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Eintracht Frankfurt : Die Eintracht unterliegt Wehen

  • -Aktualisiert am

Funkel: „Lasse mich nicht aus der Ruhe bringen” Bild: ddp

Uninspiriert, müde, lustlos: Nach dem 1:3 gegen Dinamo Bukarest hat die Frankfurter Eintracht nun 0:2 gegen den Zweitliga-Aufsteiger SV Wehen-Wiesbaden verloren.

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          Der Klassenunterschied war deutlich – doch ganz anders als erwartet. Nicht die vermeintlich erstklassige Frankfurter Eintracht dominierte am Samstag das Privatspiel gegen den SV Wehen-Wiesbaden, sondern der Emporkömmling aus der vermeintlichen Fußball-Provinz. 2:0 gewannen die Wehener und hinterließen bei den Frankfurtern nachdenkliche Gesichter.

          Über den Sieger hatte es von Beginn an keine Zweifel gegeben. Den Zweitliga-Aufsteigern bereitete es sichtlich Freude, die Bundesliga-Profis früh zu attackieren und ihnen damit den Spaß am Spiel zu nehmen. „Wehen hat hochverdient gewonnen“, sagte Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel später und führte als Grund für den insgesamt peinlichen Auftritt seiner Mannschaft die „große Müdigkeit“ an, die nach den vielen Trainingseinheiten den Großteil seiner Spieler befallen hatte.

          Funkel: „Ergebnisse der Vorbereitung sind egal“

          Funkel wollte ob des Auftritts seiner Mannschaft nicht viele Worte machen. Er schien mitzufühlen mit seinen Spielern. „Sie alle freuen sich jetzt auf den freien Tag“, sagte er. Der Sonntag war der erste Tag zum Ausruhen seit dem Trainingsstart am 2. Juli. An diesem Montag werden die Frankfurter ihr Vorbereitungsprogramm mit zwei Einheiten im Schatten der WM-Arena fortsetzen. „Genauso wie geplant“, stellte Funkel klar. Was heißen soll, dass das Resultat des Spiels gegen Wehen keinen direkten Einfluß haben wird auf die Trainingsarbeit.

          Schon vor dem Spiel hatte er erklärt, dass ihm „Ergebnisse in der Vorbereitung egal“ sind. So hatte sein Team dann auch gespielt. Uninspiriert, manchmal fast lustlos, einfach schlecht waren die Frankfurter aufgetreten. Nicht alle der rund 3000 Frankfurter Sympathisanten unter den 4000 Zuschauern brachten dafür Verständnis auf. Zur Pause gab es einige Pfiffe gegen die Eintracht, nachdem Maximilian Nicu Wehen nach einem Abwehrfehler auf der linken Seite in Führung gebracht hatte. Am Ende aber blieben die Pfiffe aus – nicht weil die Eintracht nach der Pause besser gespielt hätte, sondern wohl eher, weil die Fans in der brütenden Hitze im Rheingau-Stadion resigniert hatten. Das 2:0 für den SV Wehen durch Ronny König, der ganz allein vor Markus Pröll aufgetaucht war, wurde emotionslos hingenommen.

          Nun war es nicht die komplette Eintracht, die dem SV Wehen-Wiesbaden gegenübergestanden hatte, sondern bestenfalls die „halbe Eintracht“. Neben Naohiro Takahara und Mehdi Mahdavikia, die bei der Asien-Meisterschaft mit ihren Nationalmannschaften Erfolge feiern, den verletzten Benjamin Köhler, Markus Weissenberger, Chris und Michael Thurk war kurzfristig auch noch Junichi Inamoto ausgefallen. Der japanische Neuzugang plagt sich mit einer Grippe. Zudem hatte Funkel freiwillig auf Albert Streit, Sotirios Kyrgiakos und Christoph Spycher verzichtet. Ein Substanzverlust, den die Mannschaft nicht verkraftet hat. Bei allem Verständnis für die Müdigkeit und Ausgelaugtheit seiner Spieler wollte Funkel nachher aber nicht über alle Fehlleistungen den Mantel des Schweigens legen. Von einigen Spielern habe er „mehr erwartet“, sagte er, „und damit meine ich nicht die jungen“.

          Pokalspiel am 5. August bei Union Berlin

          Mit Mounir Chaftar, Faton Toski, Kreso Ljubicic und Marco Russ durfte der Nachwuchs ran. Es ehrt Funkel, dass er deren Leistung nicht als Alibi für die Niederlage heranzog, auch wenn Chaftar und Ljubicic auf der linken Seite mit erheblichen Problemen zu kämpfen hatten. Doch auch einige aus der Riege der Etablierten hatten nicht ihren besten Tag erwischt. Aleksandar Vasoski unterliefen einige Abspielfehler, später musste er mit einer Rippenprellung ausgewechselt werden.

          Michael Fink war die Müdigkeit besonders deutlich anzumerken, Alexander Meier quälte sich ohne sichtbare Glanzlicher übers Feld, und Ioannis Amanatidis stand im Sturm allein auf weiter Flur. Gerade im Spiel nach vorne wurde deutlich, dass die Ressourcen der Eintracht schon vor dem Saisonstart ziemlich ausgeschöpft sind. Die immer wiederkehrenden Aussagen der Verantwortlichen, die Stürmerdecke sei mit fünf Spielern – wovon mit Marcel Heller und Benjamin Köhler zwei langfristig ausfallen und mit Michael Thurk einer kurzfristig – ausreichend, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Handlungsbedarf besteht.

          Friedhelm Funkel tangierte dies nach dem Spiel in Geisenheim wenig. Die Vorbereitung sei allein auf das Pokalspiel am 5. August bei Union Berlin ausgerichtet, alles andere zähle nicht. „Ich bin schon zu lange dabei, um mich von solchen Resultaten aus der Ruhe bringen zu lassen“, versicherte er. Er setzt darauf, dass der freie Tag kleine Wunder bewirken wird. Funkel: „Am Montag geht es frisch und munter weiter.“

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