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Eintracht Frankfurt : Die bayerische Woche

Eintracht-Torhüter Pröll muss wegen seiner Verletzung aussetzen Bild: F.A.Z. - Michael Kretzer

In der spannendsten Phase der Saison muss die Eintracht wieder einen Tiefschlag einstecken. Torhüter Markus Pröll fällt beim Auswärtsspiel gegen den 1. FC Nürnberg aus - ihn plagt eine Rippenverletzung.

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          Es war kurz nach elf am Morgen, als Markus Pröll wort- und grußlos das Trainingsareal im Halbschatten der Frankfurter Arena verließ. Der Ballfänger der Eintracht verzog keine Miene. Dabei hätte er allen Grund gehabt, seine Handschuhe in die Ecke zu schmeißen oder vor Wut gegen irgendeinen Gegenstand zu treten. Nein, der 27 Jahre alte Torwart hielt sich unter Kontrolle – trotz des neuerlichen Rückschlags.

          Denn wieder ist es die alte Rippenverletzung, die unter „stechenden Schmerzen“ aufgebrochen ist und den ehrgeizigen Pröll daran hindern wird, wie ursprünglich geplant, an diesem Freitag beim Auswärtsspiel in Nürnberg (20.30 Uhr) in das Tor der Eintracht zurückzukehren. „Nein, nein,“ sagte sein Trainer Friedhelm Funkel. „Er kann nicht spielen, er fällt mit Sicherheit aus.“ Noch am Montag ließ sich Pröll von Dr. Peter Schäferhoff, dem Kölner Arzt seines Vertrauens, untersuchen. Wieder ein Tiefschlag für die Eintracht – und dies in der spannendsten Phase der Saison.

          Mit Vertrauen in die Schlussrunde

          Erst der Stress mit dem unzufriedenen Ioannis Amanatidis, dann das unbeherrschte und durch nichts zu entschuldigende Poltern von Jermaine Jones gegen seinen obersten Vorgesetzten, Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Und nun der abermalige Ausfall des in der Hinrunde zum besten Torhüter gekürten Markus Pröll. Wie in den vergangenen Wochen auch wird also Stellvertreter Oka Nikolov bemüht sein, der Eintracht ein ruhiger, gelassener und sicherer Rückhalt zu sein. Denn Rückendeckung kann die auf einem Abstiegsplatz stehende Eintracht gut gebrauchen. Trainer Funkel erwartet eine „sehr selbstbewusste, sehr starke, sehr aggressive und im eigenen Stadion sehr offensive Nürnberger Mannschaft“. Gefragt, wie er diesem von ihm hochgelobten „Club“ begegnen will, antwortete Funkel: „Wir werden versuchen, mit den gleichen Mitteln dagegen zu halten.“

          Am Freitag gegen den 1. FC Nürnberg, am darauffolgenden Samstag gegen den FC Bayern München, dann, nach einer einwöchigen Länderspielpause, am 31. März gegen Borussia Mönchengladbach: Weitere wegweisende Spiele und Wochen stehen bevor und Funkel findet es ausnahmslos schön. „Schön für die Berichterstattung, schön für die Zuschauer, schön für uns, weil wir es selber in der Hand haben.“ Der Eintracht-Coach, der sich am Mittwoch nicht so redselig wie sonst offenbarte, geht mit großem Vertrauen in die Schlussrunde der Bundesliga. Er weiß, dass mit Alemannia Aachen, dem VfL Bochum und dem FC Energie Cottbus noch alle drei Aufsteiger in Frankfurt spielen müssen. Und er rechnet fest mit drei Siegen. „Wir können alle drei schlagen. Deshalb erachte ich es als Vorteil, dass wir noch diese Begegnungen vor uns haben.“

          Glaube und Hoffnung ist das eine, Können das andere. Um über das Saisonende hinaus erstklassig zu bleiben, bedarf es weiterer Siege. Die Rückschau auf das vergangene Wochenende, an dem fast alle Mannschaften aus dem Tabellensouterrain gewonnen haben, verdeutlicht dies. Einen Tag lang nur durfte sich die Eintracht nach ihrem 2:0-Erfolg gegen Hannover 96 als Tabellenvierzehnter fühlen. Dann folgte prompt die Rückstufung auf einen Abstiegsplatz.

          Glänzende Bilanz gegen den „Club“

          Von Momentaufnahmen im Tagesgeschäft Bundesliga hält der erfahrene Eintracht-Trainer zwar nicht viel. Doch er verkündete am Mittwoch, einen Tag nach dem verbalen Rundumschlag des von ihm zum Kapitän und damit zum vermeintlichen Vorbild gemachten Jones: „Bei uns wird wieder gelacht.“ Michael Thurk, angesprochen auf die angebliche neue Leichtigkeit und Lockerheit, sagte dazu, „dass bei uns nach den beiden Siegen in Offenbach und gegen Hannover die Stimmung gleich besser geworden ist. Deshalb wollen wir jetzt auch in Nürnberg nachlegen und drei Punkte mitnehmen.“

          Die Chancen dafür stehen nicht einmal schlecht. Die von Trainer Hans Meyer auf Kurs gebrachten Franken stehen als Tabellenfünfter mit zehn Punkten mehr ausgestattet zwar weit vor der Eintracht. Doch der „Club“ liegt den Hessen. Im Vorjahr gab es ein 1:0, herausgeschossen durch Amanatidis. Die Bilanz von insgesamt 22 Bundesligaheimspielen der Nürnberger gegen die Frankfurter spricht für die Eintracht. Und der letzte Erfolg des FCN im Frankenstadion gegen die Frankfurter liegt, man glaubt es kaum, mehr als zwanzig Jahre zurück. Am 14. Februar 1987 siegte der „Club“ durch einen verwandelten Handelfmeter von Stefan Reuter 1:0.

          Der Dienstausflug nach Franken ist für die Eintracht in dieser Saison der bislang dritte Einsatz an einem Freitag. In den zwei vorangegangenen Auftrittem gab es jeweils hohe Niederlagen – 3:4 in Bochum, 0:4 gegen Stuttgart. Vielleicht auch deshalb hat Angreifer Thurk sich und den Mitspielern empfohlen, „dass wir uns jetzt nicht hängen lassen dürfen. Wir haben noch gar nichts erreicht. Wir müssen noch viel mehr Spiele gewinnen.“ Mit der Hilfe von Naohiro Takahara, dem mit Abstand besten Schützen, dessen 2:0 im Pokal bei den Offenbacher Kickers sogar zur Wahl „Tor des Monats“ ansteht, könnte es vielleicht glücken.

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