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Eintracht-Angreifer Alario : Stürmischer Südamerikaner

Lucas Alario: „Ich bin als Neuner dafür da, Tore zu erzielen“ Bild: dpa

Gegen die Eintracht hat Lucas Alario fleißig getroffen. Jetzt soll der Argentinier Frankfurts Torjäger werden. Am liebsten spielt er an der Seite eines zweiten Angreifers.

          3 Min.

          Badelatschen, kurze Hose: Lucas Alario war geradezu tiefenentspannt, als er am Mittwoch das Gespräch mit der Presse suchte. Es war das erste Mal, dass der aus Leverkusen nach Frankfurt gewechselte Stürmer abseits des Platzes bei der Eintracht im Blickpunkt stand. Seit fünf Jahren schon ist der Argentinier in Deutschland. Sprachlich versteht er alles, wie er betonte, fühlt sich aber wohler, wenn bei derartigen Medienterminen ein Dolmetscher an seiner Seite sitzt. Rafael Francisco vom Mutterverein Eintracht übernahm diesen Part – und es war immer wieder kurzweilig, was der 29 Jahre alte Südamerikaner zu sagen hatte.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Natürlich spielte auch sein Landsmann David Abraham bei der Entscheidungsfindung pro Eintracht eine Rolle. Alario holte sich Rat beim langjährigen Frankfurter Kapitän, der bei der Eintracht zu einer prägenden Figur geworden ist und sogar seine Profikarriere beendet hat. Im Fall Alario wäre dies theoretisch auch möglich. Der Argentinier wäre mit Ablauf seines Dreijahresvertrags knapp 33 Jahre alt. Ein Alter, das aber längst noch nicht das Ende aller Träume bedeuten muss.

          Alario und Rafael Borré als Duo

          Lucas Alario hat Träume – und Fähigkeiten: „Ich habe meine Qualitäten im Pressing“, sagte er. „Ich kann den Gegner so unter Druck setzen, dass er unsaubere Pässe spielt und wir so in Ballbesitz kommen.“ Mit Oliver Glasner, seinem neuen Trainer, hat Alario darüber in den ersten Unterredungen gesprochen. Auch darüber, dass sich der stürmische Südamerikaner am wohlsten fühlt, wenn er einen weiteren Angreifer an seiner Seite weiß. Die Eintracht ab sofort mit zwei Stürmer – oder vielleicht doch nur wie zuletzt üblich mit einem Angreifer? „Der Trainer trifft die letzte Entscheidung.“

          Unstrittig ist: Alario und Rafael Borré, der bisherige Platzhirsch in der Eintracht-Offensive, kennen und schätzen sich. Ein paar Monate lang waren sie gemeinsam bei River Plate in Buenos Aires. Von dort aus, 2017 ist das gewesen, ging Alario über den großen Ozean nach Deutschland und suchte fortan sein Glück unter dem Bayer-Kreuz in Leverkusen. Die Zeit war fruchtbar, sagte er am Mittwoch an seinem neuen Arbeitsplatz in Frankfurt. Und dankbar sei er auch, weil er von den jeweiligen Trainer viel gelernt und mitgenommen habe. Doch zum großen Durchbruch hat es nicht gereicht. Nun vielleicht bei der Eintracht?

          Von Außen unter Druck setzen, um möglichst viele Tore zu erzielen, lässt sich Alario nicht. „Das mache ich schon selbst.“ Er weiß, dass seine Torquote besser werden muss. Die ganz persönliche gegen die Eintracht ist beachtlich. In neun zurückliegenden Spielen, in denen er noch für Bayer am Ball war, erzielte er gegen die Eintracht vier Tore. Vier Vorlagen unterstreichen zudem seine Vielfältigkeit. „Ich bin als Neuner dafür da, Tore zu erzielen“, lässt er sich übersetzen. Ein Satz, der Trainer Glasner gefallen dürfte.

          Alario freut sich auf seine stürmischen Aufgaben in Frankfurt, die ebenso wie in Leverkusen vielfältiger Natur sind. Champions League – ist dem Argentinier wohlbekannt, aber bislang noch nicht zu der Herzenssache geworden, die sie eigentlich sein soll. In seinen fünf Bayer-Jahren hat er in der Königsklasse kein einziges Tor erzielt. Dies verwundert nicht, „denn ich habe gefühlt nur eineinhalb Spiele gemacht“, sagte er. Bei der Eintracht soll dies anders sein.

          Alario weiß, dass mit Borré, Randal Kolo Muani und Goncalo Paciencia drei weitere Angreifer um die mutmaßlich zwei Stammplätze streiten. Wettbewerb belebt das Geschäft – und erfreut den an Lebensjahren erfahrenen Alario, dass er auf den Flügeln in Filip Kostic und Ansgar Knauff zwei exzellente Vorbereiter und Vollstrecker in seinem Team weiß.

          Noch, muss betont werden, denn immer noch steht im Raum, dass sich die Wege von Kostic und der Eintracht trennen könnten. „Toll, wenn Filip bleiben würde“, sagte Alario. „Ich kenne ihn bislang nur als Gegner. Er hat das gewisse Etwas. Er hat eine Riesenqualität und braucht nur wenig Platz.“ Eigenschaften, die auch Alario zugeschrieben werden, der sich im Strafraum am wohlsten fühlt. „Das ist mein Office“, sagte er rund um seinen Transfer. „Nah am Tor, zum Abschluss bereit.“

          Ob er auch bereit sei, in Goethes Geburtsstadt beim gleichnamigen Institut, mit dem die Eintracht zusammenarbeitet, seine Sprachkenntnisse zu verfeinern, wurde Alario noch gefragt. Seine Antwort: „Nein. Ich mache learning by doing.“ Mit dem Toreschießen soll es für ihn genau so laufen.

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