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Interview zum Coronavirus : „Eintracht Frankfurt ist nicht das Robert-Koch-Institut“

  • -Aktualisiert am

Entscheidung getroffen: Eintracht-Vorstand Axel Hellmann (Mitte) spricht bei der Pressekonferenz in Frankfurt. Bild: Wonge Bergmann

Eintracht-Vorstand Axel Hellmann spricht im Interview über den Umgang mit dem Coronavirus und den Wunsch des Fußballs an die Politik. Dabei erklärt er auch, was nun die Fans erwartet.

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          Sind Sie überrascht, dass das Gesundheitsamt innerhalb weniger Stunden einmal zur Entscheidung kommt, dass das Europa-League-Spiel gegen Basel an diesem Donnerstag (18.55 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei DAZN) wie geplant stattfinden kann, und dann doch die Zuschauer ausschließt?

          Europa League
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Dass die Behörde die Lage innerhalb weniger Stunden mal so und mal anders bewertet, ist für unseren Organisationsauftrag unerfreulich. Aber am Ende ist die Entscheidung der Sache geschuldet – dem Schutz der Besucher und Fans.

          Der Grund für den Ausschluss der Zuschauer soll eine neue Einschätzung der Gefahrenlage im Elsass, also der Nachbarschaft Basels, gewesen sein. Kann das sein, oder wurde das Gesundheitsamt Frankfurt von höheren Instanzen zurückgepfiffen?

          Dass sich im Großraum Basel innerhalb weniger Stunden ein größeres Infektionsrisiko herausgebildet hat, überrascht mich. Aber ich vertraue der Einschätzung der Mediziner und Virologen völlig. Eintracht Frankfurt ist nicht das Robert-Koch-Institut. Wir können, wollen und werden nicht unsere Einschätzungen an die Stelle der Experten setzen. Wir akzeptieren alle Anordnungen.

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          Das Rückspiel am 19. März sagten die Schweizer Behörden schon vor Tagen ab. Gibt es neue Informationen, ob, wann und wo die Begegnung nachgeholt wird?

          Das ist ein kompliziertes Thema, weil mehrere Parteien involviert sind. Es ist nicht unsere Aufgabe, den Rückspielort zu definieren, wenn nicht in Basel gespielt werden kann. Das ist Sache des FC Basel in Absprache mit der Uefa, damit die Lösung zeitnah und auch regelkonform erfolgt. Nichtsdestotrotz, und die Debatte ist schon öffentlich, wird diskutiert, ob das Rückspiel in Frankfurt stattfindet. Ich kann mir mehrere Szenarien vorstellen, aber dass ich heute schon wissen würde, was mit dem Rückspiel sein wird, ist nicht der Fall.

          Kann es sein, dass im Endeffekt die lokalen Gesundheitsbehörden die Entscheidung darüber fällen, ob ein Fußballspiel oder eine andere Großveranstaltung stattfinden kann, und es keine einheitliche Regelung gibt, wodurch eine große Unsicherheit entstanden ist?

          Grundsätzlich würden wir uns im Fußball wünschen, dass Politik und Verwaltung klarere und konsequentere Entscheidungen und Verfügungen treffen. Das erwarten auch die Fans.

          Wenn das nicht geschieht, muss dann nicht der Fußball dafür sorgen? Sprich: Müssten die Verbände nicht längst für ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereich eine einheitliche Regelung getroffen haben?

          Natürlich sind wir auch im Fußball verbandsweit gefordert, hinsichtlich der Durchführung der Wettbewerbe einheitliche Regelungen zu treffen, die Uefa für die europäischen Wettbewerbe, die DFL für die Bundesligen und so weiter. Allein, um einen integren Wettbewerb zu sichern und dem Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung nicht Tür und Tor zu öffnen. Hierzu werden wir für die Bundesliga und zweite Liga Anfang kommender Woche auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der DFL an einer einheitlichen Lösung arbeiten.

          Hätte das nicht viel früher geschehen müssen?

          Das wirkt jetzt so. Aber die Pandemie hat sich rasend entwickelt. Vor einer Woche hatten wir in der Liga noch einen anderen Informationsstand. Wobei wir auch wenig Informationen erhielten, wie wir uns am besten zu verhalten haben. Und bei der Reaktion auf den neuen Informationsstand muss der Druck erst mal auf den Fachleuten liegen und nicht auf der Liga.

          Werden die Fans, die Karten gekauft haben, entschädigt?

          Natürlich bekommt jeder Fan den Kaufpreis zurückerstattet, wenn er es denn möchte. Das Geld kann auch gespendet werden. Aber dazu werden wir noch zu einem späteren Zeitpunkt gesonderte Informationen herausgeben.

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