignete, als eigentlich schon alles vorbei war: Wie in einem Video zu sehen ist, das damals im Netz für Furore sorgte, stießen zwei Polizisten einem der Fans, der die Beschlagnahme des Plakats hatte verhindern wollen und einem Polizisten ein Bein gestellt hatte, über eine Bande. Der Mann stürzte unglücklich, brach sich einen Lendenwirbel und verklagte das Land auf Schadensersatz und Schmerzensgeld.

          Nun bekam er 7000 Euro zugesprochen, außerdem muss das Land die Krankenkosten übernehmen. Indem sie den Mann stießen, obwohl keine Gefahr mehr von ihm ausgegangen sei, hätten die Beamten gegen ihre Amtspflicht verstoßen, heißt es sinngemäß im Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist und laut Kammer kein Präjudiz für ein mögliches strafrechtliches Verfahren sei.

          Wenn man so will, steht es jetzt juristisch 1:1. Denn die Polizei hatte im Streit mit der Eintracht, ob die Suche nach Bengalos rechtens war, obsiegt.

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