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Duell mit Borussia Dortmund : Die Eintracht hat ein Problem

  • -Aktualisiert am

Was tun gegen den BVB? Eintracht-Trainer Adi Hütter muss sich entscheiden. Bild: dpa

Es ist eine Frage der Balance: Nur mauern geht nicht gegen den Dortmunder Wundersturm. Aber allzu mutige Offensive könnte den Untergang der Eintracht bedeuten. Trainer Adi Hütter steht vor einer schweren Entscheidung.

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          Es gibt Spiele, auf die dürfen sich alle freuen. Die Auseinandersetzung zwischen Borussia Dortmund und der Frankfurter Eintracht an diesem Freitagabend (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN) zählt zu dieser Kategorie. Der BVB besitzt im heimischen Stadion die wunderbare Gelegenheit, gegen einen ihrer erklärten Lieblingsgegner neuen Schwung für das Rennen um die Meisterschaft aufzunehmen. Die Eintracht kann nach zehn Punkten aus den ersten vier Rückrundenspielen ohne Druck ihre Außenseiter- und Spielverderberrolle ausleben. „Es wird ein sehr, sehr interessantes Spiel“, versprach am Donnerstag der Frankfurter Trainer Adi Hütter frohgemut.

          Bundesliga
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Das drücken auch die Statistiken aus. Die letzte Bundesligapartie zwischen diesen beiden Mannschaften, die 0:0 endete, fand im April 1990 statt. Damals standen noch Legenden wie Andy Möller, Michael Zorc, Karl-Heinz Körbel und Uwe Bein auf dem Spielfeld. Dass bei den Aufeinandertreffen dieser beiden Mannschaften überdurchschnittlich viele Tore fielen, darüber freuten sich allerdings vor allem die Dortmunder. Ein 6:0 1996 und ein 6:1 2001 stechen hervor. Doch auch in der jüngeren Vergangenheit hatte der BVB in seiner Arena keinerlei Schwierigkeiten, den Frankfurtern Gegentore einzuschenken. Seit dem letzten Auswärtssieg der Eintracht 2010 schossen die Dortmunder in den folgenden acht Heimsiegen zweimal vier Tore, fünfmal drei Tore und einmal zwei Tore. Und in dieser Saison sind sie auch noch zuhause ungeschlagen.

          Der falsche Zeitpunkt?

          „Wir wissen, dass es schwer wird, aber wir wollen mit unserem Selbstvertrauen, das wir 2020 getankt haben, ein sehr, sehr gutes Auswärtsspiel machen“, sagte Hütter am Donnerstag. Und er will die Statistik verschönern. Die aktuelle Form der Borussen, die zuletzt zwei Niederlagen hinnehmen mussten, berührt den Eintracht-Trainer nicht. „Ich weiß nicht, ob es ein falscher Zeitpunkt ist, auf Dortmund zu treffen, weil sie durch zwei Niederlagen Druck haben. Wäre es der richtige Zeitpunkt, wenn sie die letzten vier Spiele mit vier, fünf Toren gewonnen hätten?“ Auf jeden Fall, so Hütter, käme die Eintracht für den BVB nicht zum perfekten Zeitpunkt: „Wir sind 2020 noch ungeschlagen.“

          Die Rollen sind für den Eintracht-Trainer klar verteilt. Die Eintracht möchte ihren Lauf fortsetzen, und die Dortmunder „müssen gegen uns gewinnen, wenn sie weiter um die Meisterschaft mitspielen wollen“. Wofür sie die nötige Qualität besäßen. „Sie spielen mit einer unglaublichen Dynamik und Geschwindigkeit, wir müssen diese spezielle Offensive so gut wie möglich in Schach halten.“ Mit welchen taktischen Mitteln seine Mannschaft das versuchen soll, mochte Hütter nicht kundtun: „Ich wäre schlecht beraten, unsere Spielanlage zu verraten.“ Dann deutete er allerdings an, dass es ein Mix aus frühem Pressing und zwei etwas tiefer stehenden Verteidigungsketten sein könnte. „Einerseits wäre es fatal, wenn wir der Borussia zu viele Räume geben würden, andererseits müssen wir auch nach vorne spielen, es kommt auf eine gute Balance an“, so Hütter. Und darauf, bei Ballverlust sofort ins Gegenpressing oder mit möglichst allen Spielern hinter den Ball zu kommen.

          Rückblende: Vor zehn Jahren schoss Alexander Meier (rechts) den entscheidenden Treffer zum bislang letzten Eintracht-Sieg in Dortmund.

          Diese Anforderung des modernen Fußballs vermochten die Dortmunder zuletzt nicht umzusetzen. Drei Gegentore im Pokal gegen Werder Bremen, vier Gegentore in der Bundesliga gegen Bayer Leverkusen musste die Mannschaft von Trainer Lucien Favre hinnehmen, weil die Mannschaft ihr Umschaltspiel in die Defensive lax betrieb: „Und sie bekamen Gegentore, weil sie im Spielaufbau den Ball verloren, was eigentlich untypisch für sie ist“, so Hütter. Es ist anzunehmen, dass der Eintracht-Trainer darauf einen Trainingsschwerpunkt gelegt hat. Hütter vermied Details, sagte aber allgemein: „Wir sind gut gefahren, den Gegner analytisch auseinanderzunehmen und entsprechend in den Trainingseinheiten einzustudieren, was auf uns zukommen könnte.“

          Ziemlich sicher wird das Sturm-Phänomen Erling Haaland auf die Eintracht zukommen. „Der ganzen Dortmunder Mannschaft gebührt Respekt, aber Haaland hat ihr Niveau noch einmal hochgetrieben“, lobte Hütter und gab zu, in den Besprechungen etwas näher auf den jungen Norweger eingegangen zu sein. „Seine Statistik ist unfassbar. Ich höre aus Salzburg nur das Beste über ihn – als Spieler und als Mensch. Er ist irrsinnig schnell mit einem ungeheuren Antritt auf den ersten Metern, dazu hat er ein Näschen in der Box. Er weiß, wo er stehen muss, um Tore zu schießen. Ein schwieriger, unangenehmer Gegner.“ Selten verfasst Hütter solch eine Eloge auf einen Fußballprofi. Nichtsdestoweniger gab er sich davon überzeugt, dass „unsere Viererkette seine Kreise enger gestalten kann“.

          Falls der Eintracht in Dortmund ein Überraschungscoup gelänge, wäre Favres Arbeitsplatz gefährdet. Schon Niko Kovac (Bayern) und Unai Emery (Arsenal) verloren nach Niederlagen gegen die Eintracht ihren Job. Darauf angesprochen, sagte Hütter: „An so etwas denke ich überhaupt nicht.“ Und auch Mitgefühl bringt der Eintracht-Trainer seinem in Bedrängnis geratenen Kollegen nicht entgegen. „Ich weiß nicht, ob man mit mir Mitgefühl hatte zwischen dem 5. November und 22. Dezember. Da war es für mich auch nicht angenehm. Ich habe mehr Gefühle für Eintracht Frankfurt und meine Mannschaft.“

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