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David Abraham : Darum legt Frankfurt Einspruch gegen die Sperre ein

  • -Aktualisiert am

Der Ausraster von David Abraham hat ein Nachspiel, das sich zieht. Bild: dpa

David Abraham wird vor dem DFB-Sportgericht vorsprechen, denn er und die Eintracht haben Einspruch gegen seine Sperre eingelegt. Dabei soll aber nicht die Reduzierung der Strafe im Vordergrund stehen.

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          Das erste Bundesliga-Spiel der Eintracht im neuen Jahr am 18. Januar in Hoffenheim könnte auch der erste Arbeitseinsatz von David Abraham in der Liga nach seiner langen Rotsperre werden. Für sieben Wochen, bis Ende Dezember, hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den Frankfurter Kapitän gesperrt, er wird damit die letzten sechs Hinrundenspiele von außen verfolgen müssen. Mit seinem rüden Bodycheck gegen den Freiburger Trainer Christian Streich katapultierte sich der 33 Jahre alte Argentinier bei der 0:1-Niederlage ins Abseits.

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          Auf eklatante Weise wurde er mit dieser Tätlichkeit seiner Vorbildfunktion, der durch den Kapitänsposten ein besonderes Gewicht zukommt, nicht gerecht. Mit seiner nicht zu entschuldigenden Unbeherrschtheit noch dazu gegen den gegnerischen Trainer trat Abraham auf großer Bühne das Fairplay mit Füßen. In Zeiten, in denen im Fußball-Amateursport die Verrohung der Sitten gravierend zunimmt, geht vom drastischen Fehlverhalten eines erfahrenen Fußballprofis eine verheerende Signalwirkung aus. Abraham erwies mit seiner körperlichen Attacke gegen Streich Eintracht Frankfurt einen Bärendienst.

          Dennoch wird der Abwehrspieler, sofern er gesund ist und von Trainer Adi Hütter in die Startelf berufen wird, die Frankfurter in Hoffenheim wohl wieder als Kapitän anführen. Den Posten haben ihm die Verantwortlichen trotz des entstandenen Imageschadens garantiert. Nach außen erweckten sie den Eindruck, als hätte anderes auch nie zur Diskussion gestanden. Nachdem in den Medien erste Stimmen laut geworden waren, dass Abraham in der Kapitänsrolle nicht mehr tragbar sei, reagierte Hütter sofort. Mit Nachdruck stellte er sich vor seinen Führungsspieler: Abraham habe „einen Fehler gemacht, den er auch eingesehen hat“, sagte der Fußballlehrer. „Wir haben mit ihm gesprochen und ihm mitgeteilt, dass wir solche Aktionen nicht akzeptieren und auch nicht mehr sehen wollen.“ Aber Abraham sei und bleibe „weiterhin unser Kapitän“, hob Hütter hervor.

          Natürlich weiß die Frankfurter Führungsriege um die Vorbildfunktion des Kapitäns. Wie sie geschlossen die Auffassung vertritt, dass sich Abraham im Eifer des Gefechts hätte unter Kontrolle haben müssen. Mit groben Undiszipliniertheiten auf dem Platz war der Argentinier schon in der Vergangenheit das eine oder andere Mal aufgefallen. 2016, im Heimspiel gegen Hoffenheim, hatte er Sandro Wagner einen Ellbogenschlag verpasst. Und zwei Jahre später schlug Abraham beim Supercup-Spiel gegen Bayern München Robert Lewandowski ins Gesicht. In beiden Fällen ahndeten die Schiedsrichter die Regelverstöße nur mit der Gelben Karte. Abraham kann zum Hitzkopf werden, der die Grenzen des Erlaubten überschreitet. In Stresssituationen hindern ihn Jähzorn und Ehrgeiz ab und an daran, kühlen Kopf zu bewahren.

          Denkbar ist deshalb, dass sich die Eintracht-Verantwortlichen intern durchaus mit der Absetzung ihres Kapitäns beschäftigt haben. Doch das Abwägen aller Argumente wird für Abraham ausgefallen sein. Denn dieser genießt im Mannschaftskreis mit seinem Auftreten großen Respekt. Auf vorbildliche Weise kümmert sich Abraham um den Zusammenhalt und steht für alle immer als Ansprechpartner zur Verfügung. Gerade die Neuzugänge rühmen dessen Integrationskraft. Abseits des Platzes ist der Argentinier ein höflicher und bescheidener Mensch, den es nicht ins Rampenlicht drängt. Auch bei der Vereinsführung genießt er Ansehen. So beließ sie es bei mahnenden Worten und einer kolportierten Geldstrafe in Höhe von 35.000 Euro. Abraham, der in Zukunft unter besonderer Beobachtung stehen wird, wäre wohl nur dann kein Kapitän mehr, wenn er selbst von dem Posten zurückgetreten wäre.

          Für sich nimmt Abraham, der sich in aller Form bei Streich entschuldigt hatte, jedoch in Anspruch, auf dem Platz ein emotionaler Spieler zu sein. Und gelegentlich bestehe die Gefahr, dass ein Mensch über das Ziel hinausschieße. Ein Kapitän auf Abruf will Abraham in Zukunft aber nicht sein. An diesem Dienstag wird er in Frankfurt vor dem Sportgericht des DFB vorsprechen, denn er und die Eintracht haben Einspruch gegen die Sperre eingelegt. Dabei soll für Vereinsvertreter und Spieler, die von Eintracht-Anwalt Christoph Schickhardt begleitet werden, nicht die Reduzierung der Strafe im Vordergrund stehen. Abraham möchte den Vorfall vielmehr aus seiner Sicht schildern. Beschönigen dürfte er nichts. Aber er kann abermals Reue und Einsicht zeigen.

          Es ist das gute Recht der Frankfurter, sich für ein öffentliches Verfahren und eine mündliche Verhandlung entschieden zu haben. Beim DFB-Vizepräsidenten Ronny Zimmermann stößt dieser Einspruch aber auf Kritik. Er finde „das komisch. Ich hätte als Verantwortlicher, glaube ich, eher gesagt: Und ich setze dir noch eine Woche von mir aus drauf, als dass ich gegen das Urteil angegangen wäre“, sagte Zimmermann, der auch Präsident des Badischen Fußballverbands ist. „Wenn was passiert, was den Rahmen sprengt – und das hat es ganz sicher gemacht –, dann wäre es schön, wenn auch die Akzeptanz beim Klub da wäre.“

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