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Sorgen vor der Rückrunde : Der nächste Verletzte bei Eintracht Frankfurt

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Schlechter Start ins neue Jahr: Daichi Kamada (links) wird wegen einer Bänderverletzung erstmal fehlen. Bild: Jan Huebner

Die Eintracht steckt nicht nur sportlich in der Krise. Nun macht Frankfurt auch eine Verletzungsmisere zu schaffen. Der nächste Spieler zieht sich eine größere Blessur zu. Trainer Adi Hütter denkt über einen Neuzugang nach.

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          Es war ein Bild, das Bände sprach. Dieses Spiel hatte bei Daichi Kamada schmerzhafte Spuren hinterlassen. Seinen rechten Fuß konnte der Japaner, der sich in langsamen Schritten dem Mannschaftsbus näherte, zu später Stunde nicht mehr richtig belasten. Das neue Sportjahr hat für den Fußballprofi bislang nur unschöne Überraschungen bereit gehalten. Zunächst fing sich Kamada einen grippalen Infekt ein, der ihn an der pünktlichen Abreise mit dem Team ins Trainingslager in den Vereinigten Staaten hinderte. Mit drei Tagen Verspätung flog der 23-Jährige hinterher, und in den folgenden Übungseinheiten war spürbar, dass er gegenüber den Kollegen körperliche Rückstände besaß.

          Bundesliga

          Nun gab es beim einzigen Testspiel, das die Frankfurter während ihres Aufenthalts in Florida absolvierten, den nächsten Rückschlag für den Mittelfeldprofi, der im Konzept von Trainer Adi Hütter für eine wichtige Rolle in der Offensive als Flügelspieler, zweite Spitze oder gestaltende Kraft im Mittelfeld eingeplant war. In der 36. Minute verließ Kamada humpelnd den Rasen im Al Lang Stadium. Kurz zuvor hatte ihm der Berliner Per Skjelbred bei einem Zweikampf von den Beinen geholt. Er wurde „umgeknöchelt“, beschrieb Hütter die Szene in einer abwechslungsreichen Partie, die die Hertha 2:1 für sich entschied. Alexander Esswein (71. Minute und 78./Strafstoß) erzielte die Treffer zum Berliner Sieg, während die Eintracht durch Timothy Chandler zwischenzeitlich zum Ausgleich kam (73.).

          Weil Kamada an der Stelle des rechten Fußes schon einmal verletzt war, gab es im Betreuerstab große Sorgenfalten. Umgehend wurden weitere Untersuchungen veranlasst und die Befürchtungen bestätigten sich. „Bänder sind gerissen. Wie lange er fehlen wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Nach der Rückkehr nach Deutschland folgen weitere Untersuchungen, die genauere Bilder liefern werden. Es wäre fahrlässig, wenn wir uns jetzt keine Gedanken über einen Neuzugang machen würden“, sagte Hütter.

          Schon am Montag hatte das Teamgefüge einen Schlag erlitten, als sich Gelson Fernandes im Training einen Sehnenriss an der Hüfte zuzog, der zwischenzeitlich operiert wurde und für den Rest der Saison außer Gefecht setzt. Da hielt Hütter Fragen, ob nun, in Anbetracht der zugespitzten Personallage, eine Neubewertung der Kader-Situation erforderlich und ein Deal auf dem Transfermarkt nicht zwingend notwendig sei, noch für verfrüht. Es sei nicht die Zeit „für Schnellschüsse“. Alle Eventualitäten müssten in Ruhe im Kreis der Entscheider bedacht werden. Sportvorstand Fredi Bobic, Sportdirektor Bruno Hübner und er steckten „sowieso permanent die Köpfe zusammen“. Nach Kamadas Verletzung werden sie nun einiges zu bereden haben.

          In Anbetracht des nächsten möglicherweise Langzeitverletzten rückte der phasenweise gelungene Test der Viererkette in den Hintergrund. Hütter hatte die Gelegenheit zu einer Probe aufs Exempel genutzt. Er schickte seine Elf mit einer defensiven Viererkette aufs Feld; eine taktische Marschroute, von der der Österreicher annimmt, dass sie demnächst im Punktspielbetrieb seinen Leuten, die sich jüngst im 3-5-2-System oft anfällig erwiesen hatten, mehr Abwehrstabilität bringen kann.

          David Abraham und Martin Hinteregger bildeten das Duo in der Innenverteidigung, an ihrer rechten Seite startete Danny da Costa, links Evan Ndicka. Davor stellte er Djibril Sow und Sebastian Rode als Doppel-Sechser auf, Filip Kostic (links) und Mijat Gacinovic (rechts) besetzten die Flügel, Kamada bis zur Verletzung das Mittelfeldzentrum, während Dost als alleinige Sturmspitze begann – ein Fingerzeig, wie die Eintracht zum Auftakt der zweiten Saisonhälfte in Hoffenheim beginnen könnte. „Die erste Halbzeit war ordentlich“, sagte Hütter, der aufgrund von insgesamt acht Wechseln nach dem Seitenwechsel die Geschlossenheit zwischen den Mannschaftsteilen vermisste und sich mehr Tempo und Passgenauigkeit nach der Balleroberung gewünscht hätte. „Gott sei Dank haben wir jetzt noch eine Woche Zeit“, sagte er mit Blick auf das erste Pflichtspiel am 18. Januar.

          Bei Bas Dost klang die Schlussfolgerung des Abends vor 5000 Zuschauern, die sich von der Darbietung der Soccer-Gäste aus Germany gut unterhalten fühlten, forscher: „Da wir heute hier verloren haben, gewinnen wir in Hoffenheim“, meinte der Holländer, der die verpatzte Generalprobe als gutes Omen bewertete. „Natürlich ist es ärgerlich, dass eine geile Woche mit viel Spaß so zu Ende ging, denn ich will immer Erfolg haben. Wir brauchen wieder einen Sieg.“ Zuletzt ging die Eintracht in der Bundesliga am 2. November – beim 5:1 gegen die Bayern – als Gewinner vom Platz.

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          Dost sieht sich in einer Verfassung, mit der er seinen Teil dazu beitragen kann, dass es wieder aufwärts geht. „Wir stehen da, wo wir nicht stehen müssen. Und ich schaue nicht nach unten“, sagte er zum 13. Tabellenrang in der Liga. „Die Vorbereitung hat mich auf ein neues Level gebracht“, sagte er. „Ich habe so viele Einheiten in den Beinen, das gibt Kraft.“ Der Holländer war am 27. August von Sporting Lissabon zur Eintracht gewechselt. Er kam jedoch nicht wirklich in Schwung. Erst ein Spezialist erkannte im Dezember den Grund für seine Beschwerden und heilte mit Hilfe von Akupunktur eine Nervenentzündung an der Hüfte. Dost strotzt derzeit vor Selbstvertrauen. „Ich bin nicht in die Bundesliga gekommen, um nur vier Tore zu schießen“, sagte er zu seiner aktuellen Ausbeute. „Es gibt keine Ausrede mehr. Ich will jetzt liefern.“

          Dost dürfte bis auf weiteres bei Hütter gesetzt sein. Zumal André Silva gegen die Hertha wieder wegen Muskelbeschwerden ausfiel und von Goncalo Pacienica so gut wie keine Impulse ausgingen. Seine „besten Leistungen“, so sagte es Dost, habe er in seiner Karriere stets gebracht, wenn er ohne Partner in vorderster Reihe angriff und dafür von zwei Kollegen auf den Flügeln mit Flanken in Szene gesetzt wurde. Aber auch eine Doppelspitze sei, wenn die Laufwege stimmten, ein probates Mittel für die Eintracht: „Wichtig ist, dass viel von außen reinkommt und im Strafraum was los ist.“ Dann sei er als Vollstrecker in seinem Element, erzählte Dost. Auf Kamada als Vorarbeiter muss er bis auf weiteres verzichten.

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