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Eintracht Frankfurt : Der schnelle Trickser auf den Spuren von Podolski

„Ich dribble meine Gegner aus”: Marcel Heller gegen David Jarolim vom Hamburger SV Bild: AP

Sein Siegtor zum 1:0 gegen Tschechien in der U-21-Nationalmannschaft beweißt es: Marcel Heller von der Eintracht Frankfurt ist auf einem guten Weg. Das findet auch Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel.

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          Der Mann weiß, was sich gehört. Marcel Heller hat sich nicht viel Zeit gelassen, die Stätte des sportlichen Erfolgs so zeitnah zu verlassen, um noch kurz bei seinem Arbeitgeber Eintracht Frankfurt vorbeizuschauen. Es war genau zwei Minuten vor elf Uhr am Mittwochmorgen, als sich der 21 Jahre alte Jungprofi der Eintracht einen Ball schnappte, mit der Kugel ein bisschen jonglierte, sich von hinten an Assistenztrainer Armin Reutershahn heranpirschte, um diesem dann freudig auf die Schultern zu klopfen. Eine Rückmeldung der besonderen Art, dabei hätten die Eintracht-Verantwortlichen allen Grund gehabt, Heller nach dessen abendlichem Auftritt in Düsseldorf zu beglückwünschen.

          Heller, dieser kernige Typ mit den O-Beinen und der Physiognomie eines Wayne Rooney, hat beim 1:0 der deutschen U-21-Nationalmannschaft gegen Tschechien das Siegtor geschossen. In der 31. Minute nahm der Frankfurter Angreifer erfolgreich Maß, verfehlte in der Folgezeit mit einem Lattentreffer das Ziel ein zweites Mal nur um Zentimeter. Heller gehörte in Düsseldorf zu den auffälligsten Erscheinungen im hoffnungsvollen deutschen Nachwuchsteam – und durfte sich später lobende Worte anhören. „Von Heller bin ich begeistert. Er ist ein toller Junge“, schwärmte Matthias Sammer, der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes. Der Konter des Eintracht-Stürmers folgte prompt. „Nach so einem Lob schlafe ich besonders gut. Es ging alles sehr schnell bei mir.“

          Zuversicht bei Funkel

          Schnell ging vor allem sein Wechsel von den Sportfreunden Siegen zur Eintracht vonstatten. Die Frankfurter Funktionäre griffen schnell zu, und Cheftrainer Friedhelm Funkel wusste damals wie heute, „dass wir nicht länger hätten warten dürfen. Ein, zwei Wochen länger, und Heller wäre weg gewesen.“ Nun aber haben sie ihn, und sie sind ausnahmslos froh darüber. „Ich mache seine Leistung zwar nicht von einem einzigen Spiel bei der U 21 abhängig“, sagte Funkel am Mittwoch. „Und sein Tor war ja auch ein Geschenk. Das hätte ja ich noch reingemacht.“

          Glückwünsche in der U 21 von Eugen Polanski (li.) nach dem Siegtor

          Doch Funkel äußerte die Zuversicht, „dass der Junge auf einem guten Weg ist. Während der Vertragslaufzeit wird er noch viele Spiele für uns machen.“ Bislang sind es vier Einsätze für die Eintracht, auf die Heller in seiner ersten erstklassigen Saison zurückblicken kann. Sein Förderer Funkel, der seinen Wechsel in der Winterpause von Siegen nach Frankfurt maßgeblich forciert hatte, brachte den talentierten Linksfuß gegen Schalke, Mainz, Leverkusen und Hamburg zum Einsatz. Zweimal, gegen Mainz und den HSV, durfte sich Heller in der Startelf beweisen, wurde aber im späteren Spielverlauf ausgewechselt.

          „Ich dribble meine Gegenspieler aus“

          Vier Einsätze, vier Ausrufezeichen: Heller hat stets gezeigt, wo seine Stärken liegen und weshalb man ihn aus der Regionalliga in die Bundesliga geholt hat. Selbstbewusst sagt er: „Ich bin schnell, ich dribble meine Gegenspieler aus.“ Nach dem 1:0 gegen Tschechien, als sich der Pulk der professionellen Fragesteller auf Torschütze Heller konzentrierte, erzählte der umlagerte Eintracht-Profi, „dass es für mich in der ersten Halbzeit sehr gut gelaufen ist. Nach dem Seitenwechsel habe ich dann etwas abgebaut.“

          Nicht etwa aus Schwäche, sondern vor allem dem Umstand geschuldet, „dass wir mit der Mannschaft zehn Tage harte Arbeit hinter uns haben“. Annähernd zwei Wochen hatte Trainer Dieter Eilts seine auserwählten Kicker um sich geschart. Heller scheint dieser Orts- und Mannschaftswechsel gut bekommen zu haben, denn am Ende des Ausflugs in das U-21-Nationalteam darf er sich zu den Gewinnern zählen. Typisch Heller: „Ich weiß, dass ich gegen Tschechien sieben-, achtmal ins Abseits gelaufen bin. Aber das ist für mich normal, weil ich so schnell bin.“

          Gut für Funkel und die Eintracht: Marcel Heller, der schnelle Trickser, ist gesund zurückgekehrt. Ein ausgeschlafenes Kerlchen, das sich früh anschickt, sich einen Namen zu machen. Und dabei vor Selbstbewusstsein nur so sprüht. Dem Erfolgsgeheimnis für seine ansprechenden Auftritte scheint er schon auf die Spur gekommen zu sein. „Ich stamme aus Bergheim. Genau wie Lukas Podolski und Lukas Sinkiewicz. Da haben wir wohl eine kleine Talentschmiede.“

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