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David Abraham im Interview : „Bei mir ist viel Adrenalin im Spiel“

Heißsporn:David Abraham sucht nach Wegen, um Erfahrung und Auge besser ins Spiel zu bringen. Bild: Jan Huebner

David Abraham erledigt seinen Job als Verteidiger mit hohem Körpereinsatz und Emotionen. Bei der Frankfurter Eintracht vermisst er Jesus Vallejo.

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          Knapp eine Woche waren Sie im Trainingslager in Südtirol. Wie fühlen Sie sich?

          Schon sehr müde. Es ist es halt richtig anstrengend. In der Vorbereitung muss das aber so sein. Man will alles geben und ist mit voller Konzentration bei der Sache. Auch in den Testspielen, die muss man richtig ernst nehmen und so spielen, als ob es um Punkte geht. Da werden die Abläufe ausprobiert, Konzepte einstudiert, und man gewöhnt sich an die neuen Mitspieler. Das ist ganz wichtig. Bei mir ist da immer viel Adrenalin im Spiel.

          Es war auffällig, wie sehr Sie auch bei Ihrem Einsatz gegen Sassuolo marschiert sind und sich in keinem Duell um den Ball geschont haben. Zählen Sie manchmal die blauen Flecken nach einem Spiel?

          Nein (lacht). Ich bin nun einmal ein Verteidiger, der seinen Körper einsetzt, um die gegnerischen Stürmer von Strafraum fernzuhalten. Da gehören harte Zweikämpfe dazu. Aber es bleibt doch alles in seinem Rahmen. Mittlerweile bin ich ja auch ein bisschen älter und erfahrener geworden. Ich bin jetzt seit 14 Jahren Fußballprofi, und heute versuche ich, manche Situation anders zu lösen als früher: mit Auge und passenden Stellungsspiel.

          Trotzdem stecken Sie viel ein, teilen aber auch aus. Ist es schwer, kühlen Kopf zu bewahren?

          Schön wär’s, wenn ich das könnte (lacht). Ich habe immer einen hohen Puls und bin aufgeregt. Wenn du als Profifußballer bei einem Spiel keine Emotionen mehr spürst, dann stimmt etwas nicht, und du solltest dir besser eine andere Sportart suchen.

          Wer war bis heute Ihr unangenehmster Gegner?

          Während meiner Zeit in Spanien war es Diego Costa, ein ganz schwer zu kontrollierender Typ, der wirklich viele Sachen auf Lager hatte, um einem das Leben schwer zu machen. In der Bundesliga ist Jhon Cordoba, der jetzt von Mainz nach Köln wechselte, ein Angreifer, der allein wegen seines bulligen Körpers nicht so leicht vom Ball zu trennen ist. Zwischen uns ging es immer heftig zur Sache, aber nie unfair. Das macht Spaß! Wir haben immer hinterher freundlich miteinander gesprochen und uns die Hand gegeben. So soll es sein.

          In der vergangenen Saison gab es auch Situationen, in denen Sie die Nerven verloren haben und mit den Armen um sich schlugen. Gegen Hoffenheim hätten Sie zum Beispiel Rot sehen können. Wie erklären Sie das?

          Stimmt, das muss ich korrigieren. Es waren Szenen, in denen es sehr hektisch und aggressiv auf dem Feld zuging und ich mich nicht so unter Kontrolle hatte, wie ich es eigentlich möchte. Es soll mir in Zukunft nicht mehr passieren.

          Ein Profi lebt die ganze Saison über diszipliniert, so unsere Mutmaßung. Konnten Sie denn die Sommerpause ein bisschen unbeschwerter verbringen, um Abstand zum Fußballgeschäft zu bekommen?

          Ja, und das ist wichtig. Im Juni bin mit meiner Frau und unserem Kind in unsere Heimat nach Argentinien geflogen, in den Ort Chabas, wo ich aufgewachsen bin. Dort haben meine Eltern ein Haus, und wir haben alle getroffen, die wir das ganze Jahr nicht gesehen hatten: Familie, Freunde, Bekannte. Das ist immer eine schöne Sache, und die Treffen sind etwas ganz anderes, als über E-Mails, Telefongespräche oder Skype in Kontakt zu sein. Dabei habe ich relaxed. Wir haben uns oft zum Grillen getroffen, denn das ist etwas, was ich in Frankfurt schon vermisse: Das Fleisch, das man hier kaufen kann, ist exzellent, aber die Art und Weise, wie es über der Holzkohle zubereitet wird, ist völlig anders. Bei uns in Argentinien dauert es Stunden, bis es gar ist, und in der Zwischenzeit redet man, stößt auf ein Glas miteinander an, während in den Steak-Restaurants in Deutschland die Bestellung schon nach 15 Minuten am Tisch serviert wird. Das schmeckt auch, aber nicht so wie daheim – und auch deswegen freue ich mich jedes Jahr auf die Rückkehr und die spezielle Atmosphäre.

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