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Eintracht Frankfurt : Ein neues Pokalabenteuer

Hand drauf: Martin Hinteregger kann gegen die „Löwen“ spielen, und Steven Zuber soll die linke offensive Eintracht-Seite beflügeln. Bild: Jan Huebner

In ihrem Lieblingswettbewerb startet die Eintracht in die Saison. Frankfurt gilt als Favorit beim Spiel gegen 1860 München. Doch kann der Verlust von Kostic ausgeglichen werden?

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          Adi Hütter kennt die Kultstätte an der Grünwalder Straße. „Einmal bin ich dort schon im Stadion gewesen“, sagte der Eintracht-Trainer am Donnerstag. Mit seinem einstigen Klub Grödig war das so. Hütter weiß noch die Begleiterscheinungen. „Ein Vorbereitungsspiel gegen den ebenfalls zweitklassigen TSV 1860. Sonntagvormittag. Eine Frühschoppenpartie.“ Sein Gegenüber damals: Friedhelm Funkel. Der aktuelle Coach der Münchner „Löwen“, mit dem es Hütter und die Eintracht etliche Jahre später an diesem Samstag, nachmittags um halb vier, zu tun bekommen (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal und bei Sky): Michael Köllner. Ein Aufstiegstrainer. Einer, der den Nürnberger „Club“ zurück in die Bundesliga geführt hat. Eine Liga, die auch die Sechziger bestens kennen. Doch das ist lange her.

          Die Gegenwart heißt Dritte Liga. Für Hütter ist die Ausgangslage dieses Erstrundenspiels im DFB-Pokal deshalb klar: „Wir sind in der Favoritenrolle. Diese wollen und müssen wir auch annehmen.“ Der Frankfurter Fußballlehrer weiß aus eigener Anschauung, dass die erste Runde voller Tücken sein kann. „Der Gegner ist gut. Die Löwen haben eine gute Vorbereitungszeit gehabt.“ Wie die Qualität der Frankfurter Vorbereitungsphase einzuschätzen ist, werden letztlich erst das Pokalspiel in München sowie eine Woche später der Bundesligastart zu Hause gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld zeigen. Unentschieden, Sieg, Niederlage – in den Testspielen gegen Monaco, Eindhoven und Amsterdam ist alles dabei gewesen.

          Ersatz für Kostic

          Seriöse Rückschlüsse auf den aktuellen Formzustand sind nur bedingt möglich, zumal Hütter im eigentlich stimmungsvollen, aber wegen der Corona-Pandemie leeren Sechziger-Stadion an der Grünwalder Straße auf seinen besten offensiven Flügelspieler verzichten muss: Filip Kostic. Für ihn wird Neuzugang Steven Zuber in die Mannschaft rücken. Hütter attestiert dem Schweizer, „sehr hungrig“ zu sein. „Mit ihm haben wir einen guten Ersatz für Kostic. Steven kann viel laufen und Tore schießen, und er hat ein gutes Spielverständnis.“

          Fußballlehrer Hütter bedauert, dass seine Mannschaft schon wieder ohne Publikum ihrer spielerischen Arbeit nachgehen muss. Die Eintracht lebt ganz besonders von der Unterstützung von den Rängen. „Fußball ist ein emotionaler Sport“, sagte Hütter am Donnerstag in den Katakomben der Frankfurter Arena. „Wir alle wünschen uns, dass das Band bald durchschnitten wird.“ Soll heißen: dass wieder mehr und mehr Fans zu den Spielen zugelassen werden. An diesem Freitag will Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann entsprechende Pläne präsentieren, wonach der Klub hofft, zum Ligastart gegen die Arminia 10.000 Besucher begrüßen zu dürfen.In München muss es aus Eintracht-Sicht ohne gehen.

          Schauplatz eines Pokalspiels

          Stichwort München: Deutschlands Fußball-Hauptstadt ist schon wieder Schauplatz eines Pokalspiels der Eintracht. In der zurückliegenden Saison hieß der Halbfinalgegner FC Bayern. Zum Wiederstart in ein neues Pokalabenteuer müssen die Frankfurter innerstädtisch etwas weiter südlich auf Giesings Höhen spielen. Eine Aufgabe, die für den Erstligaklub lösbar sein sollte, zumal „ich personell mit Ausnahme von Kostic aus dem Vollen schöpfen kann. Alle Spieler sind gut in Schuss,“ so Hütter. Natürlich wird auch Martin Hinteregger die Flugreise nach München mitmachen. Die Folgen des Schlages, den der Österreicher im Länderspiel in Norwegen erlitten hatte, sind nicht der Rede Wert. „Schon gegen Rumänien war er wieder dabei“, sagte Hütter über seinen Landsmann. „Martin verträgt schon ein bisschen Schmerzen.“

          Für die Eintracht soll das Pokalspiel bei den „Löwen“ ohne Schmerzen verlaufen. Das Ziel heißt zweite Runde, „aber dafür müssen wir ein Top-Spiel absolvieren“, sagte Hütter. „Wir brauchen eine gute Einstellung.“ Was nicht nur im Pokal bei einem Drittligaverein, sondern grundsätzlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Ohne ins Detail gehen zu wollen, hat der Eintracht-Trainer schon eine mögliche Startelf „im Kopf. Ich werde mich aber niemals vorher auf eine Mannschaft festlegen“, sagte der 50 Jahre alte Coach. Dafür ist das Profigeschäft voller Unwägbarkeiten, können kurzfristige Verletzungen oder Krankheiten Pläne hinfällig werden lassen.

          So oder so: Die Eintracht ist der Favorit – und sie kann sich ein weiteres Mal auf der Spielwiese beweisen, die ihr seit Jahren am besten liegt: im DFB-Pokal. „Eintracht Frankfurt ist eine Pokalmannschaft“, sagte Hütter. „Auch in diesem Jahr wollen wir so lange wie möglich im Wettbewerb bleiben.“

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